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Frau schluckt Tablette

Jede geschluckte Tablette gelangt in den Magen. Das Organ hat also einiges zu meistern.
© patmucphotography - Fotolia

Medikamente und der Magen

Vier von fünf Arzneimitteln nehmen ihren Weg über den Mund in den Magen. Hierzu zählen auch viele Medikamente gegen Rheuma und Arthrose. Das macht es für die Patienten einfach, für den Magen aber bisweilen schwer.

Ob Pulver, Granulat, Tabletten oder Kapseln: "Der Mund ist der bevorzugte Weg, über den Arzneimittel in den Körper gelangen", erklärte Professor Dr. Sandra Klein. "Dem Patienten fällt es auf diesem Weg leicht, sein Medikament einzunehmen", so die Pharmazeutin der Universität Greifswald auf einer großen Fortbildungsveranstaltung für Apotheker.

Die erste Station sind Mund und Speiseröhre. In der Regel verbleiben Arzneimittel dort knapp eine halbe Minute. Bereits hier können erste Probleme auftreten. Etwa wenn der Patient Tabletten mit zu wenig oder gar keiner Flüssigkeit einnimmt. Klein warnte: "Dann kommt es häufig dazu, dass Teile der Arznei an der Innenwand der Speiseröhre kleben bleiben." Im einfachsten Fall rutscht der Wirkstoff nach einiger Zeit in den Magen und gelangt erst später in den Organismus.

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Stehen Sie bitte auf!

So lässt sich Rheuma- oder Arthroseschmerz nicht rasch genug lindern. In schwerwiegenden Fällen reizt der Arzneistoff die Speiseröhre oder hinterlässt sogar bleibende Schäden. Diese Gefahr besteht zum Beispiel bei den weit verbreiteten Bisphosphonaten, die Knochenschwund entgegenwirken. Kleins Rat: "Arzneien immer mit einem Glas Wasser und im Stehen einnehmen."

Durch die Speiseröhre rutscht die Arznei in den Magen. Ausreichend Flüssigkeit spielt auch hier eine wichtige Rolle. Nüchtern befinden sich dort nur 25 bis 50 Milliliter. Zu wenig, damit sich Medikamente gut auflösen können. "Sie haften leicht an der Magenwand", sagte Klein. Auch die Art der Flüssigkeit spielt eine Rolle. Wasser verweilt nur 20 bis 25 Minuten im Magen, Getränke wie Saft oder Milch dagegen bis zu 80 Minuten, so dass darin gelöste Medikamente verzögert wirken.

Wann nüchtern wirklich nüchtern ist

Auf den Magen zu achten, spielt besonders bei nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) eine Rolle. Diese Arzneimittel hemmen Entzündungen und lassen so Gelenke abschwellen und lindern Schmerzen. Der größte Nachteil der NSAR ist, dass sie mit der Zeit die Magenschleimhaut schädigen können.

Klein hält auch manchen Einnahmehinweis für irreführend. "Der Hinweis 'Eine Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen' beschreibt zwei völlig unterschiedliche Situationen im Magen", so die Pharmazeutin. Eine Stunde vor dem Essen bedeutet nüchtern. Zwei Stunden nach dem Essen befindet sich im Magen noch viel Nahrung. Meist erst vier Stunden nach der Mahlzeit hat er sich wieder ganz geleert.

Wer sein Medikament also auf nüchternen Magen einnehmen soll, tut dies spätestens eine Stunde vor und frühesten vier Stunden nach dem Essen. Ein Tipp von Klein zum Schluss: "Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wie Sie Ihre Medikamente einnehmen müssen. Sie können dann sicher sein, dass die Arznei auch dort in ausreichender Menge ankommt, wo sie benötigt wird."

Peter Erik Felzer

5 Tipps: So nehmen Sie Medikamente richtig ein

  1. Schlucken Sie Tabletten oder Kapseln immer in aufrechter Haltung, also sitzend oder stehend.
  2. Trinken Sie dazu ein großes Glas Wasser! So bleiben Kapseln oder Tabletten nicht an der Schleimhaut der Speiseröhre oder im Magen kleben.
  3. Trinken Sie keinen Tee und Kaffee, keine Fruchtsäfte, keinen Alkohol und keine Milch, um Medikamente einzunehmen. Ihre Inhaltsstoffe können mit Arzneistoffen reagieren.
  4. Arzneimittel vorsichtshalber nie mit Grapefruitsaft einnehmen. Grapefruitsaft und -früchte hemmen ein Leberenzym, das Arzneistoffe abbaut. Dadurch kann sich die Wirkung von Arzneimitteln, zum Beispiel von Blutfettsenkern, unberechenbar verstärken.
  5. Fragen Sie bezüglich der korrekten Arzneimitteleinnahme immer Ihren Arzt oder Apotheker.

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