Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2011 15. August Schilddrüse setzt Blutgefäße unter Druck

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Schilddrüse setzt Blutgefäße unter Druck

Unzureichend behandelt erhöht Bluthochdruck das Risiko für Schlaganfall, Nierenschäden und schwere Herzerkrankungen. Meist entsteht er ohne eine klare Ursache. Doch gelegentlich gibt es sie – eine Schilddrüsen-Fehlfunktion etwa.

Schmerzen an der Schilddrüse

Bluthochdruck kann auch durch eine Schilddrüsen-Fehlfunktion verursacht sein.
© Robert Kneschke - Fotolia

Stellt der Arzt wiederholt erhöhte Blutdruckwerte fest, wird er zunächst nach einer eindeutigen organischen Ursache dafür suchen. Also nach einer Erkrankung, die sich behandeln lässt. Solche speziellen Auslöser des Bluthochdrucks kommen zwar nicht oft vor, aber es gibt sie. Privatdozent Dr. Alexander Mann, Facharzt für Innere Medizin und Hormonexperte aus dem Endokrinologikum Frankfurt am Main, schätzt: "Klar fassbare organische Ursachen für Bluthochdruck lassen sich bei etwa 15 Prozent aller Hochdruckpatienten nachweisen."

Möglich sind beispielsweise Störungen in hormonbildenden Drüsen. So steigern
gutartige Tumore in den Nebennieren den Blutdruck. Außerdem kann ihn eine Schilddrüsen-Überfunktion nach oben treiben. "Von einer solchen Überfunktion spricht man bei vermehrter Abgabe von Schilddrüsen-Hormonen in die Blutbahn", erläutert Mann. "Dies kann durch eine Schilddrüsen-Entzündung oder durch eine ungesteuerte Abgabe von Schilddrüsen-Hormonen aus Knoten in der Schilddrüse geschehen."

Die Hormonüberdosis setzt Herz und Kreislauf zu. "Schilddrüsen-Hormone wirken auf das unwillkürliche Nervensystem und direkt auf die Herzmuskelzelle. Beides lässt das Herz schneller schlagen und erhöht das Blutvolumen. Als Folge der erhöhten Kreislaufbelastung bei der Schilddrüsen-Überfunktion steigt vor allem der obere, der systolische Blutdruckwert."

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Interessant ist, dass auch eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf Dauer den Blutdruck erhöhen kann. Der Experte: "Dies geschieht nicht durch einen direkten Einfluss auf die Herzleistung, sondern durch die Wirkung auf die Blutgefäße. Sie werden bei der Schilddrüsen-Unterfunktion weniger nachgiebig. In den starren Gefäßen steigt eher der untere, der diastolische Blutdruckwert."

Steht die ärztliche Diagnose fest, muss behandelt werden. Von selbst verflüchtigt sich eine Schilddrüsen-Fehlfunktion nicht. Herz und Kreislauf profitieren von der Therapie, betont Mann. "Um den Blutdruck bei der Überfunktion zu senken, setzt man Betablocker ein. Diese verlangsamen den durch die Überfunktion erhöhten Herzschlag wieder. Und sie senken das Pumpvolumen des Herzens und den Widerstand in den Blutgefäßen. Hierdurch
kommt es zu einer raschen Senkung desBlutdruckes innerhalb von Stunden bis
einigen Tagen."

Hinzu kommen Mittel, die die Hormonbildung der Schilddrüse drosseln, was meist nach einigen Wochen gelingt. Eventuell muss eine Operation folgen, um die Überfunktion endgültig auszuschalten. Dabei wird die Schilddrüse ganz oder teilweise entfernt. Alternativ gibt es eine Radiojodtherapie.

Bei einer deutlichen Unterfunktion – die auch als Folge einer Schilddrüsen-Operation oder Radiojodtherapie eintritt – verordnet der Arzt Schilddrüsen-Hormone, damit Herz und Kreislauf wieder normal arbeiten können. "Doch Fehler bei der Einnahme von Schilddrüsen-Hormonen können den Blutdruck beeinflussen", warnt Mann. Daher ist bei der Suche nach der optimalen Dosis eine gute Abstimmung zwischen Arzt und Patient wichtig.

Dr. Frank Schäfer

Mögliche Anzeichen für eine Überfunktion der Schilddrüse:

  • erhöhter Puls, unregelmäßiger Herzschlag, hoher systolischer Blutdruck
  • Unruhe, Schlafstörungen, Wärmeempfindlichkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Zittern der Hände
  • häufigere Stuhlgänge, weicherer Stuhl, Übelkeit, Heißhunger
  • bei Frauen: Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit; beim Mann: Impotenz
  • bei Morbus Basedow: Vortreten der Augen, Augenrötung

Mögliche Anzeichen für eine Unterfunktion der Schilddrüse:

  • verlangsamter Herzschlag, eventuell hoher diastolischer Blutdruck
  • Antriebsarmut, Kälteempfindlichkeit
  • Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
  • Appetitlosigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme
  • bei Frauen: Zyklusstörungen
  • trockene, schuppige, blassgelbe Haut

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