Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2012 1. April Rheuma früh feststellen und behandeln

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Rheuma früh feststellen und behandeln

Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung kann dank vieler wirksamer Medikamente oft gut geholfen werden. Eines aber ist dafür Voraussetzung: dass ein Arzt die Krankheit frühzeitig feststellt!

Älterer Mann hält sich das schmerzende Knie

Wer unter anhaltenden Gelenk- und Muskelschmerzen leidet, sollte entschlossen handeln und sich möglichst bald vom Rheumatologen untersuchen lassen.
© goodluz - Fotolia

"Rheumatische Krankheiten mit Entzündungen an den Gelenken, wie die rheumatoide Arthritis, führen oft schon früh zu Gelenkschäden mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie verhindert oder gemindert werden können", betont der Rheumatologe Professor Dr. med. Ekkehard Genth, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. "Hinzu kommt, dass die frühe Therapie häufiger zu einer Rückbildung der Entzündungen führt." Daher sollte man bei unklaren Gelenk- und Muskelbeschwerden in jedem Fall bald zum Arzt gehen.

Vor der Behandlung Impfschutz komplettieren

Mit der Behandlung früh zu starten ist also gut. Doch vor dem Einstieg in die Behandlung sollte man sich die Zeit nehmen, für häufige Infektionskrankheiten den Impfschutz zu prüfen und bei Bedarf vervollständigen zu lassen, empfiehlt Genth. Grundsätzlich seien Impfungen aber auch unter der Therapie möglich, nicht aber mit Lebendimpfstoffen. Vor einer Biologika-Behandlung muss eine ruhende Tuberkulose ausgeschlossen werden, da sie unter der Therapie ausbrechen könnte. Biologika sind gentechnisch hergestellte Eiweißsubstanzen, die sich gegen entzündungsfördernde Botenstoffe im Körper des Rheumakranken richten. "Eine dauerhafte Schädigung des Immunsystems durch eine Basistherapie ist nicht zu erwarten, auch die Häufigkeit von Krebs ist dadurch nicht erhöht", versichert Genth. "Bei größeren Zahnbehandlungen ist eine Antibiotikaprophylaxe zu erwägen."

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Basistherapie Grundpfeiler der Behandlung

Ist die Diagnose beispielsweise einer rheumatoiden Arthritis geklärt und sind notwendige Impfungen abgeschlossen, beginnt die Basistherapie. "In der Regel", erläutert Genth, "wird dabei Methotrexat als erstes Medikament einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt oder eingenommen, wenn keine besonderen Gründe wie zum Beispiel ein schwerer Leberschaden dagegen sprechen." Zu Beginn genügt das allein oft nicht: "Da die Wirkung von Methotrexat erst nach vier bis acht Wochen einsetzt, verordnet der Arzt je nach Krankheitsaktivität anfangs häufig ein kortisonartiges Medikament in niedriger Dosis, um Entzündungen zu hemmen. Gegen mögliche Nebenwirkungen wird oft im Abstand von ein oder zwei Tagen nach der Einnahme von Methotrexat ein Folsäurepräparat eingenommen."

Kommt es zu keiner Besserung, rät Genth, nach drei Monaten alternativ oder zusätzlich ein anderes Basismedikament wie Leflunomid, Gold-Thiomalat, ein anderes nichtbiologisches Basismedikament oder ein sogenanntes Biologikum einzusetzen. Gegen akute Schmerzen helfen kurzzeitig schmerz- und entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen.

Wichtig ist Genth, dass Betroffene vom Beginn der Behandlung an die Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, um den Erfolg, aber auch Nebenwirkungen der Therapie feststellen zu können. Und Patienten können noch mehr tun: Tägliche Bewegungsübungen nach Maßgabe des Arztes sind besonders für betroffene Gelenke wesentlich, um Bewegungsverluste zu vermeiden.

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Nicht nur entzündliches Gelenkrheuma früh behandeln?

Es stellt sich die Frage, ob neben entzündlichem Gelenkrheuma auch andere Rheumaleiden bei einem frühen Therapiebeginn besser behandelt werden können als bei einem späteren. "Dort, wo eine frühe Therapie Schäden verhindern kann, ist dies notwendig", stellt Genth fest. "Beim Lupus erythematodes beispielsweise gibt es verschiedene Schäden etwa an den Nieren, die sich durch frühzeitige Therapie verhindern oder mindern lassen. Andere entzündliche Veränderungen zum Beispiel an Gelenken sind meist in jeder Krankheitsphase rückbildungsfähig. Beim Morbus Bechterew existieren auch nach längerer Krankheitsdauer gute Behandlungsmöglichkeiten von Schmerzen und Entzündungsaktivität. Allerdings gibt es bisher keine ausreichenden Möglichkeiten, Schäden an der Wirbelsäule zu verhindern." Die Frühdiagnose sei trotzdem wichtig, da die Kombination von schmerzlindernder und antientzündlicher Therapie mit Physiotherapie Bewegungseinschränkungen sowie Einsteifung in ungünstiger Stellung der Wirbelsäule entgegenwirke.

Gut zu wissen: Bei früher und korrekter Behandlung erreichen viele Rheumatiker eine Lebenserwartung ähnlich der gesunder Menschen. "Dies wurde jedenfalls bei der rheumatoiden Arthritis in mehreren Studien gezeigt."

Dr. Frank Schäfer

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