Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2014 1. August Was gegen häufige Schmerzarten hilft

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Büroszene: Jüngere Frau im Vordergrund, Bild Oberkörper, Businesskleidung (dunkelblaues Jacket, weiße Bluse, zurückgekämmte, dunkle Haare) greift sich an die schmerzende Stirn, im Hintergrund unscharf Frau und Mann, Büro

Nicht jeder Schmerz muss einen gleich zum Arzt führen. Bei anhaltenden, ungewohnten oder starken Schmerzen sollte man aber ärztlichen Rat einholen.
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Was gegen häufige Schmerzarten hilft

Kopf- und Rückenschmerzen: Kaum etwas plagt Menschen so häufig. Wie man solchen Schmerzen Paroli bietet, erläutert der Schmerztherapeut und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe vom Schmerz- & Palliativzentrum in Göppingen.

Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) leiden etwa 90 Prozent der Menschen mit Kopfschmerzen entweder an Migränekopfschmerz, Spannungskopfschmerz oder einer Kombination aus beiden. Aus medizinischer Sicht sind diese sehr häufigen Schmerzarten der DMKG zufolge zwar nicht gefährlich, doch sie können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Grund genug, sie zu bekämpfen. In folgenden Fällen rät der erfahrene Schmerztherapeut Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe Patienten mit Kopfschmerzen vor der Selbstbehandlung zunächst zum Arzt zu gehen: "Immer, wenn sich Kopfschmerzen in ihrer Art ändern, wenn sie plötzlich dauernd auftreten oder an mehr als vier Tagen im Monat, sollte man zunächst zum Arzt gehen und sorgfältig diagnostizieren. Hier gilt es, Gefäßmissbildungen, Tumorerkrankungen oder andere Ursachen auszuschließen."

Hilfe bei Spannungskopfschmerz

Bei kurzen Episoden von Spannungskopfschmerz empfehlen die DMKG und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie unter anderem rezeptfreie Schmerzmittel mit Acetylsaliclysäure, Ibuprofen oder eine feste Kombination aus Acetylsaliclysäure, Paracetamol und Koffein. Hilfreich ist auch äußerlich angewendetes Pfefferminzöl.

Sinnvolle Mittel bei anhaltenden Spannungskopfschmerzen sind Müller-Schwefe zufolge "Medikamente, die die Membran von Nervenzellen stabilisieren wie beispielsweise Amitriptylin in niedriger Dosis. Auch Flupirtin kann hier nützlich sein". Beide Arzneistoffe sind verschreibungspflichtig. Doch auch nicht medikamentöse Maßnahmen sind aus Sicht des Experten sehr bedeutsam: "Entspannungsverfahren wie das Jacobsontraining, Biofeedback, bei dem die Muskelspannung gezielt aufgezeigt und beeinflusst wird, aber auch regelmäßige Lebensführung, Ausdauersportarten und das Meiden Kopfschmerz auslösender Nahrungsmittel sind sehr wichtig."

Handelt es sich um Migränekopfschmerzen, "empfiehlt es sich, Paracetamol, Ibuprofen oder auch Acetylsalicylsäure auszuprobieren. Wenn diese wirksam sind, sind sie an einzelnen Tagen genommen durchaus sinnvoll. Wenn entzündungshemmende Medikamente keine ausreichende Wirkung zeigen, sind Triptane die Mittel der Wahl, also spezielle Medikamente, die ausschließlich bei Migräne wirken, aber bei anderen Kopfschmerzformen völlig wirkungslos sind. Es lohnt sich jedoch auch, einen Therapieversuch mit einfachen Mitteln wie Minzöl oder Kältebeuteln zu machen. Häufig sind diese Mittel ebenfalls wirksam".

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Hilfe bei unspezifischem Rückenschmerz

Fast ebenso häufig wie Kopfschmerzen suchen Rückenschmerzen Menschen hierzulande heim. Entscheidend ist bei anhaltenden Schmerzen eine ausführliche Untersuchung durch den Arzt, um Auslöser zu erkennen und wenn möglich abzustellen. Doch oft werden keine eindeutigen Ursachen gefunden, der Rückenschmerz ist unspezifisch. Hier ist Experten zufolge vor allem wichtig, dass sich Betroffene bewegen – gerade bei anhaltenden Beschwerden. Das sieht auch Müller-Schwefe so: "Von der Konstruktion her sind wir Menschen Savannen- und Steppenläufer. Die moderne Arbeitswelt hat uns zu Sitztieren degradiert, der Rücken schlägt zurück und zeigt uns, dass dies keine artgerechte Haltung darstellt." Damit aber Bewegung und damit Linderung der Beschwerden möglich sind, können bei Bedarf auch Medikamente helfen. Dafür gibt es bewährte Wirkstoffe und Therapieverfahren. Müller-Schwefe: "Wenn entzündliche Veränderungen der Wirbelgelenke oder der Kreuz-Darmbein-Gelenke eine Rolle spielen, sind Entzündungshemmer wie Ibuprofen oder Diclofenac sinnvoll und wirksam. Muskelentspannendes Magnesium, aber auch Flupirtin können vor allem muskulär ausgelöste Schmerzen gut beeinflussen. Wenn die Schmerzen zu stark sind und Bewegung unmöglich ist, können auch stärker wirksame Schmerzmittel wie Tilidin, Tramadol oder auch stärkere Opiate vorübergehend sinnvoll sein. Aber auch hier gilt: Tägliches Üben und Bewegen, die Wirbelsäule stabilisierendes Training, Wärmebehandlung und Entspannungsverfahren sind wichtig."

Informationen und Anfragen zum Thema Schmerzen

Deutsche Schmerzliga e. V.
Adenauerallee 18
61440 Oberursel

Das Schmerztelefon: 06171 2860-53 (Montag bis Freitag von 9:00 bis 12:00 Uhr)
Telefax: 06171 2860-5
E-Mail: info@schmerzliga.de
Web: www.schmerzliga.de

Keine Angst vor Schmerzmitteln

Oft fürchten sich Menschen davor, Schmerzmittel anzuwenden. Sie fixieren sich auf mögliche Nebenwirkungen oder glauben gar, von den Mitteln abhängig werden zu können. Doch bei aller Vorsicht muss betont werden, wie wichtig Schmerzmittel sind, um etwa die Entwicklung chronischer Schmerzen zu verhindern. Dazu Müller-Schwefe: "Wer Schmerzen zu lange aushält, läuft Gefahr, dass sich eine Schmerzspur ins Nervensystem einbrennt und sich die Steuerung der Nervenzellen so verändert, dass am Ende geringe Reize wie Spannung, Berührung und Bewegung zu Schmerzimpulsen führen. Dies gilt es, unbedingt zu vermeiden. Deshalb ist eine falsche Scheu vor wirksamen Medikamenten nicht angebracht. Der tapfere Indianer, der Schmerzen aushält, ist kein kluger Indianer. Sind die Schmerzen erst einmal chronisch geworden, sind umfangreiche Maßnahmen nötig, den Nervenzellen wieder Vergessen beizubringen, die gestörte Funktion der Rückenmuskulatur und des Bewegungssystems wieder zu normalisieren und zu einem normalen Leben zurückzufinden."

FS

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