Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2013 15. Februar Gesundheitsmythen auf dem Prüfstand

Service

Gesundheitsmythen auf dem Prüfstand

Viele haben als Kind den Satz gehört: Mach Dir doch das Licht an, Du verdirbst Dir noch die Augen! Wie sieht es mit Salz und Blutdruck aus? Und darf man mit vollem Magen schwimmen gehen? Zehn Experten verraten, was hinter verbreiteten Gesundheitsmythen steckt.

Mädchen mit Taschenlampe liest unter der Decke  ein Buch

Dass Lesen bei schlechtem Licht unmittelbar den Augen schadet, ist ein Mythos.
© Anja Greiner Adam - Fotolia

Mythos 1: Lesen bei schlechtem Licht schadet den Augen!

Bewertet von: Dr. Georg Eckert, Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte.

Nein, es ist ein Mythos, dass Lesen bei schlechtem Licht unmittelbar den Augen schadet. Tatsache ist aber, dass sich geringfügige Fehlsichtigkeiten bei geringer Beleuchtung stärker bemerkbar machen als bei gutem Licht. Oft hört man von Menschen, dass sie bei gutem Licht noch ausgezeichnet sehen können, nicht aber bei schlechtem. Das hat den physikalischen Hintergrund, dass die Pupille bei hellem Licht sehr klein wird. In der Physik spricht man von einer stenopäischen Lücke. Bei dieser werden die sogenannten Randstrahlen weggefiltert, sodass eine eventuelle Fehlsichtigkeit sich kaum bemerkbar macht. Lesen unter der Bettdecke ist damit für Kinder nicht so schädlich wie das besorgte Mütter oft darstellen.

Mythos 2: Schwimmen mit vollem Magen ist gefährlich!

Bewertet von: Dr. Harald Rehn, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V.

Ja, eine reichhaltige Mahlzeit "schwimmend" zu verdauen, ist nicht ratsam. Wenn der Magen sehr gut gefüllt ist, kann es zu Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System mit den Folgen eines Absinkens der Herzfrequenz und des Blutdrucks kommen. Daraus entsteht die Gefahr einer plötzlich auftretenden Kreislaufschwäche. Dies wiederum kann dann Bewusstseinsstörungen mit gefährlichen Auswirkungen beim Schwimmen zur Folge haben. Besonders bei Kindern löst zusätzlich verschlucktes Wasser schnell ein spontanes Erbrechen aus. Bei vollem Magen besteht dann die Gefahr der Aspiration, des Einatmens von Mageninhalt, mit Erstickungsgefahr. Gegen einen kleinen Snack, wie einen Apfel, etwa zehn Minuten vor dem Schwimmen, ist nichts ein zuwenden. Er liefert die notwendige Energie für die Muskulatur.

Mythos 3: Zieh Dir etwas Warmes an, sonst erkältest Du Dich!

Bewertet von: Dr. Thomas Klimaschka, Allgemeinmediziner aus Nassau.

Nicht immer richtig! Aber: Wenn der Körper unterkühlt, muss er viel Energie einsetzen, um sich auf "Betriebstemperatur" zu halten. Ist das Immunsystem ohnehin angeschlagen, kann es dann schneller zu einer Erkältung kommen. Am besten beugt man einer Erkältung gleich vor, zum Beispiel mit einer täglichen Nasendusche und der passenden isotonen Spüllösung. Die spült Viren und Bakterien aus und hält die Nasenschleimhaut feucht und gesund.

Anzeige

Mythos 4: Salz treibt den Blutdruck nach oben!

Bewertet von: Professor Dr. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

Ja, das mit der Nahrung aufgenommene Salz beeinflusst den Blutdruck. In Deutschland konsumieren wir etwa acht bis zwölf Gramm Salz pro Tag, wobei die empfohlene maximale Menge bei fünf Gramm pro Tag liegt. Viel Salz wird über verarbeitete Lebensmittel, das heißt Fertigprodukte wie Konserven und Tiefkühlkost, und Brot aufgenommen. Eine moderate Salzreduktion um etwa ein Gramm pro Tag senkt den oberen Blutdruckwert um etwa zwei bis drei mmHg. Der optimale Salzkonsum könnte bei drei Gramm pro Tag liegen. In einer Modellkalkulation für die USA ergab sich für einen Salzkonsum von drei Gramm eine Reduktion der Herzinfarktrate um 3,7 bis 6 Prozent, eine Verminderung der Schlaganfallrate um 2,4 bis 3,9 Prozent und eine Reduktion der Gesamttodesrate um 3,3 bis 5,4 Prozent.

Mythos 5: Flecken auf den Fingernägeln deuten auf Krankheiten hin!

Bewertet von: Dr. Ulrich Klein, Berufsverband Deutscher Dermatologen, niedergelassener Hautarzt in Witten.

Nein, bei weißen Flecken handelt es sich um harmlose Hohlräume zwischen Hornschicht und Nagelbett. Sie entstehen infolge von Verletzungen der Nagelwurzel durch kleine Stöße oder bei Manipulationen am Nagelhäutchen. Meist wächst der Fleck im Laufe der Zeit von selbst heraus. Besondere Aufmerksamkeit erfordert dagegen ein bläulich-schwarzer Fleck. Nach einem Stoß oder Schlag auf den Nagel kann ein Bluterguss entstehen, der rasch größer wird und dann verschwindet. Bei einem unerklärlichen dunklen Fleck oder Streifen, der bestehen bleibt, muss jedoch unbedingt ein Hautarzt abklären, ob es sich um einen schwarzen Hautkrebs handelt. Eine gelbliche Verfärbung, vor allem in Verbindung mit brüchigen Spitzen und einer zunehmenden Verdickung der Nagelplatte, kann auf einen Pilzbefall der Nägel hindeuten.

