Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2013 1. August Massage lockert Körper und Psyche

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Frauenhände massieren die Schultern eines dunkelhaarigen Mannes, der mit nacktem Oberkörper bäuchlinks auf einer Massageliege liegt

Eine Massage tut auch der Seele gut: Durch den Hautkontakt baut man ein Vertrauensverhältnis zum Masseur auf und kann ein paar Sorgen loswerden.
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Massage lockert Körper und Psyche

Bei der Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparats spielen Medikamente oft nur die zweite Geige. Hier sind vielmehr Physiotherapie und Massage sehr hilfreich. Morus Scholl, Sportphysiotherapeut aus Mülheim an der Ruhr mit Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbunds, erklärt im Interview, was die Massage im Muskel bewirkt.

Bei welchen Erkrankungen wird Massage eingesetzt?

Scholl: Das reicht von Verspannungen oder Zerrungen bis hin zu muskulären Verletzungen wie Faserrissen. Es kommt dabei auf die richtige Grifftechnik an. Ein Muskel kann sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Spannung haben. Einen schlaffen Muskel kann man anregend massieren, einen Muskel mit zu hohem Tonus versuche ich zu entspannen. Mit der Massage soll die Balance in der Muskelspannung wiederhergestellt werden.

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Was passiert bei der Massage im Gewebe?

Scholl: Man nimmt Einfluss auf den Stoffwechsel im Muskel. Das bedeutet, dass Nährstoffe ins Gewebe vordringen und Abfallprodukte abtransportiert werden. Diesen Prozess kann ich durch eine bessere Durchblutung ankurbeln, die ich mit der Massage erreiche. Ein lockerer Muskel ist viel besser mit Blut und Nährstoffen versorgt als ein harter, verspannter Muskel.

Tut eine Massage auch der Psyche gut?

Scholl: Viele Menschen bauen durch den Hautkontakt ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Masseur auf. Etliche meiner Patienten nutzen die Behandlungszeit, um sich auszutauschen, um vielleicht etwas loszuwerden, was ihnen am Ende hilft, eine muskuläre Spannung abzubauen. So gesehen hat die Massage auch einen positiven Einfluss auf die Psyche des Patienten.

Was ist das Besondere an der Lymphdrainage?

Scholl: Das Lymphsystem ist eine Art Parallelsystem zum Blutkreislauf. Die Nährstoffe werden an Eiweißmoleküle gekoppelt über die Blutbahn zu den Muskeln gebracht. Die Trägereiweiße können jedoch nach dem Transport nicht mehr zurück in die Blutbahn, sondern müssen über die Lymphbahnen abtransportiert werden. Zum Beispiel haben Frauen, denen im Zuge einer Brustkrebs-OP auch Lymphknoten entfernt wurden, häufig das Problem, dass sich die Lymphe in den Armen staut. Hier kann die Lymphdrainage Abhilfe schaffen. Auch bei akuten Sportverletzungen, die mit Blutungen oder Schwellungen einhergehen, ist sie sinnvoll, denn hier dringt viel Eiweiß ins Gewebe ein. Die Lymphdrainage beschleunigt den Abtransport.

Zahlt die Kasse eine Massage?

Gesetzliche Krankenkassen zahlen nach wie vor für Massagebehandlungen – aber nur bei Erkrankungen, die durch Massagen gelindert werden. Dazu gehören etwa hartnäckige Muskelverspannungen oder -verhärtungen. Der Arzt stellt ein Rezept aus, mit dem der Patient die Massagepraxis aufsucht. Ganz kostenlos ist die Behandlung trotz Rezept nicht. Wie bei verschriebenen Arzneimitteln muss der Patient zehn Euro Rezeptgebühr bezahlen. Nach der Heilmittelverordnung kommt dann noch ein Eigenanteil von zehn Prozent der gesamten Behandlungskosten dazu. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren entfallen Rezeptgebühr und Eigenanteil.

Unterscheiden sich die Grifftechniken hierbei von der Massage?

Scholl: Ja. Die Lymphdrainage ist eine sehr sanfte Methode, die man im Gegensatz zur Massage sofort bei einer akuten Verletzung anwenden kann. Sie beginnt immer oben am Körper beziehungsweise am Hals, um die Lymphwege frei zu machen und zu vermeiden, dass sich oberhalb der Verletzungsstelle eine Stauung bildet. Selbst bei einer Sprunggelenksverletzung fängt man am Hals an und arbeitet sich langsam vor. Dabei führt man kreisende Bewegungen aus, die ganz leichten Druck und Zug auf das Gewebe ausüben. So öffnen und schließen sich die Lymphkapillaren, und die Lymphe kommt in Bewegung. Oft bemerkt man nach der Behandlung, dass Schwellungen deutlich abgenommen haben.

Was unterscheidet eine medizinische Massage von Wellness-Massagen?

Scholl: Zu einer medizinischen Massage gehen Patienten mit gesundheitlichen Problemen. Bei einer Wellness-Massage gibt es keine medizinische Indikation. Sie geht nicht so sehr in die Tiefe und dient eher dem Wohlbefinden. Die Masseure müssen dafür nicht so gut ausgebildet sein wie Masseure im Sport- oder Reha-Bereich. Interessanterweise kosten solche Wellness-Massagen in entsprechenden Einrichtungen häufig ein Vielfaches von dem, was ein medizinischer Masseur berechnet.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Apotheker Rüdiger Freund.

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