Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2012 15. März Diabetes-Forschung: Therapien der Zukunft

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Diabetes-Forschung: Therapien der Zukunft

Wissenschaftler suchen für Diabetiker nach weiteren Verbesserungen der Therapie. Die wichtigsten Forschungsfelder kennt Professor Dr. Thomas Forst vom Institut für klinische Forschung und Entwicklung (ikfe) in Mainz.

Forscherin schaut durch ein Mikroskop

Neue Insuline und innovative Blutzuckersenker. Daran arbeiten zurzeit die Diabetes-Forscher.
© Boehringer Ingelheim

"Drei Bereiche machen die Forschung im Bereich Diabetes aus: die Suche nach neuen Arzneistoffen, die Entwicklung neuer Insuline und der Weg zu sogenannten geschlossenen Systemen", so Forst. Zu Letzteren zählen die Inselzell-Transplantation und die intelligente Insulinpumpe, die selbstständig den Blutzucker bestimmen und daraufhin die richtige Menge Insulin abgeben soll.

Mehr als nur Blutzuckersenkung

Zur ersten Gruppe, den Arzneistoffen: "Neue Substanzen sollen nicht einfach nur den Blutzucker senken, sondern darüber hinaus möglichst keine Unterzuckerungen hervorrufen und das Gewicht günstig beeinflussen", erklärt der Experte. Diese Forderungen scheinen die sogenannten SGLT-2-Hemmer zu erfüllen. "Diese Arzneistoffe sorgen dafür, dass Glukose über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird", so Forst. Das senke nicht nur den Blutzucker und gehe ohne Unterzuckerungen, sondern helfe auch beim Abnehmen und wirke gegen hohen Blutdruck.

"Verliert der Organismus mithilfe der SGLT-2-Hemmer Glukose, so steht ihm auch weniger Energie zur Verfügung", berichtet der Mainzer Forscher. Die Folge: Der Diabetiker nimmt ab – bei über 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker ein erwünschter Effekt. Weil Glukose Wasser bindet, verliert der Patient auch vermehrt Flüssigkeit. Das senkt nach den Worten des Experten den Blutdruck, und zwar vergleichbar mit der Wirkung von Bluthochdruck-Medikamenten. Mit der Markteinführung dieser SGLT-2-Hemmer rechnet Forst in zwei bis drei Jahren.

Komplikationen aufhalten

Länger dauert es laut Forst, bis Arzneistoffe zur Verfügung stehen, die das körpereigene Hormon Kortisol beeinflussen und somit die für Typ-2-Diabetes typische Insulinresistenz mindern können. Daneben stehen sogenannte Glukokinase-Aktivatoren im Fokus einiger Wissenschaftler. Forst: "Das körpereigene Enzym Glukokinase kommt unter anderem in den Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse und in der Leber vor. Glukokinase-Aktivatoren fördern die Freisetzung von Insulin aus den Betazellen. Gleichzeitig hemmen sie die Freisetzung von Glukose aus Glukosespeichern in der Leber."

Von Interesse sind auch Substanzen, die der Arteriosklerose entgegenwirken, die bei Diabetikern meist früher und massiver auftritt als bei gesunden Menschen. "Diese Arzneistoffe sollen weniger den Blutzucker senken, sondern vielmehr helfen, typische Diabetes-Komplikationen aufzuhalten", weiß Forst.

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Insulinabgabe bedarfsgerecht

Das zweite Feld der Forschung beschäftigt sich mit neuen Insulinen für Typ-1- und Typ-2-Diabetiker. "Eine interessante Entwicklung in diesem Bereich sind die Smart-Insuline", sagt der Experte. "Diese Insuline sind an ein Eiweiß gekoppelt. Es sorgt dafür, dass sie nach dem Spritzen erst einmal im Gewebe verbleiben. Wenn der Glukosespiegel im Blut und wenig später auch im Gewebe ansteigt, verdrängt Glukose einen Teil des Insulins von dem Eiweiß. Dann kann Insulin ins Blut gelangen und dort den hohen Blutzucker senken. Liegt er wieder im Normalbereich, hört die Insulinabgabe aus der Insulin-Eiweiß-Bindung wieder auf." Der Mechanismus funktioniert nach den Angaben Forsts bereits im Tierversuch, bald startet die erste Studie mit Menschen.

Eine für alles

Der dritte Forschungsbereich widmet sich den geschlossenen Systemen. "Dazu gehört die Inselzell-Transplantation", blickt Forst in die Zukunft. "Dabei wird versucht, Inselzellen so zu verkapseln, dass sie vom Körper nicht mehr abgestoßen werden." Dann wäre auch die zusätzliche Gabe von Immunsuppressiva nicht mehr nötig. Sie verhindern eine Abstoßung, haben aber viele Nebenwirkungen.

Ein weiteres 'System', das Diabetikern das Leben enorm erleichtern könnte, ist die intelligente Insulinpumpe. Sie soll zuverlässig den Blutzucker messen und daraus die benötigte Insulinmenge errechnen und abgeben. "Das ist jedoch viel komplizierter als anfangs angenommen wurde", weiß Forst. Und deshalb für Patienten immer noch Zukunftsmusik.

Apothekerin Isabel Weinert

Weitere Informationen

Das erwähnte Institut für klinische Forschung und Entwicklung (ikfe) in Mainz finden Sie im Internet unter www.ikfe.de

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