Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2011 15. Oktober Was Diabetikerherzen zu schaffen macht

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Schlafende Frau

Bei Diabetikern kommt es gehäuft zum sogenannten "dead-in-bed-Syndrom". Dabei versterben sie aufgrund von Herz-Rhythmusstörungen, und zwar vor allem nachts oder oft auch in den frühen Morgenstunden.
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Was Diabetiker-Herzen zu schaffen macht

Das Diabetikerherz kann leichter aus dem Takt geraten. Es gibt Gründe für diese Zunahme von Herz-Rhythmus-Störungen, erklärt der Herz- und Diabetesspezialist Professor Dr. Dr. Diethelm Tschöpe.

"Die erste Gefahr für das Herz von Diabetikern rührt von einer Spätkomplikation des Diabetes, der Neuropathie des vegetativen Nervensystems", so der Direktor des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen. "Dabei wird das Nervensystem, das auch das Herz steuert, durch hohe Blutzuckerwerte geschädigt. Und zwar so, dass das Herz am Ende ständig 'unter Strom' steht und zu schnell schlägt. Dies begünstigt das Auftreten bösartiger Rhythmusstörungen", informiert der Experte. Deshalb käme es bei Diabetikern gehäuft zum sogenannten "dead-in-bed-Syndrom". Das bedeutet: Diabetiker versterben aufgrund dieser Spätkomplikation am Herzen plötzlich, und zwar vor allem nachts oder oft auch in den frühen Morgenstunden.

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"Aufwachstress" im falschen Rhythmus

Der Grund: In diesem Zeitraum bereitet sich der Körper aller Menschen auf den Tag vor, indem er unter anderem Stresshormone ausschüttet. Was einem gesunden Herzen nichts ausmacht, kann bei geschädigten Herznerven gefährlich werden und Rhythmusstörungen begünstigen. Eine weitere, sich häufig parallel zur Neuropathie entwickelnde Gefahr stellt die Arteriosklerose dar, die bei Diabetikern oft früher und aggressiver auftritt als bei Menschen ohne Diabetes. Sie kann den Boden für einen Herzinfarkt bereiten. "Rhythmusstörungen und Herzinfarkt können sich dann gegenseitig bedingen", erklärt der Herzexperte.

Salzhaushalt aus dem Lot

Hinzu kommt, dass der Blutzucker bei Diabetikern häufig deutlich stärker nach oben und unten schwankt als bei gesunden Menschen. "Diese Schwankungen können mit Störungen im Elektrolythaushalt einhergehen. Das senkt die Schwelle für Rhythmusstörungen", weiß der Spezialist für Diabetes- und Herzerkrankungen. Ein weiterer Risikofaktor: Unterzuckerungen. Sie nötigen den Körper zu einer Stressreaktion. "Im EKG von Diabetikern, die unterzuckert sind, spielen sich sichtbare Veränderungen ab, die zum Beispiel die Gefahr bis hin zum Kammerflimmern begünstigen", so Tschöpe.

Apothekerin Isabel Weinert

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