Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2014 15. Mai Als der Sonnenschutz in die Tube kam

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Jüngere Frau im roten Bikini, Rücken- und Schulteransicht, blonde, hochgebundene Haare, cremt sich mit Sonnenschutz die linke Schulter ein; Hintergrund: blaues Meer

Auch das beste Sonnenschutzmittel hilft nur, wenn man genug aufträgt.
© T. Tulik - Fotolia

Als der Sonnenschutz in die Tube kam

Mit der Besiedelung sonnenarmer Breiten wurden Menschen hellhäutiger, nicht zuletzt, um auch bei wenig Sonne genug Vitamin D bilden zu können. Nachteil: Scheint doch mehr Sonne, kommt es schnell zu Hautschäden. Dagegen half bis in die Neuzeit vor allem sonnendichte Kleidung oder der Aufenthalt im Haus. Erst seit rund 80 Jahren gibt es einen zusätzlichen Schutz: Sonnencreme aus der Tube.

Lange Zeit galt gebräunte Haut als Zeichen dafür, dass man seinen Lebensunterhalt durch Arbeit im Freien bestreiten musste. Adel und gehobenes Bürgertum pflegten eine vornehme Blässe. Auf Feld und Flur zu arbeiten, hatte man nicht nötig. Erst mit dem anwachsenden Tourismus in reicheren Ländern bekam Sonnenbräune einen anderen Stellenwert. Jeder sollte es einem schon an der Haut ablesen: "Seht her, ich kann mir Urlaub in der Sonne leisten." Auch eine freizügigere Bademode wie der 1946 in Paris erstmals präsentierte Bikini förderte den neuen Körperkult. Bräune stand von nun an auch für Vitalität und Gesundheit.

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Weiße Schicht als Sonnenschutz

Dass aber knackige Hautbräune gefährliche Langzeitfolgen haben kann, war zumindest Fachleuten früh bekannt. Bereits 1918 schrieb der australische Hautarzt Norman Paul ein Buch über den Einfluss von Sonnenlicht auf die Entstehung von Hautkrebs. Ins öffentliche Bewusstsein drang dies lange Zeit nicht. Eher beachtet wurde und wird der schmerzhafte, gut sichtbare Sonnenbrand. Um ihm vorzubeugen, gab es lange Zeit nicht viele Möglichkeiten. Dichte Kleidung und Sonnenschirme oder -hüte boten Schutz. Auch Pasten mit Zinkoxid halfen, hinter ließen aber eine weiße Schicht auf der Haut und waren daher eher unbeliebt.

Die erste zum Schutz beim Sonnen gedachte Salbe mit UV-Lichtschutzfaktor bot ein großes deutsches Chemieunternehmen ab 1933 an. Erst 22 Jahre später dann als Sonnenmilch, also als Emulsion. Ein großer französischer Kosmetikhersteller brachte seine Sonnencreme 1935 auf den Markt. In den vierziger Jahren folgten eine amerikanische und eine schweizerische Firma. Letztere wurde von dem Chemiker Franz Greitner gegründet, den ein starker Sonnenbrand bei einer Bergtour auf die Idee gebracht haben soll, Sonnenschutzmittel zu entwickeln.

Greitner war es auch, der 1962 den "Lichtschutzfaktor" (LSF) entwickelte. Er liefert heute für Verbraucher eine Orientierung, was Sonnenschutzmittel gegen Sonnenbrand leisten, der als Folge der UV-B-Strahlung im Sonnenlicht auftritt. Der LSF gibt an, wie viel länger man sich, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, mit dem jeweiligen Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann als ohne das Mittel. Abhängig ist dies auch vom Hauttyp. Über den informiert eine Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Der Hauttyp bestimmt die Eigenschutzzeit gegen Sonnenbrand, die man in der Sonne ohne Sonnencreme hat.

Das folgende Beispiel zeigt, wie ein Sonnenschutzmittel die Zeit zum Sonnenbaden verlängert. Liegt die Eigenschutzzeit der Haut bei 10 Minuten und der LSF des Sonnenschutzmittels bei 20, dann beträgt die Zeit zum Sonnen mit dem Mittel maximal 10 x 20 Minuten, also 200 Minuten. Das sind gute drei Stunden. Allerdings empfiehlt das BfS, diese Zeit nur zu knapp zwei Dritteln auszuschöpfen, da Hautschäden teils schon vor ersten Symptomen eines Sonnenbrandes auftreten können. Das Amt rät zudem, dass Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene einen LSF von mindestens 20 und Kleinkinder einen von wenigstens 30 verwenden sollten. In großen Höhen, am Wasser oder im sonnigen Süden sollte der LSF noch höher sein.

Drei Esslöffel voll

Etwa seit dreißig Jahren gibt es vermehrt Sonnenschutzmittel, die nicht nur vor UV-B-Strahlen schützen, sondern auch vor UV-A-Strahlen. Allerdings nicht vor beidem gleichermaßen gut. Seit 2006 besteht die Empfehlung der Europäischen Union, dass in Europa Sonnenschutzmittel nur dann die Kennzeichnung für aus reichenden UV-A-Schutz tragen dürfen, wenn der UV-A-Schutz mehr als ein Drittel des Lichtschutzfaktors beträgt (UV-B-Schutz). Auf die Haut sprühbares Sonnenschutzmittel wurde kurz vor der Jahrtausendwende in Deutschland eingeführt.

Doch auch beste Sonnenschutzmittel helfen nur, wenn man genug aufträgt, und das ausreichend lange vor dem Sonnenbaden, nicht erst währenddessen. Für einen durchschnittlichen Erwachsenen sollte es zumindest so viel sein, wie in drei Esslöffel passen würde. Wichtig zu wissen: Durch Nachcremen verlängert sich die Schutzdauer nicht! Nachcremen muss man allerdings nach dem Baden. Selbst wasserfeste Sonnenschutzpräparate lösen sich durch Abrieb und Schwitzen teils wieder ab oder werden beim Abtrocknen abgerubbelt.

Dr. Frank Schäfer

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