Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2012 1. Juni Schmerzmittel: schmieren statt schlucken

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Schmerzmittel: schmieren statt schlucken

Schmerzmittel in Form von Gelen oder Cremes taugen nichts? Im Gegenteil: Richtig angewendet sind sie Schmerzmitteln zum Schlucken bei vielen Muskel- und Gelenkbeschwerden ebenbürtig. Das erklärte Professor Dr. Christel Müller-Goymann auf einer Fortbildungsveranstaltung für Apotheker.

Frau schaut Tablette an.

Bei Schmerzen müssen es nicht immer Tabletten oder Kapseln sein.
© patmucphotography - Fotolia

Auf dem Weg zum Wirkort hat ein auf die Haut aufgetragenes Schmerzmittel einige Hürden zu überwinden. Zunächst ist da die tote Hornhautschicht, gefolgt von der darunterliegenden Lederhaut mit den Sinneszellen, Schweißdrüsen und Haarwurzeln. Und schließlich muss der Arzneistoff noch das Unterhautfettgewebe passieren.

Wie Müller-Goymann vom Institut für pharmazeutische Technologie an der Universität Braunschweig berichtete, gelangt der Wirkstoff bei den gängigen Präparaten aber trotz dieser Barrieren in ausreichend hoher Konzentration ans Ziel. Schmerzen in den Muskeln, Sehnen und Gelenken können so erfolgreich gelindert werden.

Der Clou dieser Anwendungsweise: Auf dem Weg über die Haut kommt laut der Expertin oft sogar mehr Schmerzmittel an, als wenn der Patient eine Tablette schluckt und sich der Arzneistoff seinen Weg erst über Magen, Darm und Blutgefäße bahnen muss. So erklärt sich auch ein weiterer großer Vorteil lokal angewendeter Zubereitungen: weniger Nebenwirkungen bei gleicher Wirksamkeit! Ist ja auch klar, da das Schmerzmittel nur dort landet, wo es benötigt wird.

Auf die Zubereitung kommt es an

Doch nicht alle auf die Haut aufgetragenen Präparate und nicht alle Schmerzmittel wirken gleich gut. "Auf die Art der Zubereitung kommt es an", fasste die Technologie-Professorin zusammen. Müller-Goymann zufolge hätten beispielsweise Ibuprofen enthaltende Gele einen Vorteil gegenüber Cremes mit dem gleichen Wirkstoff. Durch die Zusammensetzung der Gele kann der Wirkstoff schneller in die Haut eindringen und dort, wo es schmerzt, früher wirken.

Die äußerlich angewendeten Schmerzmittel finden bei Muskel- und Gelenkbeschwerden, Arthrose, Arthritis und Prellungen, Zerrungen und bei anderen Sportverletzungen Verwendung. Die Präparate enthalten Substanzen wie Diclofenac, Ibuprofen, Ketoprofen oder Piroxicam. Eine der Ausnahmen: der so bekannte Wirkstoff Acetylsalicylsäure, kurz ASS. Er ist für die lokale Anwendung ungeeignet.

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Drei Tipps zur Anwendung von Schmerz-Gelen und -Cremes:

  1. Wenn im Beipackzettel fünf Zentimeter steht, sollte man auch tatsächlich einen Strang aus der Tube drücken, der so lang ist. Ansonsten droht die Gefahr, dass man zu wenig Arzneistoff aufträgt und die Creme/das Gel nicht stark genug wirkt.
  2. Die Creme/das Gel flächig auftragen, nicht nur punktuell. So wird der Wirkstoff besser verteilt und kommt schneller in ausreichender Konzentration am Ort des Schmerzgeschehens an.
  3. Manche Präparate kann man im Kühlschrank lagern. Wenn man die Creme/das Gel dann auf die Haut aufträgt, wird der kühlende Effekt der Zubereitung intensiver wahrgenommen. Aber Vorsicht: Nicht jeder Zubereitung bekommt der Kühlschrank aufenthalt. Ob man Arzneimittel dort lagern darf, hängt von den Inhaltsstoffen ab. Ketoprofen enthaltende Präparate müssen beispielsweise bei Raumtemperatur gelagert werden. Fragen Sie zu Ihrem bevorzugten Präparat Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker – sie sind die Fachleute für Arzneimittel.

Apotheker Fabian Henkel

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