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Ein Sturzprophylaxe-Kurs hilft Senioren.

Ein Sturzprophylaxe-Kurs hilft Senioren, sicherer und achtsamer durch den Alltag zu gehen.
© contrastwerkstatt - Fotolia

Standfest auch im Alter

Regelmäßige Übungen helfen Senioren, Stürze zu vermeiden. Die Neue Apotheken Illustrierte besuchte einen Sturzprophylaxe-Kurs in Hamburg.

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Edgar Mayerhofer (76) balanciert über eine Bahn aus weichen Kissen-Pads. Seiner gesunden Gesichtsfarbe nach strengt er sich an. Trotzdem hat er noch genug Energie, seine Trainingskollegin Marion Morgen (66) anzugrinsen. Als sich beide später, genau wie die anderen 13 Teilnehmer, in den Hüften wiegen und die Gelenke Geräusche von sich geben, scherzen sie. "Wir sind noch ganz schön knackig, was?" Kollektives Gelächter!

Trotz der guten Laune: Ganz aus Jux und Tollerei nimmt hier keiner an dem Kurs zur Sturzprophylaxe teil. Denn Stürze haben schon fast alle Kursteilnehmer erlebt. Den ein oder anderen Knochenbruch auch. Zwischen 66 und 92 Jahre sind sie alt und trainieren neben Muskelaufbau und Gleichgewichtssinn auch ihre Koordinations- und Reaktionsfähigkeit. Manchen Leuten ist es unangenehm, zuzugeben, dass sie nicht mehr so sicher stehen und gehen wie früher.

Marion Morgen ist da anders: "Ich hatte schon immer einen Hang zu stolpern", gibt sie freimütig zu. "Und als ich neulich wieder über einen unebenen Bürgersteig gestolpert und hingefallen bin, dachte ich: Jetzt reicht's!" Im Lokalblatt entdeckte sie die Anzeige zum 8-Wochen-Kurs zur Sturzprophylaxe des SC Alstertal-Langenhorn in Hamburg und meldete sich an. Seit vier Wochen ist sie dabei und hat das Gefühl, bereits sicherer und achtsamer durch den Alltag zu gehen.

So empfindet es auch Gerda Ladwig (80). "Ich habe jahrelang Handball gespielt und trainiere regelmäßig im Fitnessverein. Doch seit ich zwei künstliche Kniegelenke habe, brauche ich einen Gehstock. Der Kurs hilft mir hoffentlich, so lange wie möglich selbstständig zu bleiben." Jeden Donnerstag ab 15 Uhr wird trainiert. "Wenn ihr einen Sturz vermeiden möchtet, dann hilft nur üben, üben, üben", ruft Jürgen Mems den betagten Damen und Herren zu.

Er ist Sportpädagoge und ausgebildeter Übungsleiter für Seniorengymnastik. Jede Trainingseinheit besteht aus einer Aufwärmphase und verschiedenen Übungen zur Verbesserung der Kraft, des Gleichgewichts und der Bewegungssicherheit. Auch die 92-jährige Ingeborg Kähler schafft es, mitzuhalten. Sie geht um eng gestellte Kegelhüte, balanciert Bälle in der Hand oder nimmt verschiedene Standpositionen um einen Hula-Hoop-Reifen ein, während sie Gedächtnisübungen löst. Sie ist von der Wirkung des Trainings überzeugt. Das Training, so sagt sie, macht sie beweglicher − geistig und körperlich. "Sonst würde ich ja immer bloß rumsitzen."

Mems weiß: "Stimmt die Reaktionsfähigkeit und die Koordination unterhalb der Hüfte, kann man einen Sturz leichter mit den Beinen auffangen." Und das ist wichtig. Denn nicht immer gehen Stürze im Alltag gut aus. Nach Expertenmeinung werden jährlich rund 100 000 Oberschenkelhalsbrüche in Deutschland gezählt. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind es rund ein Drittel der Menschen, die mindestens einmal pro Jahr stürzen, und bei den über 80-Jährigen stürzt bereits jeder Zweite einmal im Jahr.

Es gibt viele Gründe, warum alte Menschen stürzen. Manchen wird plötzlich schwindelig, andere sehen schlecht oder sind schwach auf den Beinen. Wieder andere stolpern über eine Teppichkante. Selbst wenn nichts weiter passiert: Plötzlich auf dem Boden zu liegen, ist für viele ältere Menschen ein schlimmes Erlebnis. Viele haben dann Angst, erneut hinzufallen, und bewegen sich deshalb weniger. Dadurch aber bilden sich Muskeln zurück, die Kraft lässt nach, und die gesamte Konstitution wird immer schlechter. "Ich habe Senioren erlebt, die kaum noch selbstständig vom Stuhl aufstehen konnten und durch das Training wieder beweglicher geworden sind", berichtet Mems.

"Ich fühle mich gar nicht wohl, wenn ich mal nicht mitmachen kann«, bestätigt auch Edgar Mayerhofer. Er hat Anfang 2015 einen Schlaganfall erlitten und seitdem an Standsicherheit verloren. "Ich will wieder in meine alte Form kommen. Dafür muss ich auch etwas tun", fährt er fort, während er ein Bein seitlich in die Luft streckt und mit geschlossenen Augen kreisen lässt. Sitzt, passt und wackelt nicht! Mems ist zufrieden.

Narimaan Nikbakht

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