Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2012 15. April Vaginalpilz: ein intimes Problem

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Nachdenkliche Frau

Drei Viertel aller Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einem Scheidenpilz, die meisten sogar mehrfach.
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Vaginalpilz: ein intimes Problem

Gesundheitsbeschwerden tauchen häufig zum ungünstigsten Zeitpunkt auf. Zum Beispiel drei Tage vor der Abschlussprüfung, in der Schwangerschaft oder am Hochzeitstag. Auch beim Vaginalpilz ist das oft nicht anders. Doch der lästige Erreger lässt sich erfolgreich bekämpfen.

Er lässt sich nicht mit dem bloßen Auge erkennen und findet sich sogar bei Männern. Die Rede ist von Candida albicans, dem Haupterreger für Vaginalinfektionen. Doch er fühlt sich nicht nur in der Scheide, sondern auch im Mund oder im Darm wohl. Meist tritt der Pilz in so geringer Zahl auf, dass wir ihn nicht bemerken. Unter gewissen Umständen löst er jedoch Infektionen aus.

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Gestörtes Gleichgewicht

Eine vaginale Pilzinfektion beginnt meist mit einer Störung des natürlichen Gleichgewichts zwischen Pilzen und Bakterien im Scheidenmilieu. Bakterien, die bei allen Frauen auf der Vaginalschleimhaut leben, sorgen hier normalerweise für eine saure Umwelt und halten so die Pilz-Bevölkerung in Schach. Gerät die Pilz-Bakterien-Balance ins Wanken, nutzen die Pilze die Gelegenheit und fangen an, sich zu vermehren.

Dass dies gar nicht so selten passiert, weiß Professor Dr. Hans-Jürgen Tietz. "Vaginale Pilzinfektionen gehören zu den häufigsten Frauenleiden", so der Leiter des Instituts für Pilzkrankheiten in Berlin. Drei Viertel aller Frauen leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einem Scheidenpilz, die meisten sogar mehrfach. "Die Infektionen sind zwar nicht bedrohlich, mindern aber die Lebensqualität erheblich. Viele Frauen sprechen darüber nicht, suchen die Schuld bei sich und verzweifeln, wenn die Infektion wiederkommt."

Pilzinfektion ist heilbar

Die gute Nachricht: Eine Pilzinfektion lässt sich heilen. "Es gibt Medikamente, sogenannte Antimykotika, die den Erreger beseitigen. Voraussetzung ist, dass die Diagnose stimmt und der Pilz effektiv behandelt wird", erklärt Tietz.

Folgende Symptome weisen auf einen Scheidenpilz hin:

  • Juckreiz und Brennen, spürbar im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane und des Scheideneingangs.
  • Vermehrter Ausfluss. Er kann weiß oder gelblich sein und sieht häufig aus wie geronnene Milch. Sofern vorhanden erinnert sein Geruch an frische Hefe.
  • Rötung und Schwellung zeigen an, dass das betroffene Gewebe auf die Infektionserreger reagiert.

Ruhe vor dem Pilz

Slips aus Kunstfasern, Nylonstrumpfhosen und enge Miederwaren schaffen ein feuchtwarmes, sauerstoffarmes Klima auf der Haut. Hier fühlen sich Pilze besonders wohl. Slipeinlagen mit Kunststofffolien haben einen ähnlichen Effekt. Lockere Unterwäsche aus Naturfasern erleichtert den Luft- und Wärmeaustausch im Intimbereich und beugt einer Pilzinfektion vor. Parfümierte Seifen und Badezusätze greifen häufig den Säureschutzmantel der Haut an. Deshalb zum Waschen, Duschen oder Baden besser pH-neutrale Produkte verwenden. Auch bei Intimsprays und deodorierten Slipeinlagen und Binden ist aus dem gleichen Grund Vorsicht geboten. Nach dem Toilettengang den Intimbereich besser von "vorne nach hinten" wischen! So lässt sich das Verschleppen von Darmpilzen in den Scheidenbereich verhindern.

Nicht immer treten alle Symptome gemeinsam auf. Auch die Stärke kann im Einzelfall erheblich variieren. Erfahrungsgemäß hat die Infektion nach drei Tagen ihren Höhepunkt erreicht.

In der Apotheke gibt es eine Reihe von rezeptfreien Medikamenten, um Vaginalpilze zu behandeln. Sie enthalten die Wirkstoffe Clotrimazol oder Nystatin. Einige Präparate bestehen aus zwei Teilen. Zum einen einer Tablette oder Zäpfchen. Sie werden in die Scheide eingeführt. Zum anderen aus einer Creme, um die ebenfalls infizierte Scheidenumgebung zu behandeln. Mitunter enthalten die Präparate zusätzlich Milchsäure. Sie unterstützt das Scheidenmilieu und erschwert es den Pilzen, aber auch krank machenden Bakterien, sich auszubreiten.

Hilfe aus der Apotheke

Hilfe aus der Apotheke Laut Tietz gibt es zwei Gründe, warum die Therapie versagen kann. Entweder stimmt die Diagnose nicht. Es liegt etwa eine andere Hauterkrankung vor, gegen die Pilzmedikamente nichts ausrichten. Oder es hat ein Pilz die Infektion ausgelöst, der auf die herkömmlichen Medikamente nicht reagiert. Generell sollten Frauen laut dem Berliner Pilzexperten einen Arzt aufsuchen, wenn sich die Beschwerden nicht bessern. Dies gilt auch, wenn die Probleme immer wiederkehren, die Infektion in der Schwangerschaft auftritt oder Fieber und Schmerzen im Unterbauch hinzukommen.

Viele Medikamente müssen die Frauen über drei Tage jeweils einmal täglich anwenden. Der Trend geht laut Tietz zur Ein-Tages-Therapie. "Sie beruht auf dem verständlichen Wunsch vieler Patientinnen, die heikle Infektion so schnell wie möglich zu überwinden."

Peter Erik Felzer

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