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Brillen schon für Babys

"Muss das wirklich sein?" Verordnet der Augenarzt eine Brille, reagieren die Eltern kleiner Kinder oft skeptisch. Privatdozentin Dr. Dietlind Friedrich vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) hält dem entgegen: "Ja, oft muss es sein."

Baby mit Brille

Das Zeitfenster, um Sehschwächen auszugleichen, ist nicht groß. Deswegen benötigen manchmal schon Babys eine Brille.
© KGS/Frank Sonnenberg

Eine Brille schon für kleine Kinder: Das hat seinen guten Grund. "Damit sich das Sehvermögen der Kinder gut entwickeln kann, sind Sehhilfen mitunter dringend nötig", weiß die Leiterin des Arbeitskreises Strabologie, das ist die Lehre von den Schielerkrankungen, im BVA. Die Augenärztin weiß: Jeder Sehfehler – ganz gleich ob es sich um eine Kurz-, Weit- oder Stabsichtigkeit handelt – muss korrekt ausgeglichen werden. Nur so kann sich die Sehkraft gut und altersgemäß entwickeln. Und das Gehirn lernt, die Bildinformationen beider Augen zu verarbeiten.

Einseitige Sehschwäche vermeiden

Auch wenn Eltern meinen, ihr Kind sieht ohne Brille gut genug: Dieser Eindruck täuscht. Medizinische Laien können die Qualität des Sehens in der Regel nicht richtig einschätzen. Das Sehen mit beiden Augen verdeckt möglicherweise einen Sehfehler, der schon länger unbemerkt auf einem Auge besteht.

Mit einer Brille für Kinder lässt sich in den meisten Fällen eine Sehschwäche vermeiden. Sie droht, wenn die Bildinformationen der beiden Augen aufgrund von Sehfehlern und/oder Schielen zu stark voneinander abweichen. Das Gehirn unterdrückt den Seheindruck des schwächeren Auges. In der frühen Kindheit, bis etwa zum Alter von vier Jahren, in der sich das Zusammenspiel zwischen Augen und Gehirn entwickelt, lässt sich dies noch rückgängig machen. "Dieses Zeitfenster muss unbedingt genutzt werden", macht Friedrich klar. "Deshalb können schon Babys auf eine Brille angewiesen sein."

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Mitunter geht dies nur mit einem gewissen Aufwand. "Bei größeren Kindern müssen die Gläser manchmal in ihrer Stärke langsam aufgebaut werden", erläutert Friedrich. "Damit das Kind sich an die Korrektur gewöhnen kann, müssen die Gläser in seltenen Fällen zwei bis drei Mal im Abstand von einigen Wochen gewechselt werden." Bei größeren Kindern können auch Kontaktlinsen eine Option sein. Dann ist es allerdings wichtig, dass die Kinder die für diese Sehhilfe unerlässlichen Hygiene regeln sorgfältig beachten.

Brille für Erfolg in der Schule

Ein Sehfehler wie eine geringfügige Weitsichtigkeit, die im Alltag gar nicht auffällt, kann in der Schule, bei den Hausaufgaben und anderen Naharbeiten zu Beschwerden führen. Sie machen sich als Kopfschmerzen und Leseunlust bemerkbar und führen manchmal sogar zu Konzentrationsschwierigkeiten. In diesen Fällen kann die Sehhilfe den Kindern den Spaß am Lernen zurückgeben und so den Erfolg in der Schule sichern.

Peter Erik Felzer

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