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Arzt erklärt einem Patienten dessen Blutbild

Was gemessene Blutwerte im Einzelfall bedeuten, muss der Arzt erläutern – auch deswegen, weil nur die Zusammenschau aller ärztlichen Untersuchungen die Diagnose sichert.
© Peter Atkins - Fotolia

Das Blutbild besser verstehen

In der Arztpraxis ist es tägliche Routine: Die Arzthelferin bittet den Patienten, den Arm freizumachen, setzt eine Kanüle an und nimmt Blut ab. Häufig dient die Blutprobe dazu, ein kleines Blutbild oder ein Differenzialblutbild zu machen. Lesen Sie hier, was dabei gemessen wird.

Blut enthält neben den flüssigen Bestandteilen eine Vielzahl unterschiedlicher Zellen, gelöste Stoffe und Proteine, die je nach Erkrankungen unterschiedlich verändert sein können. Beim kleinen Blutbild ermittelt man in der Blutprobe unter anderem die folgenden Messgrößen, hier mit typischen Normwerten aufgelistet:

Leukozyten, kurz Leu (weiße Blutkörperchen) 4.300 – 10.000 pro mm3
Erythrozyten, kurz Ery (rote Blutkörperchen)  
Frauen 4,1 – 5,1 Millionen pro mm3
Männer 4,5 – 5,9 Millionen pro mm3
Hämoglobin, kurz Hb (roter Blutfarbstoff)  
Frauen 12 – 16 g pro dl (dl = Deziliter)
Männer 14 – 18 g pro dl
Hämatokrit, kurz HKT (Anteil der roten Blutkörperchen)  
Frauen 35 – 47 % (0,35 – 0,47 l/l)
Männer 40 – 54 % (0,40 – 0,54 l/l)
Thrombozyten (Blutplättchen, wichtig für Gerinnungsvorgänge) 149.000 – 440.000 pro mm3
Mean Corpuscular Volume (MCV; durchschnittliches Volumen der roten Blutkörperchen) 83 bis 97 fl (fl = Femtoliter = billiardstel Liter)

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Der Arzt kann beispielsweise bei einem niedrigeren Gehalt an roten Blutkörperchen oder Hämoglobin von einer Störung der Blutbildung ausgehen. Das könnte möglicherweise an einem Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel liegen, was dann weitere Blutuntersuchungen belegen können. Es gibt für eine gestörte Blutbildung aber noch viele andere mögliche Ursachen. Veränderungen des kleinen Blutbildes geben auch erste Hinweise auf Infektionen, erkennbar an veränderten Werten der weißen Blutkörperchen.

Genauere Hinweise liefert dem Arzt das Differenzialblutbild. Dabei werden die Untergruppen der weißen Blutkörperchen genauer erfasst. Sie gehören zum Abwehrsystem des Körpers. Typische Normwerte für die Anteile unterschiedlicher Gruppen weißer Blutkörperchen an der Gesamtmenge weißer Blutzellen (in Prozent):

Neutrophile Granulozyten  
jugendliche unter 2 %
stabkernige 3 – 5 %
segmentkernige 50 – 70 %
Eosinophile Granulozyten 2 – 4 %
Basophile Granulozyten 0 – 1 %
Lymphozyten 25 – 40 %
Monozyten (Fresszellen) 3 – 7 %

Abhängig von der Art der Veränderung kann der Arzt in eine spezielle Richtung weiterforschen. Anstiege der Lymphozyten treten beispielsweise oft bei Virusinfekten oder chronischen Entzündungen auf, sie finden sich aber auch bei Blutkrebs (Leukämie). Nimmt der Anteil basophiler Granulozyten zu, kann dies auf einen Parasitenbefall hindeuten. Stabkernige neutrophile Granulozyten treten beispielsweise bei bakteriellen Infekten vermehrt auf. Eosinophile Granulozyten können dagegen unter anderem bei allergischen Reaktionen ansteigen. Aber auch Medikamente beeinflussen die weißen Blutkörperchen und damit die Abwehrkraft.

Was gemessene Blutwerte im Einzelfall bedeuten, muss der Arzt erläutern – auch deswegen, weil nur die Zusammenschau aller ärztlichen Untersuchungen die Diagnose sichert. Einzelne Blutwerte reichen dafür meist nicht aus.

Dr. Frank Schäfer

"Blutwerte verstehen"

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