Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2014 15. Februar Allergie (k)eine Frage des Alters

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Großeltern mit ihren zwei Enkeln auf einer sommerlichen Wiese

Ob ganz jung oder alt - Allergien treffen alle Altersgruppen.
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Allergie (k)eine Frage des Alters

Blütenpollen, Schimmelpilzsporen, Nusseiweiße, Bienen- und Wespengift, Hausstaubmilben-Kot: Die Welt scheint voller Allergieauslöser zu sein. Aber wenigstens im Alter hat man vor Allergien Ruhe, so glauben viele jedenfalls. Doch weit gefehlt: Auch ältere Menschen leiden darunter.

Im Rahmen der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" des Robert Koch-Institutes wurden insgesamt 8.000 Menschen von 18 bis 79 Jahren auch zu allergischen Erkrankungen befragt. Es zeigte sich, dass zum Zeitpunkt der Befragungen fast jeder fünfte Teilnehmer in den zurückliegenden zwölf Monaten unter zumindest einer Allergie gelitten hatte. Und wenn auch in jüngeren Altersgruppen der Prozentsatz höher lag als unter älteren Befragten, so waren doch in der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren fast 17 Prozent und bei den 70- bis 79-Jährigen gut 10 Prozent betroffen. Alter allein ist kein Schutz vor Allergien.

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An Schimmelpilze denken

Welche Allergien im Alter vorkommen, weiß der Lungenfacharzt Professor Dr. Klaus F. Rabe, Chefarzt an der Lungenklinik Großhansdorf bei Hamburg: "Zum einen ist es so, dass einige Patienten durchlaufend vom jugendlichen bis zum höheren Alter ihre Allergien behalten, Heuschnupfen zum Beispiel. Und es ist zum anderen so, dass es bei manchen Patienten sehr spät zum ersten Auftreten eines auch allergischen Asthmas kommen kann. Außerdem sollte man bei älteren Patienten häufiger an Allergien gegen Schimmelpilze im häuslichen Bereich denken. Man muss zudem immer berücksichtigen, dass ältere Menschen auch berufsbedingt allergieauslösenden Substanzen ausgesetzt sind oder waren und dagegen Allergien entwickeln können."

Und was kann man gegen die Allergien tun? Dazu Rabe: "Zunächst ist es wichtig, auch beim älteren Menschen die Möglichkeit einer Allergie in Betracht zu ziehen und zu testen, was sie genau auslöst. Der zweite Punkt: Es gibt manchmal vermeidbare Ursachen, das heißt Allergieauslöser, die man aus dem persönlichen Lebensumfeld entfernen könnte. Da denke ich zum Beispiel an die Sanierung schimmliger Hauswände oder daran, Zimmerpflanzen wegen Schimmelpilzen in der Blumenerde zu entfernen. Und auch gegen Hausstaubmilben-Allergien kann man Maßnahmen ergreifen, wie milbendichte Bettbezüge zu verwenden oder alte Daunendecken zu ersetzen. Auch die Haltung bestimmter Haustiere muss man überdenken, etwa bei einer Tierhaar-Allergie."

Behandlung hängt nicht vom Alter ab

"Zur Behandlung einer Allergie kommen bei älteren Menschen im Wesentlichen die Medikamente und Methoden zum Einsatz, die auch jüngeren Allergiepatienten helfen". Rabe: "Es ist so, dass man im Prinzip für ältere Menschen das Gleiche an Medikamenten einsetzen kann, wie bei jüngeren auch. Manche Antihistaminika zeigen eine müde machende Wirkung, die neuen Präparate haben das aber deutlich weniger."

Es stellt sich auch die Frage, ob man einen älteren Patienten hyposensibilisieren, ihn also mit einer Art "Allergie-Impfung" behandeln soll. Dabei verabreicht der Arzt in längeren Abständen den Allergieauslöser, zunächst in steigender und dann in gleichbleibender Menge und das für etwa drei Jahre. Mit der Zeit reagiert der Körper weniger stark, im besten Falle gar nicht mehr darauf. Sinnvoll und wichtig ist sie besonders bei Allergieauslösern, die sich kaum vermeiden lassen, wie Blütenpollen.

Und man kann diese Behandlung auch im Alter versuchen. "Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass der Mechanismus der Sensibilisierung und das krankmachende Prinzip bei Allergien im Fall älterer Patienten anders ist, als bei jüngeren. Ich sehe daher keinen Grund, jemandem im Alter die Hyposensibilisierung zu versagen, wenn sie medizinisch angezeigt ist." Allerdings, so betont der Experte, sei die Datenlage bei älteren Patienten bisher noch unzureichend.

Herzschwäche nicht vergessen

Was Rabe auch wichtig ist: "Bei älteren Menschen, die mit allergietypischen Beschwerden wie Husten und Luftnot kommen, muss man immer daran denken, dass die möglichen Ursachen anders sein können als beim jungen Menschen. Dass also neben einer Allergie vieles andere möglich ist. Gerade im Alter muss man beispielsweise abklären, ob eine Herzschwäche vorliegt. Das hat bei Senioren eine sehr viel höhere Wahrscheinlichkeit als bei Zwanzigjährigen.

Dr. Frank Schäfer

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