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Professorin schaut ihren Studenten beim Lernen über die Schulter

Sachverhalte mit anderen zu besprechen kann beim aktiven Lernen helfen.
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Mehr über das Lernen lernen

Lernen – viele denken dabei an stures Pauken oder langweilige Schulbücher. Dabei ist Lernen viel mehr, es bestimmt unsere Fähigkeit zu leben.

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Sie erinnern sich an eine leckere Mahlzeit und sehnen sich danach? Das Erinnern an leckeres Essen und der Wunsch nach Wiederholung sichert die Ernährung des Organismus. Die Natur hat Menschen die Lernfähigkeit eben nicht in erster Linie für Formeln und Vokabeln gegeben. Gelernt und abgespeichert werden insbesondere gute oder schlechte Erinnerungen an Ereignisse, Personen, Begegnungen, Dinge oder Orte. Sie bilden einen Erfahrungsschatz, ohne den das Leben öde und leer und der Mensch vor allem nicht überlebensfähig wäre.

Signale aus der Umwelt und dem eigenen Körper nimmt man also nicht einfach wie ein Roboter auf, sondern ordnet sie im Gehirn sinnvoll ein, verknüpft sie und bewertet sie unablässig. Ein flüchtiges Bild, ein Gedanke, der gleich wieder verfliegt: Keine Sorge, das ist nomal. Nicht alles darf ins Bewusstsein vordringen oder durch Lernvorgänge in das Gedächtnis übergehen. Eine solche Informationsflut würde Menschen überfordern. Viele Einzelinformationen schaffen es daher nicht über das sogenannte sensorische Gedächtnis hinaus. Kurze Worte, Liedfetzen, Gerüche oder Bilder werden dort abgelegt, aber Sekundenbruchteile später wieder vergessen. Selbst anhaltende Sinnesreize kann man ausblenden, wenn sie durch den Abgleich mit Erfahrungswissen als unwichtig ein gestuft werden. Diesen Lernvorgang bezeichnet man als Gewöhnung.

Lernen und Gedächtnis: Was im Gehirn geschieht

Stuft das Gehirn eingehende Sinnesreize als interessant ein, laufen sie im Kurzzeitgedächtnis als elektrische Nervensignale in einer Art Kreisschaltung. Diese bezieht in die "Bewertung" der Information mehrere Teile des Gehirns ein. Bei der Bearbeitung von Gedächtnisinhalten führt der vordere, zur Stirn hin liegende Bereich der Großhirnrinde (Stirnhirn) Regie. Eingebunden ist insbesondere auch eine für das Verarbeiten von Informationen wichtige Nervenzell-Ansammlung: der Hippocampus. Ohne ihn könnte man sich nichts Neues merken, sich aber immerhin an länger Zurückliegendes erinnern oder Bewegungsabläufe verbessern.

Das Langzeitgedächtnis jedoch braucht mehr als kreisende Nervenimpulse, um über Jahre zu bestehen: Wiederholte Nervenimpulse und vermehrte Botenstoff-Freisetzungen bewirken, dass die Zahl der Verschaltungen zwischen Nervenzellen dauerhaft zunimmt und Verschaltungen leichter "durchgängig" werden. Im Hippocampus können sich sogar neue Nervenzellen bilden. Lern- und veränderungsfähig bleibt das Gehirn das ganze Leben lang. Aber es gilt auch hier: Wer rastet, der rostet. Graue Zellen brauchen stets abwechslungsreiches Training.

Schlüsselreize wirken länger

Sinnesreize, die das Gehirn als wichtig einstuft, werden nicht sofort weggefiltert. Das ist etwa beim durchdringenden Schreien eines Säuglings der Fall. Auf solche herausragenden Reize richtet sich die Aufmerksamkeit. Sie gehen ins Kurzzeit- beziehungsweise Arbeitsgedächtnis über. Dort werden sie einige Sekunden oder Minuten festgehalten und unter Beteiligung verschiedener Hirnbereiche analysiert.

Ist eine Situation unvertraut, werden mögliche Problemlösungen im Gehirn durchgespielt, bis eine davon weiterführt – etwa die, dass es dem weinenden Baby wegen des dicken Schlafsackes und der laufenden Heizung zu warm sein könnte. Wahrscheinlich gelangt diese Episode dann dauerhaft als neu erworbene, erlernte Erfahrung ins Langzeitgedächtnis der Eltern. Das wird noch dadurch verstärkt, dass sie wegen der Sorgen und Ängste um ihr Kind emotional engagiert waren. Die rein sachlichen Informationen werden mit den in der Situation empfundenen Gefühlen, Begleitumständen und mit Handlungen verknüpft, die die Situation lösen konnten.

Doch man wird nicht nur aus Erfahrung klug. Menschen besitzen in besonderem Maße die Gabe, sich ein Problem vorausschauend allein in Gedanken auszumalen und mögliche Lösungen geistig durchzuspielen. So könnten sich Eltern schon beim Zubettbringen ihres Säuglings überlegen, dass im Frühjahr der Winterschlafsack zu dick und das geheizte Zimmer zu warm für ihr Kind ist. Sie können dann im Voraus Abhilfe schaffen. Das friedlich schlafende Kind bestätigt die gemachten Annahmen und Lösungen.

Menschen lernen außerdem, indem sie das Wissen und die Erfahrungen anderer abfordern und nutzen. Das findet etwa beim Lesen von Büchern und Fachzeitschriften oder durch Zuhören statt. Man kann zudem durch praktisches Üben und Nachahmen etwas lernen, beispielsweise das Spielen eines Musikinstrumentes oder Turnübungen. Erleichtern lässt sich aktives Lernen, indem man Information wiederholt und auf mehreren Wegen verarbeitet. Je nach individuellen Vorlieben hilft dabei:

  • Bilder, Grafiken, Schaubilder, Internet-Animationen und Skizzen nutzen und vor allem selbst anfertigen.
  • Sachverhalte sich selbst laut vorlesen oder mit anderen besprechen, Lehrstoff auf Tonträger aufnehmen und wiederholt abhören, Zusammenfassungen auf Karteikarten schreiben.
  • Praktische Demonstrationen beobachten, sie wenn möglich nachmachen.
  • Den Lernerfolg durch Mitschüler oder Eltern kontrollieren lassen, etwa beim Abfragen von Vokabeln. Computer-Lernprogramme unterstützen die Selbstkontrolle.

Wichtig sind auch die Lernumstände

Manche Menschen vertragen beim Lernen keine Ablenkung, andere können nur mit Musik lernen, wieder andere müssen dabei herumlaufen. Unverzichtbar für alle sind Pausen und Entspannung. Denn eines verträgt das Gehirn beim Lernen nie: zu viel Stress. Deshalb genug Zeit einplanen! Da neuen Studien zufolge auch körperliche Aktivität grauen Zellen auf die Sprünge hilft, kann man Lernpausen gut dafür nutzen. Außerdem brauchen Lernende genug Schlaf, da dann Lerninhalte verfestigt werden. Den Seinen gibt es der Herr also im Schlaf – aber nur, wenn sie zuvor gut gelernt haben.

Dr. Frank Schäfer

"Alles für das Gehirn"

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