Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2016 15. Januar Ein-Blick in das Apotheken-Labor

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Was im Apothekenlabor hergestellt wird.

Nicht alle Arzneimittel sind im Handel erhältlich. Sie müssen eigens im Labor angefertigt werden.
© Govi Verlag

Ein-Blick in das Apotheken-Labor

Regale und Schubladen mit Medikamenten. Das sehen Kunden, wenn sie eine Apotheke betreten. Ihren Blicken verborgen bleibt, dass es auch immer ein eigenes Labor gibt. Die Neue Apotheken Illustrierte verrät, warum das so ist.

Ein wenig sieht es wie in einer Hexenküche aus. Mehrere Feuerstellen verteilen sich im Raum, um "gebrannte Wässer" und ätherische Öle herzustellen. Gläserne Destillierhelme, Florentiner Flaschen zur Trennung von Öl und Wasser, Schmelztiegel und viele andere typische Laborgefäße stehen auf den Regalen. Zugegeben: Wir sind gerade in einem Museum. In den vergangenen Jahrhunderten stellten Apotheker noch viele Ausgangsstoffe für Arzneimittel selber her, wie der Ausstellungsraum im Deutschen Apotheken Museum in Heidelberg zeigt. Doch ganz so von gestern ist Larborarbeit in Apotheken gar nicht.

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Mehr als Schubladenzieher

"Apotheker sind doch nur Schubladenzieher – ein Vorurteil, das diejenigen haben, die sich unter dem Apothekerberuf nichts weiter vorstellen können", so Apothekerin Dr. Berit Winter von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Doch wozu benötigen Apotheken heutzutage noch ein Labor? Eigentlich bedeutet der aus dem Lateinischen stammende Begriff einfach nur "Arbeitsraum". Dass jede Apotheke ein Labor besitzen muss, schreibt der Gesetzgeber in der Apothekenbetriebsordnung vor.

Zu den erforderlichen Gerätschaften zählen etwa Geräte, die die Schmelztemperatur bestimmen oder den ätherischen Ölgehalt messen. Ein Dünnschichtchromatograph zerlegt Stoffe mithilfe eines Lösungsmittels in verschiedene farbliche Bestandteile und lässt so Rückschlüsse auf seine Zusammensetzung zu. Ebenfalls in jedem Labor zu finden: besonders feine
Waagen, ein Mikroskop und spezielle Testchemikalien, die mit ihrer Reaktion, etwa einer Verfärbung, ebenfalls Informationen über Wirkstoffe zulassen.

Wissen, was drin ist

Winter erklärt den Hintergrund für solche Prüfungen: "Nicht alle Arzneimittel, die ein Patient benötigt, sind im Handel erhältlich. Sie müssen daher eigens angefertigt werden. "Man bezeichnet diese als 'Rezepturarzneimittel'. Beispielsweise werden in den Apotheken Salben, Cremes, Gele, Kapseln, Zäpfchen oder Tropfen hergestellt. Enthalten können typischerweise die Wirkstoffe Betamethasonvalerat oder Salicylsäure sein. Sie kommen gegen starken Juckreiz und hartnäckige Kopfschuppen zum Einsatz. Oder Harnstoff und Zinkoxid, die ebenfalls bei Hautleiden Verwendung finden.

Verwechslungen verhindern

"Damit keine Verwechslungen vorkommen und nur hochwertige Ausgangsstoffe für die Herstellung verwandt werden, ist es Pflicht des Apothekers, alle wirksame Substanzen und Hilfsstoffe erst zu prüfen, bevor er sie zu Arzneimitteln verarbeitet. Aus diesem Grund hat jede Apotheke ein Labor", so das Fazit der Apothekerin.

Die Prüfvorschriften findet man im Deutschen Arzneibuch, im Homöopathischen Arzneibuch und im Europäischen Arzneibuch. Mit Nachträgen und Kommentaren nehmen diese Arzneibücher mehr als einen Meter Raum ein und werden ständig aktualisiert. Es gibt aber auch noch weitere Standardwerke, zum Beispiel der Deutsche Arzneimittel Codex (DAC) und die Neuen Rezeptur Formularien (NRF). Diese dienen in der Mehrzahl als Vorschrift zur Herstellung von Arzneimitteln.

Acht Millionen Arzneitests

Aber die Prüfungen kommen auch bei sogenannten Fertigarzneimitteln zum Einsatz. "Die Arzneimittelsicherheit hat in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert. Vor der Abgabe eines Medikaments an den Kunden obliegt daher dem Apotheker die letzte Kontrolle", sagt Dr. Andreas Kiefer. Der Apotheker ist Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Jedes Jahr überprüfen Apotheken stichprobenartig rund acht Millionen Arzneimittel. Stellen Apotheker bei Ausgangsstoffen oder Fertigarzneimitteln Unstimmigkeiten fest, melden sie diese an die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker. Diese erfasst die Meldungen, untersucht das Arzneimittel und informiert die zuständigen Behörden.

Peter Erik Felzer

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