Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2016 1. Mai Keine Scheu mehr vor Computern, Tablets und Smartphones

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Unter älteren Surfern suchen 73 Prozent Informationen zu Gesundheitsthemen.

Unter älteren Surfern suchen 73 Prozent Informationen zu Gesundheitsthemen.
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Keine Scheu mehr vor Computern, Tablets und Smartphones

E-Mails schreiben, Fotos verschicken, Ärzte und Apotheken in der Nähe finden: Am Internet kommt heute kaum noch jemand vorbei. Für viele Senioren gehört mittlerweile nicht nur der Computer, sondern auch das Smartphone zum Alltag. In Internetcafés können sie ihre Kenntnisse vertiefen – ganz in ihrem eigenen Tempo.

Ihr Smartphone will Irmgard Schmidt längst nicht mehr missen. Die 71-Jährige kommt gut damit zurecht, nur eine Sache stört sie: "Wenn ich unterwegs bin, dann höre ich die Anrufe nicht."

Das Problem kennt auch Margit Weber*, die heute im Internetcafé "Anschluss" in Frankfurt am Main ihre Tutorin ist. Die Seniorin erkennt sofort, um welches Handy-Modell es sich handelt, wischt geschickt über den Bildschirm und erklärt ihrer Schülerin, wo die Lautstärke geändert wird. Gemeinsam suchen sie noch einen Klingelton aus, der besser zu hören ist und stellen eine zusätzliche Vibration ein. "Erste Baustelle beendet", sagt Weber zufrieden.

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Beliebt: Smartphone- und Tablet-Kurse

Das Café "Anschluss" für Senioren gibt es seit 1999. Seitdem hat sich hier einiges geändert: "Damals war die Idee ganz neu und die Nachfrage so groß, dass wir bald in neue Räumlichkeiten umziehen mussten, weil der Platz einfach nicht mehr ausgereicht hat", sagt Helge Wisotzki, der gemeinsam mit Christine Fischer das Internetcafé leitet. Mittlerweile gibt es zwei Kursräume und einen großen Gemeinschaftssaal mit Surfstationen.

Das Angebot reicht von Grundlagenkursen für Betriebssysteme über Suchmaschinen und Sicherheit im Internet bis hin zu Fotobearbeitung und dem Digitalisieren von Dias. Besonders beliebt seien derzeit die Smartphone- und Tablet-Kurse. "Die meisten Senioren bekommen die Geräte von ihren Kindern geschenkt", sagt Wisotzki. Für das Einrichten oder Erklärungen fehle dann aber häufig die Zeit.

Oft sei es auch einfacher, wenn die Erklärungen von einem Gleichaltrigen kämen. "Die haben mehr Verständnis für die Fragen und Probleme, und sie haben immer gute Tipps für Apps auf Lager", weiß Wisotzki. Welche bei ­Senioren besonders beliebt ist? "Es gibt eine App, die öffentliche Toiletten in der Nähe anzeigt."

Jeder Zweite ab 65 ist online

Auch für Computer-Neulinge ist gesorgt. Für sie gibt es einen Starterkurs, bei dem sie den Umgang mit Maus, Tastatur und die ersten Schritte am Computer lernen. "Senioren, die mit dem Computer gar nichts anfangen können, gibt es mittlerweile aber immer weniger", sagt Wisotzki. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen sogar: Im Jahr 2015 nutzte fast jeder zweite Deutsche ab 65 Jahre das Internet für private Zwecke. In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen waren es sogar 90 Prozent.

Neben dem Senden oder Empfangen von E-Mails (90 Prozent) suchen die älteren Surfer hauptsächlich nach Informationen über Waren und Dienstleistungen (85 Prozent) sowie zu Gesundheitsthemen (73 Prozent) und lesen Online-Nachrichten (67 Prozent). Mobil unterwegs waren 2015 immerhin knapp 40 Prozent der über 65-Jährigen. Das deckt sich mit Wisotzkis Erfahrungen. "Die meisten Senioren wollen Informationen finden oder per E-Mail und Skype Kontakt mit den Enkeln halten, die weiter weg leben", sagt er.

Hilfe zur Selbsthilfe

Und E-Mails schreibt auch Irmgard Schmidt, die neben dem Smartphone ihren Laptop mit ins Internetcafé gebracht hat. Sie gestaltet für Freunde und Bekannte zu Geburtstagen gern persönliche Glückwünsche, die sie als Foto verschicken möchte. Wie sie einen solchen Anhang per E-Mail sendet, weiß die Seniorin bereits. Aber: "Der Anhang darf nicht zu groß sein, sonst kommt die E-Mail unter Umständen nicht beim Empfänger an", weiß Tutorin Weber. Sie zeigt ihrer Schülerin, woran sie die Größe eines Fotos erkennt und gibt Tipps zum Verkleinern.

"Manchmal kommen auch sehr spezielle Fragen, die ich auf Anhieb nicht beantworten kann. Dann suchen wir gemeinsam im Internet nach einer Lösung, zum Beispiel in Foren. So lernen die Teilnehmer auch gleich, wie sie sich in Zukunft selbst helfen können", sagt Weber, die mittlerweile schon seit 13 Jahren ehrenamtlich im Internetcafé als Tutorin arbeitet. Sie hat sich ihr Wissen rund um Computer, Internet und Smartphone selbst beigebracht. "Mir macht es einfach Freude, anderen bei diesen Dingen zu helfen. In meinem Bekanntenkreis werde ich auch immer als Erste gefragt, wenn es PC-Probleme gibt."

Nach ihrer Unterrichtsstunde ist Irmgard Schmidt zufrieden. Sie kommt bestimmt wieder: Als nächstes möchte sie lernen, wie Online-Banking funktioniert.

Natascha Koch

*Name von der Redaktion geändert

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