Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2015 1. Juni Sieben Hirnmythen: Was ist dran?

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Kleines Mädchen, blond, schaut nach oben zu einem leuchtenden Gehirn.

Wir nutzen nur zehn Prozent des Gehirns? Ein Vorurteil unter vielen zum Thema Hirnfunktionen.
© Sergey Nivens - Fotolia

Sieben Hirnmythen: Was ist dran?

Das menschliche Gehirn leistet Dinge, die selbst Wissenschaftler kaum erklären können. Kein Wunder, dass sich hartnäckig Gerüchte über kuriose Eigenschaften der grauen Zellen halten. Die Neue Apotheken Illustrierte geht einigen populären Mythen auf den Grund.

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Ein Alkoholrausch kostet 10 000 Hirnzellen

Hirnzellen sterben bei einem Alkoholrausch zwar keine, doch ganz unbehelligt bleiben sie nicht. Forscher haben herausgefunden, dass die wichtigen Nervenverbindungen zwischen den Zellen Schaden nehmen. Aber keine Angst, sie regenerieren sich wieder, wenn man einen hohen Alkoholkonsum deutlich einschränkt.

Beim Fußball macht häufiges Köpfen doof

Eine Studie aus USA belegt, dass sich ab einer Anzahl von 1.000 bis 1.500 Kopfbällen im Jahr kleinste Verletzungen so summieren, dass sich deutliche Veränderungen im Gehirn zeigen. Diese können zu einer verminderten Hirnleistung führen. Besonders betroffen waren die Hirnbereiche, die für die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis und das Sehen zuständig sind.

Die linke Hirnhälfte denkt logisch, die rechte kreativ

Zwar lassen sich bestimmte Fähigkeiten überwiegend einem Hirnbereich zuordnen, zum Beispiel Sprache links, Gefühle rechts, doch das ist nur ein grobes Raster. Das Gehirn ist so organisiert, dass es viele Bereiche in einzelne Aufgaben einbezieht. Der US-Hirnforscher Michael Gazzaniga ist Spezialist auf diesem Gebiet. Er drückt es so aus: Die linke Hirnhälfte ist eher einfallsreich und interpretierend, während die rechte genau und wahrhaftig arbeitet.

Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seiner geistigen Kapazitäten

Diese Albert Einstein zugeschriebene Behauptung stimmt nicht. Untersuchungen im Hirnscanner zeigen, dass selbst im Schlaf mehr als zehn Prozent der Hirnzellen beschäftigt sind. Statt alle Nervenzellen gleichzeitig ins Rennen zu schicken, setzt das Hirn auf Arbeitsteilung: Für verschiedene Tätigkeiten sind jeweils darauf spezialisierte Bereiche zuständig und werden miteinander vernetzt.

Mozart-Effekt: Klassische Musik macht Kinder intelligent

Schön wär's, aber musikalischer Unterricht hat keinen nennenswerten Effekt auf die geistigen Fähigkeiten. In einer US-Studie schnitten Kinder mit musikalischer Früherziehung weder bei Zahlen- noch bei Wortschatz-Tests besser ab, noch hatten sie eine deutlich bessere räumliche Wahrnehmung als Kinder ohne musikalische Förderung.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist

Das Sprichwort geht auf den römischen Schriftsteller Juvenal zurück. Allerdings ist es verkürzt und sinnentstellt. Er schrieb, man solle für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper beten. Damit meinte er nicht, wie oft angenommen, dass ein gesunder Körper die Voraussetzungfür Intelligenz ist.

Frauen haben ein kleineres Gehirn als Männer

Das stimmt, hat jedoch keinen Einfluss auf die Intelligenz, sondern eher mit der Körpergröße zu tun. Zudem ist mittlerweile bekannt, dass die Nervenzellen in Frauen- und Männerhirnen verschieden vernetzt sind und sich sogar einzelne Hirnbereiche bei den beiden Geschlechtern in der Größe unterscheiden. Die generelle Organisation des Hirns scheint also zum Teil anderen Gesichtspunkten zu folgen.

Apotheker Rüdiger Freund


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