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Hustender, junger Mann wird von einer Ärztin abgehört

Diagnostiziert der Arzt eine Dauer-Bronchitis, fällt die Behandlung anders aus als bei einer akuten Bronchitis.
© Alexander Raths - Fotolia

Vom Husten zur Dauer-Bronchitis

Kalte und feuchte Luft in Herbst und Winter: Das bedeutet "Wohlfühlklima" für die Bronchitis-Erreger. Rund acht Millionen Menschen, die unter der chronischen Form dieser Lungenerkrankung leiden, müssen jetzt besonders aufpassen.

Akute Atemwegsinfekte mit Schnupfen und Husten suchen fast jeden in dieser Jahreszeit heim. Eigentlich keine große Sache. Man steckt sich mit einem Erkältungsvirus an, der in den Bronchien eine Entzündung auslöst. Dort bildet sich vermehrt Schleim, der abgehustet werden muss.

Problematisch wird es, wenn der Husten länger bestehen bleibt oder kurz nacheinander immer wieder Erkältungen mit Bronchitis auftreten. "Solche Infekte an den Bronchien oder den Nasennebenhöhlen ebnen einer chronischen Bronchitis den Weg", erklärt der Lungenfacharzt Dr. Ulrich Steinhauser aus Sinsheim. Diese Dauer-Bronchitis wird fachsprachlich als COPD bezeichnet, der englischen Kurzform für "chronisch obstruktive Lungenerkrankung". Laut Steinhauser leiden acht Millionen Menschen in Deutschland darunter, viele davon sind Raucher.

Verengte Atemwege machen es Erregern leicht

Steinhauser: "Chronisch obstruktiv heißt, dass die Patienten ständig verengte Atemwege haben. Dadurch bekommen sie weniger Luft und haben ein größeres Risiko, sich Infekte einzuhandeln." Die Entzündungen schwächen die Lunge weiter und machen sie anfälliger für neue akute Infekte. Diese führen ihrerseits dazu, dass die Entzündung wieder aufflammt und die Grunderkrankung verschlechtert. "Das wird dann zu einem Kreislauf, der sich selbst unterhält", sagt Steinhauser. "Je schwerwiegender eine chronische Bronchitis ist, desto riskanter sind dann Infekte, die auf dem Boden dieser chronischen Erkrankung auftreten."

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Zigarettenrauch ist Risikofaktor Nummer 1

Mehr noch als häufige Infekte führt der Kontakt zu Reizstoffen zur COPD – in aller Regel handelt es sich dabei um Zigarettenrauch. "Daher ist es für mich bei der Behandlung dieser Erkrankung am wichtigsten, dass der Patient vom Rauchen wegkommt, egal wie", erklärt der Lungenfacharzt. Während bei einer akuten Bronchitis schleimlösende Präparate und je nachdem, ob bakterielle Erreger im Spiel sind, Antibiotika zum Einsatz kommen, brauchen Patienten mit COPD eine andere Therapie. Ihnen verschreibt der Arzt meist zwei verschiedene Sorten Sprays, die sie dauerhaft anwenden müssen: Die einen enthalten Wirkstoffe, die die Bronchien erweitern und so das Atmen erleichtern. Die anderen Sprays beruhigen die Entzündungsprozesse in den Bronchien. Flammt die Entzündung akut auf, muss die Medikation angepasst beziehungsweise mit Antibiotika ergänzt werden.

Als weitere Maßnahmen, um die Bronchien bei einer COPD zu stärken, empfiehlt Steinhauser, regelmäßig Sport zu treiben und körperlich aktiv zu sein, auch draußen: "Natürlich kein Walking bei hohen Ozonwerten im Sommer oder Skilanglauf bei -20 Grad Celsius." Das würde die Bronchien zusätzlich reizen. Weiterhin sinnvoll, um Infekte zu vermeiden, seien Saunabäder und eine der Jahreszeit angepasste Kleidung. Er rät zudem, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen.

Apotheker Rüdiger Freund

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