Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2016 1. September 2016 Bei Meningitis-Verdacht sofort zum Arzt

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Eine rasche ärztliche Diagnose kann bei Meningitis lebensrettend sein.

Eine Infektion mit Meningokokken kann schon innerhalb von 24 Stunden lebensbedrohlich werden.
© BeTa-Artworks - Fotolia

Bei Meningitis-Verdacht sofort zum Arzt

Als der vierjährige Leon Fieber bekam und sich übergeben musste, dachten seine Eltern zunächst an einen harmlosen Infekt. Zum Glück kam es seiner Mutter komisch vor, wie schnell Leon weiter abbaute. Sie suchte noch am Wochenende den kinderärztlichen Notdienst auf.

Leons Mutter hatte mit dem Gang zum ärztlichen Notdienst ein kluge Entscheidung getroffen, denn der Junge war an einer Hirnhautentzündung erkrankt, auch Meningitis genannt. Bei diesem akut gefährlichen Geschehen muss so schnell wie möglich medizinisch gehandelt werden. Unter der Hirnhaut verstehen Mediziner die Bindegewebsschicht, die das Gehirn umgibt. Sowohl Viren als auch Bakterien können sie befallen und dann eine Entzüngung verursachen.

Besonders aus bakteriell bedingten Entzündungen können sich binnen Stunden lebensgefährliche Situationen entwickeln. Bei Leon hatten Bakterien die Hirnhäute befallen. Der richtigen Reaktion der Ärzte und dem Schicksal hat er zu verdanken, dass er wieder ganz gesund geworden ist.

Unter den Bakterien zählen Haemophilus influenzae Typ b, Meningokokken und Pneumokokken zu den häufigen Erregern einer Hirnhautentzündung. Zu den Viren, die die Hirnhäute angreifen, gehören Herpes-, Windpocken-, Mumps- und Masernviren sowie das durch Zecken übertragene FSME-Virus.

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Bei den Kleinsten andere Symptome

Das Krankheitsgeschehen äußert sich bei Kindern und Erwachsenen mit Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erbrechen, Lichtscheu und der sogenannten Nackensteifigkeit. Dann kann das Kind seinen Kopf nicht mehr nach unten beugen. Allerdings weichen die Symptome bei Säuglingen oft ab: Sie bekommen eher Bauchschmerzen, essen nicht mehr, lassen sich nur ungern berühren. Krampfanfälle sind möglich, und die bei den Kleinsten noch offene Schädelstelle, die Fontanelle, kann sich nach oben wölben.

Nicht selbst behandeln!

Es ist entscheidend, bei jedem noch so geringen Verdacht auf eine Hirnhautentzündung einen Kinderarzt beziehungsweise an Wochenenden den kinderärztlichen Notdienst aufzusuchen. Auch wer bei anderen Krankheiten des Kindes auf Homöopathika schwört: Bei Hirnhautentzündung und Verdacht darauf bringt Therapieren auf eigene Faust das eigene Kind in Lebensgefahr!

Mit einer sogenannten Lumbalpunktion kann der Arzt eine Hirnhautentzündung sicher nachweisen. Dabei zieht er Nervenwasser aus einem Wirbelkanal. Handelt es sich um eine von Viren ausgelöste Entzündung, gibt es keine Medikamente dagegen, aber im Krankenhaus steht alles zur Verfügung, um die Genesung des Kindes zu unterstützen. Bei einer bakteriellen Ursache kommen Antibiotika zum Einsatz. Je nach Verlauf werden noch weitere Maßnahmen nötig.

Impfungen bieten Schutz

Gegen die Haupterreger von Hirnhautentzündungen gibt es Impfungen. So empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen die gefährlichen C-Meningokokken im zweiten Lebensjahr. Verpassen Eltern die Impfung in diesem Alter, kann sie jederzeit nachgeholt werden. Da bei Säuglingen und Kleinkindern die Pneumokokken zu den häufigsten Erregern zählen, empfiehlt die STIKO, auch gegen diese Bakterien impfen zu lassen, und zwar ab dem zweiten Lebensmonat.

Jugendliche mit einer Grunderkrankung wie einer chronischen Herz- und Lungenerkrankung oder Diabetes brauchen diesen Schutz ebenfalls. Genauso wie Frühgeborene, Kinder mit geringem Geburtsgewicht, mit Gedeihstörungen oder neurologischen Erkrankungen. Seit Ende 2013 existiert ein weiterer Meningokokken-Impfstoff, und zwar gegen Erreger der Gruppe B. Allerdings erstatten ihn nur wenige Krankenkassen, weil noch nicht ausreichend Erfahrungen für eine offizielle Empfehlung vorliegen.

Apothekerin Isabel Weinert

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