Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2015 1. November Macht Abhärten das Immunsystem wirklich hart?

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Was stärkt das Immunsystem wirklich? Experten geben Antworten.

Regelmäßige Saunagänge stärken die Abwehrkräfte und können Erkältungen vorbeugen.
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Macht Abhärten das Immunsystem wirklich hart?

Mythos Abhärtung: Sauna oder kalte Bäder sollen das Immunsystem positiv beeinflussen. Doch was ist wirklich dran? Wir haben dazu ein paar Experten um Rat gebeten

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Mythos 1: Wechselduschen stärken die Abwehr.

"Ja – sie härten zumindest ab", sagt Apothekerin Dr. Angela Fetzner. "Durch die Wechselbäder wird der Körper mit Blut und Sauerstoff versorgt. Giftstoffe und Krankheitserreger, die sich zuvor in schlecht durchbluteten Körperregionen angesammelt haben, werden entfernt." Auch Forscher des Kompetenzzentrums für Naturheilverfahren der Uni Jena bestätigen den positiven Effekt von Wasseranwendungen à la Kneipp. Ihre Untersuchungen zeigen, dass das Immunsystem gestärkt wird und die Zahl der Infekte sinkt. Ist der Infekt aber ausgebrochen, sollte man die Wechselduschen zunächst aussetzen.

Mythos 2: Mehrmals am Tag für 30 Sekunden die Hände waschen schützt.

Stimmt! Und deshalb ist es auch eine gemeinsame Empfehlung des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Studien zeigen, dass regelmäßiges Händewaschen das Risiko von Erkältungs-, Atemwegs- und Durchfallerkrankungen verringert. Denn Bakterien und Viren lauern dort, wo viele Menschen sind: an Türgriffen, Treppengeländern oder Lichtschaltern. "Greift man anschließend mit der Hand ins Gesicht – insbesondere an Augen, Nase oder Mund – können die Erreger über die Schleimhäute in den Körper gelangen. Und tatsächlich greifen wir etwa fünfmal pro Stunde mit den Händen ins Gesicht", so Dr. Angela Fetzner.

Mythos 3: Hühnersuppe löffeln härtet ab.

Stimmt nicht! "Eine gesunde Ernährung ist zwar wichtig für gute Abwehrkräfte, Hühnersuppe allein hat aber keinen spezifischen Einfluss auf das Immunsystem", so Professor Dr. Lothar Rink, Direktor vom Institut für Immunologie an der Universitätsklinik der RWTH Aachen. Das Löffeln der heißen Suppe gibt zwar subjektiv das Gefühl, dass die Suppe gut tut und Kraft spendet. Das liegt aber daran, dass im Winter die Schleimhäute stärker austrocknen. "Zum einen aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit, zum anderen weil die meisten von uns zu wenig trinken. Jede Flüssigkeitszufuhr tut da gut. Hinzu kommt der direkte Effekt von warmen Flüssigkeiten auf die Nasenschleimhäute, die dadurch feucht gehalten werden. Hühnersuppe behandelt also eher die Symptome, ähnlich wie Nasenspray, stärkt aber nicht das Immunsystem", so der Experte.

Mythos 4: Genug Schlaf wirkt wie ein Bollwerk bei heranziehenden Erkältungswellen.

Stimmt! Wer vier Wochen lang nachts weniger als sieben Stunden schläft, hat 50 Prozent weniger Antikörper im Blut als Normalschläfer, wie eine Studie der Universität Lübeck zeigt. "Das Immunsystem braucht Ruhe und Erholung, um sich angemessen zu regenerieren. So werden im Schlaf neue Zellen gebildet – auch für die Immunabwehr. Freie Radikale, also aggressive Sauerstoffmoleküle, die Krankheiten auslösen können, werden im Schlaf unschädlich gemacht. Das gilt ebenso für alle Arten von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilze", bestätigt Dr. Angela Fetzner.

Mythos 5: Sport trainiert auch das Immunsystem.

Jein, denn "Sport stärkt nicht automatisch und nicht immer das Immunsystem. Es kommt auf die Dosis an!", sagt Dr. Karsten Krüger von der Abteilung für Sportmedizin an der Universität Gießen. Zahlreiche Studien bestätigen, dass moderater Ausdauersport die Infektanfälligkeit senkt. "Wer drei- bis fünfmal pro Woche joggt, schwimmt, walkt oder radelt, kann dadurch die Funktion der
natürlichen Killerzellen stärken und damit seine Immunabwehr fördern", so der Biologe und Sportwissenschaftler. Aber: Wer sich durch Sport völlig verausgabt, erreicht eher das Gegenteil. Dann überwiegt der Stress und die Immunabwehr wird kurzfristig sogar geschwächt. Und bei einem akuten Infekt sollte man eine Sportpause einlegen.

Mythos 6: Heiße Milch mit Honig beugt vor.

Stimmt nicht! Auch heiße Milch mit Honig gehört zu den Klassikern, die Erkältungskrankheiten vorbeugen sollen, doch diese althergebrachte Maßnahme ist wenig hilfreich, außer vielleicht ein wenig zur Linderung von Reizhusten. "Wie alle nicht sterilisierten Lebensmittel hat Honig eine leicht stimulierende Wirkung auf das Immunsystem, der hohe Zuckeranteil wirkt sich aber negativ aus, da zu viel Zucker Gift für das Immunsystem ist. Die bessere Wahl ist daher, vor allem in Erkältungszeiten ungezuckerten heißen Kräutertee zu trinken, was zwar nicht auf das Immunsystem wirkt, aber die Atemwege befreit", so Professor Dr. Lothar Rink.

Mythos 7: Saunagänge helfen gegen Erkältungen.

Jein. An sich stärken regelmäßige Saunagänge die Abwehrkräfte, was in zahlreichen Studien belegt wurde. Durch den Wechsel von heiß und kalt lernt der Körper, die Schleimhäute mehr oder weniger stark zu durchbluten: Bei Hitze weiten sich die Gefäße, bei Kälte ziehen sie sich zusammen. So kann sich der Körper besser auf ungewohnte Temperaturen einstellen. Aber: Sind Schnupfen und Husten bereits ausgebrochen, wird die Immunabwehr durch Hitze und das kalte Duschen zusätzlich geschwächt und der Körper belastet.

Narimaan Nikbakht

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