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Ärztin und Patient im Gespräch

Da hinter Brustschmerzen immer auch eine ernste Ursache stecken kann, ist deren Abklärung durch den Arzt stets zu empfehlen.
© Robert Kneschke - Fotolia

Schmerzen in der Brust

Wann muss man die Notrufnummer 112 wählen? Treten Brustschmerzen zum ersten Mal oder ungewohnt heftig auf, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden.

Was ist es, wenn es kein Herzinfarkt ist?

Schmerzt es in der Brust, durchzuckt die meisten Betroffenen neben dem Schmerz auch noch die Panik: Ist es ein Infarkt? In den meisten Fällen ist er es glücklicherweise nicht. Dies zeigt eine Studie, die die Häufigkeit der verschiedenen Ursachen für Brustschmerz bei Patienten in Hausarztpraxen untersucht hat. In Notaufnahmen von Kliniken ist die Verteilung aber sicher anders gelagert. Brustschmerz kann so viele verschiedene Ursachen haben, dass man sie in einer knapp 130-seitigen Leitlinie für Hausärzte mit Empfehlungen für das Abfragen und Einordnen der Symptome sowie das jeweilige weitere Vorgehen zusammen gefasst hat. Für Patienten ist es freilich besonders schwierig zu beurteilen, was hinter ihren Beschwerden steckt. Für sie gilt im Zweifelsfall: lieber einmal zu viel zum (Not-)Arzt als ein entscheidendes Mal zu wenig.

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Oft ist es ein Brustwandsyndrom

Fast die Hälfte der Patienten, die sich mit Brustschmerz an ihren Hausarzt wenden, leiden an einem sogenannten Brustwandsyndrom. Unter diesem Begriff fassen Mediziner eine große Zahl von – teilweise seltenen – Erkrankungen zusammen, deren Beschwerden bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen: Bei ihnen treten örtlich begrenzte Muskelverspannungen auf. Der dadurch verursachte Schmerz wird als stechend wahrgenommen; bei einer Tastuntersuchung verschlimmert sich der Schmerz. Husten und Atemnot treten dabei nicht auf. Besonders bei Patienten ohne weitere Grunderkrankungen ist hier aufmerksames Abwarten häufig die beste Medizin.

Infarkt-Gefahr?

Anders Schmerzen, denen eine Herzgefäßkrankheit zugrunde liegt, fachsprachlich Koronare Herzkrankheit (KHK) genannt. KHK-bedingte Schmerzen treten meist infolge von Belastung und dann häufig hinter dem Brustbein auf. Man spricht dann von einer Angina pectoris, einer Brustenge, die durch eine Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst wird. Vor allem Männer über 55 Jahre und Frauen über 65 Jahre, die an Diabetes mellitus, einer Herzschwäche und/oder Blutgefäß-Erkrankungen leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Angina pectoris. Handelt es sich um eine so genannte stabile Angina pectoris, verschwinden die Beschwerden üblicherweise durch Ruhe und durch die Gabe von ärztlich verordneten Nitraten, die die Patienten sich selbst in Form eines Sprays oder einer Zerbeißkapsel verabreichen können. Die Beschwerden eines Infarktes sind ähnlich, verschwinden jedoch durch die Gabe von Nitraten nicht. Hier ist schnelle ärztliche Hilfe erforderlich.

Was muss der Arzt bei Brustschmerzen wissen?

  • Wo genau tut’s weh? Schmerzt es an einer klar bestimmbaren Stelle? Strahlt der Schmerz aus?
  • Wie fühlt sich der Schmerz an? Brennend, drückend, stechend oder dumpf?
  • Verändert sich die Schmerzintensität?
  • Verändert sich der Schmerz beim Ein- und/oder Ausatmen?
  • Verändert sich der Schmerz, wenn man seine Körperhaltung verändert? Im Stehen, Liegen, Sitzen? In der Ruhe oder bei (bestimmten) Bewegungen?

Oder ist es gar nicht das Herz?

Auch verschiedene Erkrankungen der Lunge können Brustschmerzen verursachen. Bei akuter Bronchitis und einer Brustfellentzündung verändert sich der Schmerz meist mit der Ein- und Ausatmung. So können beim Einatmen Schmerzen auftreten, die den Eindruck erwecken, als würden viele kleine Messer den Brustkorb durchbohren. Bei einer Entzündung der Luftröhre äußert er sich hingegen eher als brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Da häufig auch Erkältungssymptome auftreten, lässt sich hier die Ursache der Beschwerden meist schnell eingrenzen.

Ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein kann auch durch aus dem Magen in die Speiseröhre aufsteigende Magensäure ausgelöst werden. Und das nicht nur bei einer Überfüllung des Magens oder durch "säurelockende" Speisen und Genussmittel. So ist bei manchen Menschen der Verschluss, der Magen und Speiseröhre voneinander trennt, geschwächt. Beim sogenannten Roemheld-Syndrom drücken größere Gasansammlungen im Verdauungstrakt auf die Organe und verursachen so Brustschmerzen und Herzbeschwerden. Diese lassen sich häufig bereits mit entblähenden Arzneimitteln oder einem Tee aus Anis, Fenchel und/oder Kümmel lindern.

Auch die Gallenblase kann Brustschmerz auslösen

Nicht nur die Organe im Brustkorb können dort Schmerzen auslösen, sondern auch Organe in anderen Körper bereichen. Typisches Beispiel ist die Gallenblase im rechten Bauchraum, die selten an Ort und Stelle Beschwerden verursacht. Schmerzen durch Gallenkoliken treten beispielsweise häufig im Unterleib auf – "Schmerzen wie bei einer Entbindung"–, aber auch im Bereich der rechten Schulter. Nicht zuletzt können Brustschmerzen auch psychogener Natur sein. Sie sind keineswegs mit "purer Einbildung" abzutun. Viele Patienten mit Angststörungen, Panikattacken oder Depressionen klagen auch über Schmerzen im Bereich des Brustkorbes. Für die hausärztliche Praxis schätzen Studien diese Ursache auf rund zehn Prozent.

Als wäre die Vielfältigkeit der möglichen Ursachen nicht schon unübersichtlich genug: Natürlich können auch mehrere Ursachen gleichzeitig infrage kommen. Ein Patient mit Panikattacken kann gleichzeitig unter einer koronaren Herzkrankheit einer Lungenentzündung leiden. Da hinter Brustschmerzen immer auch eine ernste Ursache stecken kann, ist deren Abklärung durch den Arzt stets zu empfehlen.

Apothekerin Maria Pues

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