Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2015 1. April "Die Medikamente sind gelandet"

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Juist, Hafeneinfahrt

Der normale Medikamenten-Transport nach Juist erfolgt per Kleinflugzeug – wenn es die Flugbedingungen zulassen. Wenn nicht, kommen die Medikamente auch per Schiff.
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"Die Medikamente sind gelandet"

Für eine optimale Arzneiversorgung auch im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik ging im Herbst 2014 im Rahmen eines Pilotprojektes eine besondere Neuerung an den Start: eine Drohne, die Notfall-Medikamente vom Festland zur Apotheke der ostfriesischen Insel Juist transportierte.

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Arzneimittel überall in Deutschland, selbst an Sonn- oder Feier tagen: Dafür braucht man ein leistungsstarkes Apothekensystem. Das hat Deutschland. Doch um die Versorgung auch in abgelegenen Landesteilen zu sichern, müssen Apotheker bisweilen ungewöhnliche Wege gehen, so wie auf der ostfriesischen Insel Juist. Dort half vergangenes Jahr beim Medikamenten-Transport testweise eine Drohne, ein kleines Luftfahrzeug ohne Pilot.

Wie damit Notfall-Medikamente, die nicht zum alltäglichen Apotheken-Sortiment gehören, zur Apotheke nach Juist gebracht wurden, schildert das Apotheker-Ehepaar Erich und Maria Hrdina: "Bei einer Anfrage wegen eines Notfall-Medikaments haben wir telefonisch bei unseren Großhändlern in Oldenburg und Bremen nachgefragt, wer das Präparat vorrätig hat. Es wurde dann ohne zeitlichen Verzug von einem Kurier mit dem Auto zum Drohnen-Flugplatz in Norddeich gebracht. Dort legte der Kurier das Medikament in einen Spezialbehälter aus Karbon an der Drohne, die danach in Richtung Juist startete. Dort landete sie auf einem kleinen eingezäunten Gelände am Ortsrand. Und von dort brachte ein Kurier das Medikament über die autofreie Insel zu unserer Seehund-Apotheke."

Die Seehund-Apotheke auf Juist

Die Seehund-Apotheke auf Juist
© Max Conradt

Der normale Medikamenten-Transport nach Juist erfolgt von Norddeich aus per Kleinflugzeug – wenn es die Flugbedingungen zulassen. Wenn nicht, kommen die Medikamente auch per Schiff. Von einem kleinen Flugplatz aus fährt dann ein Fahrrad oder Pferdefuhrwerk die einzelnen Kartons mit den Medikamenten zur Apotheke, und das meistens zweimal am Tag. Das diesen Transportweg ergänzende Drohnen-Experiment begann im Herbst 2014 mit dem ersten Flug, seitdem hat das Gerät knapp 40 Flüge absolviert. Hrdina zu weiteren Planung: "Die bisherigen Ergebnisse waren außerordentlich positiv, und werden zurzeit von Professor Dr. Moormann an der TH Aachen ausgewertet. Nach entsprechender Weiterentwicklung des Paketkopters durch das Institut für Flugsystemdynamik der TH Aachen und den Hersteller freuen wir uns sehr auf die nächste Erprobungsphase im Frühjahr/Sommer 2015."

Flüge bei Nacht, Sturm und Nebel möglich

Eine Drohne als Transporthelfer für die Apotheke hat viele Vorteile: Sie überwindet Hindernisse, die bisher die Versorgung von Kranken mit Notfall-Medikamenten erschweren. Sie fliegt auch, wenn Stürme, Gezeiten, Nebel oder Dunkelheit den sonst üblichen Medikamenten-Transport zur Insel mit dem Kleinflugzeug oder per Schiff verhindern.

Der Plan für das weltweit einzigartige Projekt mit der Drohne hatte viele Väter. Am Anfang war es nur ein Telefongespräch vom Institut für Flugsystemdynamik der TH Aachen mit Apotheker Hrdina und der Frage, ob er sich denn vorstellen könne, an diesem Projekt mitzuwirken. Hrdinas Antwort: "Da brauche ich keine Bedenkzeit, ich bin sofort dabei." Mit eingebunden in die Vorbereitungen zu dem Projekt waren zudem ein Drohnenanbieter, das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, das Bundesministerium für Verkehr, die deutsche Flugsicherung, die Inselgemeinde Juist, die Stadt Norden und die Nationale Parkverwaltung niedersächsisches Wattenmeer. Die Federführung übernahm ein großer Transportdienstleister.

Apotheker Erich Hrdina im Gespräch mit einer Kundin

Die Menschen auf Juist sind mit ihrer Apotheke sehr zufrieden.
© Max Conradt

Die Insel-Apotheke ist immer dienstbereit

Wie es nun genau nach der Winterpause mit dem Drohnenprojekt weitergeht, stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch nicht fest. Die technische Hilfe bliebe sicher auch künftig willkommen. Denn die einzige Apotheke auf der 1.500 Einwohner zählenden Insel zu leiten, ist nicht immer einfach. Nicht nur alle Tage im Jahr, sondern auch alle Nächte muss sie dienstbereit sein, und natürlich auch in der Hauptsaison zwischen Frühjahr und Spätherbst, wenn Feriengäste die Zahl der Insel-Bewohner vervielfachen. Doch es steht eine erprobte Apothekenmannschaft bereit, die den Ansturm gut auffangen kann. Die Menschen auf Juist sind jedenfalls mit ihrer Apotheke sehr zufrieden, was die Kundin Ulrike Schneider, die seit Langem auf der Insel lebt und arbeitet, so ausdrückt: "Wann immer man hier etwas braucht, ist jemand zur Stelle, und immer gibt es außer sachlicher Information und Beratung über die gekauften Medikamente auch einen lustigen Schnack, wie es hier, wo jeder jeden kennt, so üblich ist."

MC

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