Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2011 15. Oktober Verstopfung: Freispruch für die Schokolade

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Frau isst Schokolade

Dass Schokolade verstopfend wirkt, ist wissenschaftlich nicht belegt.
© Knut Wiarda - Fotolia

Verstopfung: Freispruch für die Schokolade

Mal nicht müssen können. Das kennen viele. Die meisten schieben ihre Beschwerden auf die Ernährung. Doch mitunter stecken stattdessen eine Erkrankung oder sogar Medikamente dahinter, die den Darm träge machen.

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Manche machen es ein- bis zweimal am Tag. Andere nur zweimal in der Woche. "Und wie oft haben Sie Stuhlgang?" Mit dieser Frage sorgte Privatdozent Dr. Ralf-Marco Liehr für Schmunzeln im großen Saal des Kurhauses im Südtiroler Meran. Hunderte Apotheker aus verschiedenen Ländern grübelten darüber nach, wie oft sie eigentlich müssen müssen. Der Gastroenterologe am Vivantes Humboldt-Klinikum, Berlin, beruhigte den Saal: "Von dreimal am Tag bis dreimal wöchentlich reicht die 'normale' Bandbreite."

Doch wie sieht es aus, wenn man muss, aber nichts oder nur sehr schwer etwas kommt? Offen gesprochen wird nur selten darüber. Liehr: "Deswegen ist es gar nicht so einfach, zuverlässige Zahlen zu bekommen." Experten haben Kriterien aufgestellt, ab wann eine Verstopfung als chronisch zu bezeichnen ist. Wenigstens zwei der folgenden Symptome müssen für mindestens drei Monate auftreten:

  • Heftiges Pressen bei mindestens jedem vierten Stuhlgang.
  • Knollige, harte Stühle bei mindestens jedem vierten Stuhlgang.
  • Gefühl der nicht kompletten Darmentleerung bei mindestens jedem vierten Stuhlgang.
  • Gefühl der analen Blockierung bei mindestens jedem vierten Stuhlgang.
  • Manuelle Manöver, um den Stuhl zu entleeren bei min destens jedem vierten Stuhlgang.
  • Zwei oder weniger Darmentleerungen pro Woche.

In diesen Fällen raten Experten wie Liehr dazu, einen Arzt aufzusuchen. Denn es gibt mitunter ernste Ursachen, die zu einer Verstopfung führen. So machen manche Erkrankungen, aber auch bestimmte Medikamente den Darm träge. Deswegen fragt Liehr seine Patienten zum Beispiel nach Schilddrüsenleiden oder Diabetes. Beides wirkt sich auf die Verdauung aus. Liehr empfahl während seines Vortrages, dringend auf Alarmsymptome zu achten. Hierzu zählen akute und neu auftretende Verstopfungen. Auch wer Blut im Stuhl bemerkt, unter Fieber, Übelkeit, Erbrechen oder Gewichtsverlust leidet, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen.

So tun Sie Ihrem Darm Gutes:

  • Nehmen Sie sich Zeit
    Essen Sie nicht in Hektik und Eile. Verschieben Sie die Mahlzeiten lieber auf später. Und nehmen Sie sich Zeit für den Gang zur Toilette.
  • Reduzieren Sie Stress und Hektik
    Suchen Sie nach Ihren ganz persönlichen Stressquellen und überlegen Sie sich, wie Sie die jeweilige Situation "entspannen" können.
  • Entspannen Sie sich
    Gönnen Sie sich Auszeiten. Lesen Sie ein Buch oder nehmen Sie ein wohltuendes Bad. Nicht umsonst heißt es: "In der Ruhe liegt die Kraft."
  • Hören Sie auf Ihre innere Uhr
    Versuchen Sie nicht, den Stuhlgang zu unterdrücken. Überwinden Sie bewusst eventuelle Hindernisse, die Sie davon abhalten, auf die Toilette zu gehen, zum Beispiel Termindruck oder fremde Toiletten.
  • Schalten Sie ab
    Am besten geht das durch leichte Bewegung, wie einen langen Spaziergang, oder auch durch regelmäßige sportliche Betätigung.
  • Eine sanfte Hilfestellung
    Leiden Sie nicht unnötig unter Ihrer Verstopfung, holen Sie sich Unterstützung aus Ihrer Apotheke.

Allein der Rat, viel zu trinken, hilft dem Darm nicht weiter. Zu Beginn der Behandlung rät Liehr, den Ballaststoffanteil der Nahrung auf 30 Gramm am Tag zu erhöhen. Gut eignet sich Weizenkleie oder indischer Flohsamen. Entsprechende Präparate bietet die Apotheke an. "Nicht jeder profitiert jedoch gleich gut von Ballaststoffen", weiß Liehr. Führen Ballaststoffe nicht zum Ziel, stehen Präparate zur Verfügung, sogenannte Laxanzien. Im Patientengespräch räumt Liehr auch mit Mythen auf. "Dass Schokolade verstopfend wirkt, morgendlicher Kaffeekonsum oder die 'Verdauungszigarette' abführend sind, ist wissenschaftlich nicht belegt." Und auch hinsichtlich einer großen Sorge kann er seine Patienten beruhigen: Innerlich vergiften kann man sich durch eine Verstopfung nicht.

Peter Erik Felzer

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