Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2011 1. Dezember Lungenentzündung: Erste Anzeichen richtig deuten

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Frau liegt im Krankenbett.

Menschen mit Lungenentzündung müssen häufig bis zu zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden.
© Alexander Raths - Fotolia

Lungenentzündung: Erste Anzeichen richtig deuten

In der kalten Jahreszeit kommt kaum jemand um lästige Erkältungen herum. Die meisten überstehen auch ältere Menschen problemlos. Kritisch wird es, wenn sich die Erreger nicht nur in Rachen, Hals und Nasenhöhle, sondern eine Etage tiefer weit ausbreiten und eine Lungenentzündung auslösen.

Zwischen 400.000 und 600.000 Patienten erleiden in Deutschland jedes Jahr eine Lungenentzündung. Sie gefährdet vor allem Ältere: Etwa zwei Drittel der Patienten, die an einer Lungenentzündung sterben, sind älter als 80 Jahre.

Das hat verschiedene Ursachen: Im Alter lässt die Leistung des Immunsystems insgesamt nach. Zudem leiden ältere Menschen eher unter chronischen Krankheiten wie Herzschwäche oder Beeinträchtigungen der Atemwege. Dadurch werden diese Patienten anfälliger für Komplikationen. Hinzu kommt, dass eine Lungenentzündung im hohen Alter oft untypisch verläuft: Eine schlechtere Verfassung ist mitunter das einzige Anzeichen, so dass erst relativ spät mit der Behandlung begonnen werden kann. Ein zusätzlich erhöhtes Krankheitsrisiko haben die bettlägerigen Patienten, die zudem beatmet werden.

Häufigste Auslöser einer Lungenentzündung sind Bakterien, meist Pneumokokken, medizinisch auch Streptococcus pneumoniae genannt. Seltener sind Viren beteiligt, dann vor allem Grippe-Viren, aber auch Pilze oder gelegentlich auch Fremdkörper wie zum Beispiel verschluckte Nahrung können eine Lungenentzündung verursachen. Normalerweise gelangen die Erreger mit der Atemluft in die Lunge, seltener über die Blutbahn.

Hinweise auf schwere Atemwegsleiden wie etwa eine Lungenentzündung:

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  • Anzeichen eines grippalen Infektes wie Muskel-, Gelenk- und/oder Kopfschmerzen,
  • allgemeines Krankheitsgefühl,
  • Fieber oder im Gegenteil Untertemperatur; Schüttelfrost gefolgt von hohem Fieber bei bakterieller Lungenentzündung mit Pneumokokken,
  • Husten,
  • eitriger Auswurf, vor allem bei bakterieller Infektion mit Pneumokokken,
  • erschwertes, schnelleres Atmen, teils Schmerzen beim Atmen,
  • Herzrasen,
  • eventuell bläulich-violette Fingernägel, Zehen oder Lippen bei Sauerstoffmangel.

Mit zunehmendem Alter kann eine Lungenentzündung auch ohne typische Anzeichen wie Husten oder Fieber verlaufen. Zudem verläuft sie manchmal eher mild und wird erst spät bemerkt. Holen Sie schon bei Verdacht ärztlichen Rat ein!

Leider gibt es keine Vorzeichen, die allein oder in Kombination eindeutig auf eine Lungenentzündung schließen lassen. Sicherheit gibt nur ein Röntgenbild und dessen fachkundige Auswertung. Natürlich möchte man nicht von jedem Patienten, der wegen Fieber und schwerer Erkältung die Arztpraxis aufsucht, eine Röntgenaufnahme machen. Entscheidend ist hier die Erfahrung des Arztes. Eine körperliche Untersuchung kann zusammen mit weiteren Informationen über die Lebensumstände des Patienten den Verdacht erhärten oder entkräften.

Wenn eine Klinikeinweisung nötig ist, müssen die Patienten mit Lungenentzündung durchschnittlich 15 Tage im Krankenhaus bleiben. Gut die Hälfte bis zu zwei Dritteln können aber auch zu Hause behandelt werden. In diesen Fällen ist es jedoch wichtig, die Medikamente – meist Antibiotika – genau nach ärztlicher Anweisung einzunehmen. Wer von sich aus weniger einnimmt oder früher aufhört als verordnet, riskiert, im eigenen Körper resistente Bakterien zu züchten.

Was Erkältungen vorbeugt, hilft grundsätzlich auch, Lungenentzündungen zu verhindern. Unter anderem gehören viel Bewegung an der frischen Luft, eine vitaminreiche Ernährung oder auch Nasenspülungen mit Kochsalz dazu. Darüber hinaus sollten sich alle ab einem Alter von 60 Jahren gegen Pneumokokken und jährlich gegen Grippe (Influenza) impfen lassen. Risikogruppen wiederholen die Pneumokokken-Impfung alle fünf Jahre, so etwa immunschwache Patienten.

Heike Thiesemann-Reith

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