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Verschneite Berghütte in winterlicher Umgebung

Gerade außerhalb der Hauptsaison haben Erholungssuchende gute Chancen, in der Natur Ruhe-Inseln zu finden.
© Christa Eder - Fotolia

Ruhe bitte! Orte der Stille

Der hektische Lebensstil unserer Gesellschaft drückt sich auch in akustischer Dauerberieselung aus. Ruhe, gar Stille verschwinden zunehmend aus dem Lebensalltag. Doch es gibt Ruhe-Inseln, auf die man sich zurückziehen kann, wenn es zu viel wird.

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Für absolute Stille und Reizarmut ist der Mensch nicht geschaffen. Er braucht anregende Natur- und Alltagsgeräusche, Musik oder Gespräche. Aber was zu viel ist, ist zu viel! Das gesunde Maß an akustischer Anregung wird gerade in Ballungsräumen oft weit überschritten: Straßen-, Schienen- und Flugverkehr, Baustellen, klingelnde Mobiltelefone, Radios, Fernseher, Großraumbüros oder überfüllte Innenstädte setzen immer mehr Menschen belastender Dauerbeschallung aus. Die kann zum Gesundheitsproblem werden. So steigert anhaltender Lärm im Wohnumfeld nach Angaben des Umweltbundesamtes das Bluthochdruck- und Herzinfarktrisiko. Und Lärm verursacht – wie nicht weiter verwunderlich – Schlafstörungen. Besonders belastend ist es, wenn man keine Kontrolle über den Lärm hat, ihm ausgeliefert ist.

Um Betroffenen wenigstens zeitweise äußere Stille und damit mehr innere Ruhe zu verschaffen, braucht es Ruhe-Inseln. Von denen gibt es mehr, als man zunächst glauben mag:

  • Mit am radikalsten ist der Bruch mit der lärmenden, hektischen und auch kommunikativ fordernden Umwelt beim Besuch von Schweigeseminaren, wie sie beispielsweise manche Klöster anbieten. Eine Auswahl entsprechender Angebote finden Sie hier in der Linkliste. Zeitweises Schweigen und Stille sollen dabei nicht nur Stress abbauen, sondern auch die Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit verbessern.
  • Auch gut ausgewählte Urlaubsziele schaffen Abstand vom Lärm des Alltags. Eine einsame Berghütte im Winter oder Wanderungen in der aufblühenden Natur im Frühjahr sind Balsam für die Seele. Nicht nur, weil belastender Lärm wegfällt, sondern auch wegen der leisen und harmonischen Geräuschkulisse der Natur. Der Psychologe Dr. Stefan Benna aus Mainz schätzt den Wert dieser Form von Erholung hoch ein, denn "auf die Geräusche in der Natur sind wir genetisch programmiert und eingestellt. Daher gilt: Natur heilt. Und das besser bei einer eigenen Wanderung als bei einer 'Reise' vor dem Fernseher oder im Internet".
  • Selbst in großen Städten gibt es Zonen, in denen Ruhebedürftige Zuflucht vor dem Lärm ihrer Umwelt finden. So bietet sich ein Spaziergang durch größere Parkanlagen an, man kann sich aber auch einfach einmal in eine Kirche setzen, in besucherschwachen Zeiten ein Schwimmbad oder ein Museum aufsuchen. Auch der Lesesaal einer Bibliothek ist eine gute Ruhe-Insel.

Alarmzeichen: Wenn man Stille gar nicht aushält

Dr. Stefan Benna, Psychologe sowie Verhaltens- und Schematherapeut aus Mainz: "Laufende Fernseher oder Radios geben Menschen ein wenig das Gefühl, nicht allein zu sein. Die Berieselung lenkt ab, und man muss sich nicht mit sich selbst und seinen Problemen beschäftigen. Das ist zeitweise sicher sinnvoll, solange es nicht dazu beiträgt, dauerhaft vor persönlichen Problemen zu flüchten, statt sie anzugehen. Kann man selbst kurze Phasen der Stille und Ruhe, in denen man mit sich allein ist, nicht mehr aushalten, ist das sicher ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt, dass sich etwas ändern muss. Eventuell kann das auch ein Anlass sein, psychologische Hilfe zu suchen."

  • Viele Menschen sind es gewohnt, beim Nachhausekommen das Radio, den CD-Spieler oder Fernseher anzustellen oder gleich zu telefonieren. Teils erfolgt schon auf dem Heimweg eine Dauerberieselung durch MP3-Player oder Mobiltelefon. Es kann sehr gut tun, sich dieser ständigen Reizüberflutung gelegentlich zu entziehen und alle Geräte mal für einen oder ein paar Tage abzuschalten zum Beispiel über ein langes Wochenende. Das hilft möglicherweise, wieder mit sich selbst ins Reine zu kommen. Zudem kann man sich in der Ruhezeit ungestört verwöhnen, etwa durch ein Entspannungsbad oder ein gutes Essen. Und vielleicht kommt man endlich dazu, das Buch zu lesen, das schon so lange unangetastet im Regal steht, zu zeichnen oder ein anderes ruhiges und beruhigendes Hobby zu pflegen.
  • Selbst wenn es mit einer langen, lärmfreien Auszeit nicht klappt: Auch ein kleiner Spaziergang täglich kann helfen. Oder man setzt sich nach einem hektischen Einkaufsmarathon oder einem langen Arbeitstag eine halbe Stunde in Ruhe hin – ohne akustische Berieselung. Eventuell lässt sich die Einhaltung einer solchen kleinen, stillen Pause im Alltag mit den Kindern oder dem Partner fest vereinbaren, zum Vorteil aller Beteiligten.

Dr. Frank Schäfer

Mehr innere Ruhe mit Pflanzenkraft

In der Apotheke gibt es Präparate aus Heilpflanzen, die mithelfen, etwas mehr innere Ruhe zu finden. Das können Präparate mit Extrakten aus Baldrianwurzel, Passionsblumenkraut, Hopfen oder Melisse sein. Bei Ängsten hilft Lavendel, gegen Stimmungstiefs Johanniskraut. Es gibt zudem Kombinationspräparate mit den Extrakten mehrerer dieser Heilpflanzen. Ausführliche Beratung dazu bietet Ihr Apotheker.

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