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Kinder können sich auch ohne Fleisch ausgewogen ernähren.

Sofern Fleisch nicht ersatzlos vom Speiseplan gestrichen wird, können sich auch Kinder vegetarisch ernähren.
© marchibas - Fotolia

Groß und stark ohne Fleisch

Gehört Fleisch bei Kindern unbedingt auf den Teller? Nein, sagen Ernährungsexperten – wenn Eltern auf eine ausgewogene Ernährung bei ihrem Nachwuchs achten und wissen, wie sie fehlende Nährstoffe ersetzen können.

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Der wichtigste Nährstoff, der beim Verzicht von Fleisch fehlt, ist Eisen. Doch gerade Kinder brauchen ihn, um wachsen, leistungsfähig und gesund bleiben zu können. "Deswegen ist es wichtig, Fleisch nicht ersatzlos vom Speiseplan
zu streichen, sondern mit pflanzlichen Lieferanten zu ersetzen", erklärt Professor Dr. Mathilde Kersting, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE).

Unser Körper kann Eisen aus Fleisch und Fisch viel besser ausnutzen als aus pflanzlichen Lebensmitteln. Deswegen muss bei einer vegetarischen Ernährung auch reichlich Vitamin C auf dem Speiseplan stehen. Das hilft dem Körper, das Eisen besser aufzunehmen. "Wenn Eltern darauf achten, ist eine vegetarische Ernährung für Kinder nicht riskant", so Kersting. Dem stimmt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu: "Eine abwechslungsreiche vegetarische Ernährung liefert alle Nährstoffe in ausreichender Menge", sagt Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer. Eisen- und Vitamin-C-haltige Lebensmittel bekommt man mit folgenden Gerichten auf den Tisch:

  • Vollkornmüsli mit Obstsaft
  • Haferflocken mit Apfel, Birne, Kiwi oder Orange
  • Vollkornbrot mit Frischkäse und Paprika
  • Kartoffeln mit Brokkoli und Kohlrabi
  • Erbsen-Kartoffel-Suppe mit Vollkornbrötchen
  • Pfannkuchen aus Vollkornmehl mit einer Pilzfüllung, dazu Blattsalat

Bei Babys und Kleinkindern ist der Eisenbedarf im Verhältnis noch größer. Gerade in der frühen Kindheit kann ein solcher Mangel die körperliche und geistige Entwicklung nachhaltig beeinträchtigen. Aber dazu muss es nicht kommen – vorausgesetzt, die Eltern kennen sich aus und der Speiseplan wird sorgfältig zusammengestellt.

"Vegetarische Fertigbreie im Gläschen müssen noch mit zwei bis drei Esslöffeln Orangensaft ergänzt werden, wenn aus der Zutatenliste hervorgeht, dass der Brei keinen Vitamin-C-haltigen Saft, Brei oder Zusatz enthält", empfiehlt Restemeyer. Die Fertigbreie sollten zudem keine Milch und Milchprodukte enthalten. "Denn das Calcium aus der Milch bindet sich an Eisen. Dadurch wird es für den Körper schlechter verwertbar."

Sowohl die DGE als auch das FKE empfiehlt Eltern, eine Ernährungsumstellung mit dem Kinderarzt zu besprechen. Dieser kann, wenn er es für notwendig hält, den jeweiligen Vitamin- und Nährstoffstatus im Blut überprüfen.

Vegan? Nur mit Nahrungsergänzungsmitteln

Anders sieht die Lage bei einer veganen Ernährung aus. Denn es gilt: Je mehr Nahrungsmittel weggelassen werden, desto eher droht ein Mangel. "Verzichten Kinder auf alle tierischen Lebensmittel wie Milch, Eier oder Honig, steigt das Risiko für einen Nährstoffmangel wegen ihres starken Wachstums und dem geringen Nährstoffspeicher erheblich", warnt Restemeyer. "Eine rein pflanzliche Ernährung kann nicht durch andere Lebensmittel ausgeglichen werden, es müssen Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden."

Ansonsten sei die Entwicklung und Gesundheit des Kindes gefährdet, zum Beispiel durch Störungen der Blutbildung, Wachstumsverzögerungen oder sogar bleibende neurologische Schäden. Die DGE hält eine vegane Ernährung daher im gesamten Kindesalter für ungeeignet. Auch das FKE sieht eine vegane Ernährung für Kinder kritisch. "Wenn man alle fehlenden Nährstoffe durch Tabletten oder Säfte ersetzt, mag es klappen. Ich empfehle aber allen Familien, die sich vegan ernähren wollen, unbedingt den Kinderarzt zu Rate zu ziehen", sagt Kersting. Ganz wichtig sei es auch, weder die Eltern noch das Kind wegen ihrer Ernährungsweise zu verurteilen. Viel besser sei es, Verständnis zu zeigen und Eltern wie Kindern die Informationen, die sie brauchen, an die Hand zu geben.

Empfehlungen und Fachinformationen des FKE und der DGE gibt es in der Linkliste auf aponet.de.

Natascha Koch

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