Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2016 1. Juni Junge Familie: Achtung, giftig!

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Lesen Sie, wie man im Vergiftungsnotfall handelt und wo Gefahren lauern.

Putzmittel können bei Kindern schwere Vergiftungen auslösen, daher sollten sie außer Reichweite aufbewahrt werden.
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Junge Familie: Achtung, giftig!

Viele Unfälle von Kindern zu Hause gehen auf Vergiftungen zurück. Lesen Sie, wie man im Notfall handelt und welche Gefahrstoffe kindersicher zu verstauen sind.

Das sollte man sicher verstauen oder aus Haus und Garten fernhalten: (Kopie 1)

● Arzneimittel, die in fast der Hälfte aller Fälle die Ursache für behandlungsbedürftige Vergiftungen bei Kindern sind

● Haushaltsmittel wie Rohrreiniger, Schädlingsbekämpfungsmittel oder Spülmittel, ätherische Öle, Batterien, Farben, flüssige Grillanzünder, Lampenöle oder Nagellackentferner

● Tabakprodukte und Nikotinkaugummis, da Nikotin gerade auch für Kleinkinder sehr giftig ist

● alkoholische Getränke sowie Rasierwasser, Parfum oder Mundwasser, die mitunter viel Alkohol enthalten

● giftige Zimmerpflanzen wie die Dieffenbachie, Alpenveilchen oder Weihnachtsstern

● giftige Garten- und Wiesenpflanzen wie Aaronstab, Eibe, Blauer und Gelber Eisenhut, Engelstrompete, Fingerhut, Gemeiner Efeu, Goldregen, Herbstzeitlose, Lorbeerkirsche, Maiglöckchen, Riesen-Bärenklau, Scheinakazie, Tollkirsche oder Zaunrübe

Hat Ihr Kind Giftiges verschluckt, gilt es, die Nerven zu behalten. Bei schweren Vergiftungssymptomen müssen Sie sofort den Rettungsdienst anrufen (Telefon: 112). Bei leichten Symptomen oder bei Verdacht auf eine Vergiftung sollten Sie die nächste Giftnotrufzentrale kontaktieren. Je genauer Sie wissen, womit sich das Kind vergiftet hat, desto besser. Die Erste-Hilfe-Maßnahmen richten sich nämlich stark danach, welche Substanz das Kind geschluckt hat. Befolgen Sie daher unbedingt die Anweisungen des Rettungsdienstes oder der Giftnotrufzentrale.

Erbrechen: Giftnotrufzentralen warnen davor, Kinder bei Vergiftungen zum Erbrechen zu zwingen. Gefährliche Substanzen können dabei in die Atemwege gelangen und dort mitunter größeren Schaden anrichten als im Magen.

Nachtrinken: Substanzen, die nicht erbrochen werden dürfen, sollten verdünnt werden. Geben Sie dem Kind Tee oder stilles Wasser zu trinken, das Gift wird dadurch von den Schleimhäuten des Rachens gespült und verdünnt. Vermeiden Sie Milch, da sie in vielen Fällen die Aufnahme des Giftes durch den Darm beschleunigt. Nicht nachtrinken sollte das Kind, falls es schaumbildende Substanzen wie Wasch- oder Spülmittel geschluckt hat.

Medizinkohle: Sie bindet das Gift, das zusammen mit der Kohle nach drei bis vier Stunden ausgeschieden wird. Als Richtschnur gelten 1 Gramm Kohle pro Kilogramm Körpergewicht. Kohletabletten werden zerdrückt und in Wasser aufgeschwemmt, Kohlegranulat mit Wasser verdünnt und geschüttelt. Bei Säure- oder Laugenvergiftungen ist von Medizinkohle jedoch abzuraten.

Atemwege: Wurde Gift eingeatmet, schnell für frische Luft sorgen und das Kind ins Freie bringen.

Hautkontakt: Entfernen Sie alle Kleidungsstücke und spülen Sie die Haut mindestens zehn Minuten mit fließendem Wasser ab. So lange mit Wasser spülen müssen Sie auch, wenn die giftige Substanz in die Augen geraten ist.

Alle Notruf-Nummern stehen in der Linkliste zu diesem Heft unter www.aponet.de/linkliste/2016/6a. Für den Notruf sollten Sie genau beschreiben, was das Kind zu sich genommen hat. Nehmen Sie außerdem Reste davon oder die zugehörige Verpackung mit zum Arzt oder ins Krankenhaus, damit schnell geholfen werden kann.

Natascha Koch

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