Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2015 1. Januar Von Schröpfköpfen bis zur Hightech-Diagnostik

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Holzkistchen mit Schröpfköpfen und -schneppern

Manche Ausstellungsstücke lassen es einem schon ein wenig kalt den Rücken herunterlaufen: diese Schröpfköpfe z.B.
© Technoseum Mannheim

Von Schröpfköpfen bis zur Hightech-Diagnostik

Amputationssägen und Messer für den Aderlass: Angesichts dieser historischen Medizingeräte glaubt man nicht mehr unbedingt, dass früher alles besser war. Wer sich davon selbst überzeugen will, kann das in einer Ausstellung im "Technoseum – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim" tun, in der es um das Thema Medizintechnik geht. Redakteur Peter Erik Felzer hat sich dort für Sie schon einmal umgesehen.

Bologna im Jahre 1540: Im Schein dutzender Kerzen und Fackeln steht der Arzt Andreas Vesalius an einem großen Tisch, auf dem ein Toter aufgebahrt liegt. Geschickt öffnet der Mediziner den leblosen Körper und legt kunstvoll einzelne Organe frei. Hunderte Augenpaare sind auf ihn gerichtet; es herrscht angespannte Ruhe in einem eigens errichteten anatomischen Theater, unter dem Schutz der Kirche und mit Billigung der angesehenen medizinischen Fakultät.

Beginn der modernen Medizin

"Unser erster Ausstellungsraum erinnert an dieses anatomische Theater und damit an den Beginn der modernen Medizin." So beginnt Dr. Alexander Sigelen, Projektleiter der "Herzblut-Ausstellung", seine Führung. Stolze 500 Jahre Geschichte der Medizintechnik prägen heute unseren Alltag, ganz gleich ob es sich um Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen oder Brillen handelt. "Dem Fortschritt in der medizinischen Forschung ist es unter anderem zu verdanken, dass wir heute nicht nur länger, sondern auch besser leben und dass vormals tödliche Krankheiten ihre Gefährlichkeit verloren haben oder – wie etwa die Pocken in den 1970er-Jahren – sogar aus gerottet werden konnten."

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Plötzlich war Hygiene gefragt

Mit der Entstehung der modernen Medizin hat sich laut Sigelen auch ein neues, naturwissenschaftlich begründetes Bild vom Menschen entwickelt. "Stethoskop, Mikroskop und später die Röntgenröhre machten beispielsweise das bislang verschlossene Körperinnere hör- und sichtbar." Viele neue Erkenntnisse revolutionierten die Medizin. So führte zum Beispiel die Entdeckung von Krankheitserregern im 19. Jahrhundert zu einer allgemeinen Hygienebewegung und zur Erforschung wirk samer Therapien sowie vorbeugender Impfungen gegen gefährliche Bakterien und Viren.

Manche Ausstellungsstücke lassen es einem schon ein wenig kalt den Rücken herunterlaufen. Etwa Messer für den Aderlass, große Schröpfköpfe oder Amputationssägen für einen Chirurgen. Letztere zeigen dennoch den Fortschritt in der Medizin, berichtet Sigelen. "Unsere Ausstellungsstücke aus den 1840er-Jahren besitzen noch Ebenholzgriffe. Diese Amputationswerkzeuge aus der Zeit des Ersten Weltkrieges bestehen dagegen komplett aus Metall. Und die lassen sich dadurch viel einfacher sterilisieren."

Einige Teile der Ausstellung führen viele Besucher zurück in ihre Kindheit. Eine Hausarztpraxis aus Karlsruhe aus den 1960er-Jahren, der Behandlungsraum eines Zahnarztes aus den 1920er-Jahren, ein Labor und ein Operationssaal auf dem Stand der 1950er-Jahre: alles nicht so lange her, doch technisch gesehen inzwischen ziemlich veraltet.

Informationen:

Das Technikmuseum in Mannheim gehört neben dem Deutschen Museum in München und dem Deutschen Technikmuseum in Berlin zu den großen Technikmuseen in Deutschland.

Die Adresse:

Museumsstraße 1
68165 Mannheim

Telefon: 0621 4298-9
Internet: www.technoseum.de
E-Mail: info@technoseum.de

Die Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 17 Uhr. Die Sonderausstellung "Herzblut" läuft noch bis zum 7. Juni.

Gelassener zum nächsten Zahnarztbesuch

Wer mag, darf bei sich selbst das Abhören und Abklopfen ausprobieren, das man vom eigenen Besuch beim Hausarzt kennt. Oder man kann die Getriebe und die Drehgeschwindigkeit moderner zahnärztlicher Elektrobohrer beobachten. Vergleicht man diese mit denen historischer Tretbohrer, sieht der eine oder andere dem nächsten Zahnarztbesuch womöglich wieder etwas gefasster entgegen.

Doch Sigelen und sein Team sehen die moderne Entwicklung durchaus auch kritisch. "Moderne Medizintechnik rettet und verlängert Leben, sie lindert Schmerzen und steigert die Effizienz ärztlicher Behandlungen." Sie kompensiert Behinderungen und Gebrechen. Dennoch verspüren viele Menschen ein gewisses Unbehagen angesichts der Dominanz der "Apparatemedizin" und vertrauen immer häufiger auch alternativen Heilverfahren. "Eine Herausforderung, der sich die etablierte Medizin ebenso
stellen muss wie den Folgen des demographischen Wandels und steigender Kosten im Gesundheitssystem. Kann auch in Zukunft eine breite medizinische Versorgung gesichert werden?"

Peter Erik Felzer

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