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Mann um die 50, rosa Hemd, dunkle Hose, auf Liege in Arztpraxis sitzend, hält sich mit Händen untere Rückenpartie: vor ihm Arzt und Helferin

Auch bei starken Rückenschmerzen etwa infolge eines Bandscheibenvorfalls können gezielt gesetzte Stromreize helfen.
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Reizstrom gegen Nervenleiden

Das Nervensystem steuert viele wichtige Abläufe im Körper. Funktioniert das krankheitsbedingt nur noch mit Einschränkungen, helfen mitunter gezielt gesetzte Stromreize, zum Beispiel bei der Parkinsonkrankheit oder bei starken Rückenschmerzen.

Patienten mit der Hirnerkrankung Morbus Parkinson leiden unter Muskelsteifigkeit, verlangsamten Bewegungen, Gangunsicherheit, zitternden Händen und vielen weiteren Beschwerden. Die Ursache von alldem: Im Gehirn sterben in einem sehr kleinen Areal Nervenzellen ab, die den Hirnbotenstoff Dopamin produzieren. "Leitungen" in diesem Areal verlaufen in viele andere Hirnteile wie etwa in die Basalganglien, in denen sie bei Parkinson zu wenig Dopamin freisetzen. Es entsteht dort dann Überaktivität, die Körperbewegungen beeinträchtigt. Diese überbordende Hirnaktivität kann man durch Medikamente oder mit Stromreizen hemmen. Das Verfahren nennt sich Tiefe Hirnstimulation (THS). Muskelsteifheit, Zittern oder unwillkürliche Bewegungen lassen durch die THS teils deutlich nach.

Die Stromreize erfolgen über sogenannte Reizelektroden, die Neurochirurgen durch kleine Öffnungen in der Schädeldecke in bestimmte Bereiche des Gehirns schieben. Sitzen die Elektroden dort korrekt, werden sie fest fixiert und an einen im Brust- oder Bauchbereich unter die Haut implantierten Impulsgeber angeschlossen. Er übernimmt die Hirnreizung über die Elektroden.

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THS nach acht Jahren Parkinson

Der niedergelassene Neurologe Dr. Michael Lorrain aus Düsseldorf erläutert, wer von einer solchen Operation profitieren kann: "Bei Menschen mit der Parkinsonkrankheit gibt es sehr gute Erfolge bei der durch das Zittern dominierten Verlaufsform, da hier eine medikamentöse Therapie oft nicht erfolgreich genug ist. Meist kommt die THS hier acht bis zehn Jahre nach der Parkinsondiagnose zum Einsatz. Sie hilft aber auch bei starken Schwankungen der Beweglichkeit, die oft nach acht bis zehn Jahren Krankheitsdauer auftreten. Einen guten Effekt auf Lebensqualität und Beweglichkeit kann die THS aber bereits früher haben – nach fünf bis acht Jahren Krankheitsverlauf. In einer Studie dazu wurde eine deutlich verbesserte subjektive Lebensqualität erreicht, Medikamente ließen sich reduzieren, und die Krankheit schritt langsamer voran." Selbst schwere Bewegungsstörungen könne die THS teils deutlich lindern, betont Lorrain. Das Verfahren helfe aber auch bei Zittrigkeit ohne Parkinson als Ursache, "wenn Alltagsfähigkeiten erheblich eingeschränkt sind und Medikamente keinen Erfolg bringen. Hier wird ein anderer Zielpunkt der Stimulation als bei der Parkinsonkrankheit gewählt. Die Ergebnisse sind auch bei älteren Patienten oft überraschend gut".

Rückenschmerzen ausreizen

Aber nicht nur bei Parkinson können kleine Stromreize an der richtigen Stelle segensreich sein: Auch zur Bekämpfung anhaltender, nicht mehr anders zu behandelnder Schmerzen etwa infolge von Bandscheibenleiden lassen sich die Stromreize einsetzen. Für das entsprechende Reizstromverfahren, die sogenannte Rückenmark-Stimulationstherapie, platziert der Operateur dünne biegsame Reizelektroden nahe des Rückenmarks. Über das Rückenmark, dass man sich grob vereinfacht wie einen zum Hirn verlaufenden zentralen Kabelschacht mit einigen Schaltelementen vorstellen kann, laufen Schmerzreize zum Gehirn und werden dort bewusst gemacht. Setzt man jedoch regelmäßig schwache Stromreize nahe an den "Kabeln", genauer an Schmerzreize leitenden Nervenfasern, nimmt man statt Schmerzen nur noch ein leichtes Kribbeln wahr. Damit diese günstige Wirkung nicht zu bald nachlässt, wird möglichst nicht durchgehend gereizt, sondern mit Pausen. Die Stromreize kommen automatisch von einem kleinen Impulsgeber. Er wird, wenn das Verfahren tatsächlich wirkt, unter die Haut implantiert.

Dr. Frank Schäfer

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