Mythos 6: Fettarme Ernährung ist gesund!

Bewertet von: Heike Niemeier, Diplom-Oecotrophologin und selbstständige Ernährungsberaterin.

Viele denken, dass Fett dick macht und ungesund ist. Deshalb nehmen sie davon wenig zu sich. Unser Körper braucht jedoch Fett für zahlreiche Funktionen wie der Energiegewinnung, der Aufnahme wichtiger Vitamine und der Stärkung des Immunsystems. Ich rate, das richtige Maß zu finden. Für alle, die gern fettig essen, bietet die Natur Hilfe. So besitzt beispielsweise der Feigenkaktus einen Faserkomplex, der einen Teil des Fettes bindet, das über die Nahrung aufgenommen wird. Nimmt man ihn als Tabletten zu sich, reduziert sich die Fett- und so die Kalorienaufnahme.

Mythos 7: Bei einer Erkältung muss man viel trinken!

Bewertet von: Dr. Gerd Leidig, Apotheker aus Köln.

Richtig! Jedoch nicht irgendetwas. Am Anfang einer Erkältung eignet sich stilles Wasser oder auch Ingwer-Tee sehr gut. Dieser ist scharf und lässt uns deshalb auch gut schwitzen. Tee ist bei Erkältungserscheinungen wie Frösteln immer am angenehmsten. Für den weiteren Verlauf empfehle ich dann einen speziellen Erkältungstee mit Linden- und Holunderblüten. Er ist auf die Beschwerden abgestimmt und hilft gezielt, mit den geeigneten Heilpflanzen, die Genesung zu unterstützen. Gerade wenn man eine Schwitzkur anstrebt, sind die genannten Blütenextrakte besonders hilfreich.

Mythos 8: Bei Mondschein verschwinden Warzen am besten!

Bewertet von: Dr. Tanja Fischer, Dermatologin am Haut- und Lasercentrum Potsdam-Berlin.

Der Mythos, in einer Vollmondnacht eine Schnecke über eine Warze kriechen zu lassen oder die Warze zu besprechen, ist fraglich. Die positive Beeinflussung des Immunsystems kann aber dazu führen, dass die scharf begrenzten, gutartigen Hautwucherungen von ganz allein wieder verschwinden. Vor allem bei Kindern ist eine Besprechung häufig erfolgreich und sollte im ersten Schritt ruhig einmal ausprobiert werden. Erwachsene kommen in den meisten Fällen um eine Therapie, zum Beispiel mit einem Vereisungsmittel oder einer Tinktur aus der Apotheke, nicht herum.

Mythos 9: Kaffee entzieht dem Körper Wasser!

Bewertet von: Isabelle Keller, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Stimmt nicht. Nach jeder Tasse Kaffee solle auch ein Glas Wasser getrunken werden, da Kaffee "treibt", so ein häufig gut gemeinter Rat. Es schadet zwar nicht, zu einer Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser zu trinken, notwendig ist es aber nicht. Für viele Menschen leistet Kaffee einen wesentlichen Beitrag zur täglichen Gesamtwasserzufuhr. Richtig ist, dass im Kaffee enthaltenes Koffein einen harntreibenden Effekt hat. Sowohl die Menge des Koffeins als auch die Frequenz des Kaffeekonsums haben hierauf einen Einfluss. Der Effekt ist jedoch nur vorübergehend und bei regelmäßigem Kaffeekonsum weniger stark ausgeprägt. Der Flüssigkeitshaushalt befindet sich innerhalb eines Tages wieder im Gleichgewicht.

Mythos 10: Wenn man viel Zucker isst, bekommt man Diabetes!

Bewertet von: Dr. Nikolaus Scheper, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes niedergelassener Diabetologen, Diabetologe aus Marl.

Jein. Die Entstehung von Diabetes hat primär mit dem Genuss von Haushaltszucker nichts zu tun. Allerdings ist bei dauerhaftem und wiederholtem übermäßigen Genuss von Zucker/Kohlenhydraten die Gefahr sehr groß, dass man übergewichtig wird. Und diese Übergewichtigkeit ist es dann, die für den größten Teil der Diabeteserkrankungen verantwortlich ist: Typ-2-Diabetes. Außerdem ist die Verteilung der Nahrungsbestandteile – Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate – hier in der industriellen zivilisierten Welt sehr kohlen hydrat- und fettlastig. Diese 'falsche' Zusammensetzung der Ernährung führt in Kombination mit Bewegungsmangel zu einer fast epidemischen Übergewichtigkeit: Mehr als die Hälfte der Deutschen sind übergewichtig. Die andere wichtige Diabetesform, der Typ-1-Diabetes, ist eine Erkrankung, die ursächlich mit Ernährung nichts zu tun hat. Diese Form des Diabetes ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung, hängt also mit Defekten im Immunsystem zusammen.

PEF

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen