Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2014 1. April Insulinpumpe - was sie bietet, wem sie nutzt

Service

Ausschnittfoto: Insulinpumpe an der Hüfte eines jungen Menschens

Die Insulinpumpe: Ein kleines, unauffälliges Gerät, das Diabetiker zuverlässig mit Insulin versorgt.
© b4producer - Fotolia

Insulinpumpe - was sie bietet, wem sie nutzt

Eine Insulinpumpe erleichtert besonders Kindern und Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes das Leben. Doch ganz von allein läuft die Insulinversorgung auch damit nicht.

Eine Insulinpumpe wird nicht in den Körper implantiert, wie häufig vermutet, sondern außerhalb befestigt, zum Beispiel am Gürtel, in der Hosentasche oder in Täschchen, die in die Kleidung eingenäht wurden. Von der Pumpe führt ein Schlauch, ein sogenannter Katheter, zu einer Nadel, die der Diabetiker im Unterhautfettgewebe seines Bauches fixiert. Aus einem Insulinreservoir in der Pumpe gelangt nun kontinuierlich Insulin über Katheter und Nadel ins Gewebe. Aber erst dann, wenn der Diabetiker die Pumpe auf die Abgabe einer für ihn passenden Menge Insulin pro Zeiteinheit programmiert hat. Pumpensysteme, die ohne Katheter auskommen, werden als Patch-Pumpe bezeichnet. Die Pumpe ist hier direkt über eine Nadel mit dem Unterhautfettgewebe verbunden. Der Patient steuert sie mit einer Art Fernbedienung.

Im Gegensatz zur Intensivierten Konventionellen Therapie (ICT, siehe Kasten) ahmt die Insulingabe mittels Pumpe die körpereigene Insulingrundversorgung (Basalrate) deutlich besser nach. Bei der Basalrate handelt es sich um die Menge Insulin, die der Diabetiker unabhängig vom Essen benötigt. Wie viel ein Mensch braucht, ist individuell verschieden und variiert bei ein- und demselben Menschen abhängig von Bewegung, Infekten, Tageszeit und bei Frauen auch vom Hormonstatus.

Anzeige

Dosis flexibel

Während ein Diabetiker bei einer ICT an der einmal gespritzten Basalrate - solange das Insulin wirkt - nichts mehr verändern kann, lässt sie sich im Rahmen der Pumpentherapie umgehend auf einen wechselnden Bedarf einstellen. Das gelingt mittels Umprogrammierung oder auch mithilfe einer Absenkung oder Steigerung der Insulinabgabe in 10-Prozent-Schritten. Die Abgabe an Basalinsulin lässt sich auch so einstellen, dass die Insulinmenge für den Grundbedarf über den Tag variiert. Davon profitieren zum Beispiel Diabetiker, bei denen das sogenannte Dawn-Phänomen auftritt. Bei ihnen steigt der Blutzuckerspiegel ab etwa vier Uhr morgens regelhaft stark an. Diese Erhöhung wirkt sich meist bis nach dem Frühstück aus. Mit abendlich im Rahmen einer ICT gespritztem Insulin bekommt man das Problem nicht immer in den Griff, mit der Pumpentherapie hingegen meistens schon.

Jeweils zu den Mahlzeiten geben Pumpenträger zusätzlich ein, wie viel Insulin akut abgegeben werden soll. Dabei handelt es sich um den Bolus, also um das Insulin, das die zu einer Mahlzeit gegessenen Kohlenhydrate in die Körperzellen schleusen soll. Die Menge des Bolus errechnet sich aus der aktuellen Höhe des Blutzuckers und aus der Menge an Kohlenhydraten in einer Mahlzeit.

Studien zeigen, dass sich der HbA1c-Wert bei Pumpenträgern gegenüber den mit ICT behandelten Diabetikern verbessert. Die Zahl leichter Unterzuckerungen bleibt unverändert, diejenige schwerer Unterzuckerungen nimmt jedoch mit einer Pumpentherapie ab. Eine vorher instabile Stoffwechseleinstellung stabilisiert sich mit der Pumpe häufig. Eine Störung der Unterzucker-Wahrnehmung kann sich verbessern.

Vorbehalte gegenüber der Pumpe bestehen oft, weil sie immer am Körper getragen werden muss und ein Katheter in den Bauch führt. Erwägt ein Diabetiker eine Pumpentherapie, ist sich aber nicht sicher, besteht die Möglichkeit, eine Pumpe auf Probe zu tragen. Sie ist dafür nur mit einer Kochsalzlösung befüllt. Meist schwindet dann die Angst, das Gerät könne den Alltag stören, weil sich die Tester sehr schnell daran gewöhnen und die Pumpe nicht mehr als Einschränkung empfinden.

Die Intensivierte Konventionelle Therapie (ICT)

Bei dieser heute bei den meisten Typ-1- und zum Teil auch bei Typ-2-Diabetikern eingesetzten Insulintherapie spritzen die Patienten ein- bis zweimal am Tag ein Basalinsulin. Es soll den Insulin-Grundbedarf des Körpers abdecken. Seine Wirkung setzt langsam ein und hält lange an. Vor oder direkt zu den Mahlzeiten kommt ein schnell wirksames Insulin zum Einsatz, um die Kohlenhydrate aus dem Essen in die Körperzellen zu schleusen. Mehrfach tägliche Blutzuckermessungen sind dabei ebenso notwendig wie bei einer Insulinpumpen-Therapie. Die heute zur Verfügung stehenden Basalinsuline gewährleisten zwar einen gleichmäßigeren Wirkverlauf über den Tag. Einmal gespritzt, lässt sich mit ihnen aber nicht mehr flexibel auf Veränderungen reagieren.

Nicht für jeden geeignet

Für die Pumpentherapie bedarf es einiger Voraussetzungen. Diabetiker beziehungsweise im Falle kleiner Kinder deren Eltern sollten sehr motiviert und in der Lage sein, den Blutzucker dauerhaft mindestens vier mal pro Tag zu bestimmen und die Werte zu dokumentieren. Der tägliche Katheterwechsel unter Beachtung aller hygienischen Maßgaben gehört zum Pflichtprogramm, ebenso der regelmäßige Besuch in einer Insulinpumpen-Ambulanz. Eine Umstellung von einer ICT auf eine Pumpentherapie lässt sich ambulant oder stationär in eigens darauf spezialisierten diabetologischen Schwerpunktpraxen oder Ambulanzen durchführen.

Ein Problem kann auch die Frage der Finanzierung sein. Ob die jeweilige Krankenkasse die Pumpentherapie bezahlt, muss in jedem Einzelfall geklärt werden.

Intelligente Pumpe noch Zukunftsmusik

Der Blutzuckerwert lässt sich auch bei der Pumpentherapie nur mittels Piks in die Fingerkuppe bestimmen. An einem System, in das die Blutzuckermessung direkt integriert ist und das aufgrund des ermittelten Wertes selbstständig Insulin ausschüttet, arbeiten Wissenschaftler. Bis es für Diabetiker zur Verfügung steht, wird es jedoch noch einige Zeit dauern.

Apothekerin Isabel Weinert

Apotheke finden

Tagsüber
Notdienst
Alle Inhalte
schließen