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Ein älterer Mann liegt im Krankenhausbett. Ein Arzt sitzt an seiner Seite.

Wenn ältere Menschen aus der Narkose aufwachen, leiden sie oft unter Gedächtnisproblemen.
© Monkey Business - Fotolia

Dement nach Narkose?

"Er ist nicht mehr der Alte." Das hört man oft über ältere Patienten, die eine Operation hinter sich haben. Generell treten nach einer Narkose häufig für einige Tage Gedächtnisprobleme auf. Einige Forscher vermuten, dass es zu bleibenden Veränderungen im Gehirn kommen kann.

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Operation plus Narkose gleich doppeltes Risiko, an Demenz zu erkranken. Dies wollen Forscher aus Taiwan herausgefunden haben. Im Brennpunkt von Professor Dr. Pin-Liang Chen und seinem Team von der National Taiwan University: 25 000 Patienten über 50 Jahre. Sie erhielten alle erstmals eine Narkose. Als Vergleichsgruppe wählte Chen 111.000 Menschen, die sich bislang keiner OP unterziehen mussten.

Risiko verdoppelt?
Die Ergebnisse scheinen eindeutig. Nach einer Anästhesie stieg das Risiko, an Demenz zu erkranken, um das Doppelte an. Doch an der Narkose allein scheint es nicht zu liegen. Chen fand heraus, dass fünf Eingriffe das Demenzrisiko wohl besonders erhöhen. Hierzu zählen OPs der Augen, der Haut, des Magen-Darm-Bereichs, orthopädische Operationen und solche im Bereich der Geschlechtsorgane und Harnwege.

Woran das liegt, darüber spekulieren die taiwanesischen Forscher. Zum einen vermuten sie, dass bei einigen Patienten bereits eine Anfälligkeit für eine Demenz vorliegt, diese aber noch nicht diagnostiziert wurde. Somit steige auch die Wahrscheinlichkeit nach einer Operation eine solche zu entwickeln. Zum anderen glauben sie, dass sich Substanzen, die Ärzte für eine Anästhesie einsetzen, negativ auf das Nervensystem auswirken könnten.

Forscher uneinig
Die Unsicherheit der Wissenschaftler spiegeln mehrere Veröffentlichungen wider. So gaben US-amerikanische Mediziner im Mai 2013 im Fachblatt Mayo Clinic Proceedings in Sachen Narkose und Demenz Entwarnung. "Es gibt viele Gründe, besorgt zu sein, wenn ältere Menschen operiert werden müssen, aber die Angst vor Alzheimer gehört eher nicht dazu." Dies betont Professor Dr. David Warner von der Mayo Clinic in Rochester, der Leiter des Forscherteams.

Etwas kritischer sieht dies eine französische Forschergruppe, die ihre Arbeiten einige Monate später veröffentlicht hat. "Für ältere Menschen, bei denen nach einer Operation kognitive Störungen auftreten, sollten über einen längeren Zeitraum Kontrolluntersuchungen eingeplant werden." Dies fordert Professor Dr. Francois Sztark von der Université Bordeaux Segalen. An seiner Studie nahmen 7.000 Patienten im Alter von über 65 Jahren teil, die noch nicht an einer Demenz litten. Das Fazit: Das Risiko, eine Demenz zu entwickeln, erhöht sich nach mindestens einer Vollnarkose um 35 Prozent.

Anästhesist contra Chirurg
Professor Dr. Roderic Eckenhoff von der University of Pennsylvania in Philadelphia glaubt ebenfalls, dass eine Narkose einer Alzheimer- Erkrankung einen Schub verpassen kann. Er sieht aber nicht den Anästhesisten als "Schuldigen", sondern den Chirurgen. Nicht die Narkose löse die Erkrankung aus, sondern Entzündungsprozesse, die durch die Operation entstehen. Es scheint also wie die berühmte Frage, wer zuerst da war: das Huhn oder das Ei. Ob eine Narkose oder eine Operation das Demenzrisiko steigern können und wenn ja warum, müssen die Forscher wohl in den kommenden Jahren noch klären.

PEF

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