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OP-Saal

Mit einer neuen Technik entfällt beim Vernähen von Operationswunden das mühselige Verknoten der Fadenenden. Diese werden einfach per Laser verschweißt.
© DAK/Scholz

Nähen mit dem Laser

Bei immer mehr Eingriffen setzen Ärzte auf die Schlüsselloch-Chirurgie. Mit einer neuen Technik verknoten sie die Fäden, mit denen sie die Wunden vernähen, nicht mehr, sondern verschweißen sie mit dem Laser.

Gerade Operationen im Bauchraum führen Chirurgen immer häufiger minimalinvasiv durch. Dabei genügt ein kleiner Schnitt in die Bauchdecke, damit sie die Instrumente einführen und die Organe behandeln können. Vorteil für den Patienten: relativ kleine Operationswunden, die den Körper weniger strapazieren als konventionelle Eingriffe. Die kleinen Schnitte bedeuten aber auch: weniger Platz für den Arzt. Vor allem das Nähen verlangt ihm großes Geschick und Fingerspitzengefühl ab.

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Anders als beim Nähen von Textilien muss der Operateur nach jedem Stich einen Knoten setzen. Bei einer zu stark gespannten Naht wird das Gewebe zu wenig durchblutet. Zudem können die Fäden ins Gewebe einschneiden und Gefäße abschnüren. Schlimmstenfalls stirbt das Gewebe ab. Bei einer zu lockeren Naht kann es dagegen zu Blutungen an den Wundrändern kommen.

Bislang hängt eine korrekt gespannte Naht von der Erfahrung des Operateurs ab. Das muss er subjektiv einschätzen – bei jeder Operation aufs Neue. Doch dies soll laut Forschern des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT in Aachen der Vergangenheit angehören. Das neue Nähinstrument setzt den Faden unter eine vorher festgelegte Spannung. Der Vorteil: "Mit unserem neuen Gerät lassen sich die Geweberänder schnell und sicher verbinden,
da es automatisch für die optimale Nahtspannung sorgt. Der Chirurg muss
sich nicht mehr darum kümmern. Künftig entfällt auch das mühselige Verknoten der Fadenenden, diese werden einfach per Laser verschweißt", erklärt Diplom-Ingenieur Adrian Schütte die neue Technik.

Was versteht man unter Schlüsselloch-Chirurgie?

Minimalinvasive Chirurgie nennen es Fachleute, wenn Chirurgen durch kleine
Schnitte im Bauch, der Brust, der Leiste oder in der Nähe von Gelenken operieren. Über diese kleinen Öffnungen führen sie ein spezielles Instrument ein: das Endoskop. Dieses ähnelt einem Schlauch, in dem sich alle benötigten Instrumente befinden. Zum Beispiel eine Lichtquelle, eine Kamera und chirurgische Instrumente.

Zunächst verschaffen sich die Chirurgen durch ein schmales Rohr – Experten nennen es Trokar – einen Zugang zum Bauchraum. Nachdem sie mit der Nadel das Gewebe durchstochen haben, ziehen sie die Fadenenden mit der Operationszange durch dieses Rohr heraus und legen sie in eine Hülse ein. Das Instrument schiebt die Hülse hinab, zieht an den Fäden und sorgt so für die vorher eingestellte Spannung. Die stramm gezogenen Fäden verschweißt der Laser mit der Hülse. Die Hülse verbleibt nach dem Verschweißen im Bauchraum.

"Derzeit besteht sie aus dem Kunststoff Polypropylen", erklärt Schütte. Er sucht aber nach einem Material, das der Körper nach einigen Wochen selbst abbaut. Labortests führten der Wissenschaftler und sein Team bereits erfolgreich durch. Im Laufe dieses Jahres sollen die ersten Untersuchungen am Universitätsklinikum Aachen starten. Als erstes werden Ärzte das Nähinstrument für Eingriffe im Bauchraum einsetzen. Schütte zeigt sich überzeugt, "dass es sich auch für Schlüssellochoperationen am Herz anpassen lässt".

Peter Erik Felzer

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