Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2015 15. Oktober Pseudokrupp: Kinderhusten in der Nacht

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Ein plötzlich auftretender

Pseudokrupp ist eine Erkrankung der Atemwege und tritt vor allem in der Nacht auf.
© sabine hrdler - Fotolia

Pseudokrupp: Kinderhusten in der Nacht

"Bitte, bitte kommen Sie sofort, mein Kind bekommt keine Luft mehr!" Wenn Kinder- oder Notärzte mitten in der Nacht diesen Hilferuf verstörter Eltern hören, vermuten sie meist auf Anhieb: Das Kind hat Pseudokrupp.

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"Tagsüber war das Kind noch ganz vergnügt und schlief auch abends noch ganz ruhig ein. Doch plötzlich klingt aus dem Kinderzimmer ein noch nie gehörtes, beängstigendes Geräusch", schildert Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, die Situation. "Es ist ein tiefer Husten mit harten, rauen und bellenden Tönen, die an das Blöken von Schafen erinnern – daher auch die volkstümliche Bezeichnung 'Schafshusten'. Das Kind ringt hörbar nach Luft und gibt beim Einatmen ein ziehendes, manchmal juchzendes, manchmal brummendes Geräusch von sich. Die Stimme wirkt heiser oder gepresst."

Altmodischer Name

Als "echten" Krupp bezeichneten Ärzte früher einen besonderen Verlauf der Diphtherie. Die gleichen Symptome, nur ohne Beteiligung des Diphtherie-Erregers, nannten sie Pseudokrupp – eine Einengung der Luftwege, die zur Atemnot führt. Der Husten tritt fast ausschließlich nachts auf. Die Stimmbänder und die Schleimhäute an den darunter liegenden Abschnitten des Kehlkopfes und an der Luftröhre des Kindes entzünden sich und schwellen an. Dies liegt meist an einer Infektion mit den unzähligen Viren. Während diese bei den meisten Kindern nur zu einer Erkältung führen, lösen sie bei den dafür besonders Anfälligen zusätzlich den typischen Krupp-Anfall aus.

Der Pseudokrupp tritt am häufigsten bei Kindern zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr auf. In diesem Alter sind die anatomischen Verhältnisse im Kehlkopfbereich sehr eng, gleichzeitig reagieren die Schleimhäute der Kinder jetzt besonders heftig auf Infektionen und Reizungen, da sich das Immunsystem noch entwickelt. Laut dem Robert-Koch-Institut erkranken Jungen zweimal häufiger an Pseudokrupp als Mädchen. Starke Luftverschmutzung bei bestimmten Wetterlagen steigert offenbar das Risiko. Das gilt auch für den Zigarettenrauch in der Wohnung.

Trotz der Angst erregenden Hustgeräusche nimmt der Krupp-Anfall meist ein gutes Ende. Manche Kinder können sich allerdings in einen lebensbedrohlichen Zustand hineinsteigern: Sie ziehen nur mühsam die Luft ein, ihr Herz jagt, die Haut läuft blau an. Manchmal entsteht sogar der falsche Eindruck einer Besserung, wenn das Kind infolge der Atemnot völlig erschöpft ist.

Kehlkopfentzündung: Lebensbedrohliche Atemnot

Es gibt eine Krankheit, die dem Pseudokrupp ähnelt, weit gefährlicher verläuft, aber zum Glück wesentlich seltener vorkommt: die akute Kehlkopfentzündung, fachsprachlich Epiglottitis genannt. Da sie für das Kind lebensgefährlich werden kann, sollten Eltern die Unterschiede kennen:

• Beim Pseudokrupp klingt die Stimme des Kindes rau, heiser bis tonlos.
• Das Schlucken ist nicht behindert, die Temperatur nur leicht erhöht (um 38 Grad Celsius).

Bei der Epiglottitis verschlechtert sich das Befinden des Kindes geradezu stürmisch schnell. Die Stimme klingt nicht heiser, sondern hell, leise und kloßig, wie mit einer heißen Kartoffel im Mund. Das Kind fiebert und will nichts trinken, weil ihm das Schlucken schmerzt. Speichel läuft aus dem Mund. Ohne schnelle Behandlung verläuft die Krankheit mitunter tödlich verlaufen. Deshalb den Notarzt rufen!

Die gute Nachricht: Verglichen zu früheren Zeiten nehmen die Erkrankungszahlen drastisch ab. Dies liegt an der Einführung der Hib-Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ B, den wichtigsten Krankheitserreger der Epiglottitis.

PEF

Koletzko warnt: "Wenn sich der Lufthunger bedrohlich verschlimmert und Lippen, Hände oder Nasenspitze blau werden, muss das Kind sofort in die nächste Klinik. Es wäre falsch und gefährlich, in solchen Fällen auf den Arzt oder einen ärztlichen Notdienst zu warten. Jede Minute kann kostbar sein."

Das Wichtigste für Eltern: Ruhe bewahren und das Kind auf den Arm nehmen und beruhigen, rät die Stiftung Kindergesundheit. Beim Schreien schwillt die Schleimhaut weiter an. Hektik steigert zudem die Angst des Kindes und damit seine Atemnot. In der aufrechten Position auf dem Arm kann das Kind auch besser atmen als im Liegen.

Weitere Maßnahmen: für feuchtkalte Luft sorgen. Wenn nicht gerade Nebel oder Smog herrscht: das Fenster öffnen. Die Nachtluft erleichtert die Atmung. Gleiche Bedingungen erreicht man mit einer "feuchten Kammer": Das Kind ins Badezimmer tragen, mit der Handbrause heißes Wasser in die Wanne laufen lassen, es soll die feuchte Luft am besten in aufrechter Haltung einatmen. Nach dem Anfall braucht das Kind etwas Kaltes zu trinken, am besten Saft oder Tee. Sobald die Krankheit einmal aufgetreten ist, kann der Kinder- und Jugendarzt für mögliche neue Anfälle ein spezielles "Notfall-Zäpfchen" oder einen Saft mit Kortison verschreiben. Nach dem dritten Geburtstag verlaufen sie meistens milder, nach dem sechsten hören sie in fast allen Fällen auf.

Peter Erik Felzer

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