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Ärztin hält Herzschrittmacher hoch.

Bei der Herzinsuffizienz können auch Herzschrittmacher helfen.
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Herzschwäche: Therapien der Zukunft

Die Herzschwäche ist der Hauptgrund für Klinikeinweisungen in Deutschland. Weltweit suchen Forscher nach neuen Wegen, um diese gefährliche Erkrankung zu behandeln.

"Die Herzschwäche stellt eine zunehmende Herausforderung für die Menschen im 21. Jahrhundert dar." Mit diesem Satz begann Professor Dr. Norbert Frey, Kardiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, einen viel beachteten Vortrag auf einem Pharmazeutenkongress. Unsere Gesellschaft altert. Und mit den Lebensjahren steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Herzschwäche zu bekommen. Frey: "So beträgt das Risiko, eine Herzschwäche zu erleiden, für jemanden, der 80 Jahre alt wird, 20 Prozent."

Gefährlicher als manche Krebsarten

Die Herzschwäche ist eine ernste Krankheit, die im fortgeschrittenen Stadium zu erheblichen Beschwerden führt. Sie schränkt den Alltag der Betroffenen stark ein und bedroht mitunter sogar ihr Leben. Allein 2009 wurden in Deutschland über 363.000 Patienten mit einer Herzschwäche in ein Krankenhaus eingeliefert. Rund 49.000 starben daran. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten beträgt fünf Jahre. Weniger als bei mancher Krebserkrankung.

Bislang greifen Mediziner auf verschiedene Medikamente zurück, um eine Herzschwäche zu behandeln. Hierzu zählen klassische "Herzmittel" wie ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor- und Betablocker. "Sie verbessern nicht nur die Symptome. Die Patienten leben auch länger", erklärt Frey.

Medikamente und Ministromstöße

Kardiologen setzen nicht nur auf Medikamente. Nach den Ausführungen Freys spielen hochmoderne Schrittmacher in der Praxis eine immer wichtigere Rolle. Viele kennen diese Geräte von der Behandlung von Herzrhythmusstörungen. Herzspezialisten setzen die Schrittmacher in den Körper ein und verbinden sie mit dem Herzen. Ministromstöße sorgen dafür, dass die Herzkraft wieder zunimmt.

Normalerweise geschieht dies nur auf der rechten Herzseite. Ein neues Gerät stimuliert zusätzlich die linke Hälfte. Mit großem Erfolg. Herzexperte Frey: "Dass dies funktioniert, hat uns alle zunächst überrascht. Schlagen beide Herzhälften dank des Schrittmachers wieder synchron, pumpt das Herz wieder mehr Blut in den Körper. Die Herzschwäche nimmt ab."

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Hoffnung Gentherapie

Aktuell beschäftigt sich ein Forscherteam um Frey mit den Möglichkeiten der Gentherapie, um die Herzschwäche zu behandeln. "In den nächsten Jahren wird sie an Bedeutung gewinnen", glaubt der Experte. Forscher wissen, dass kleinste Abschnitte auf den Erbanlagen Vorgänge im Körper steuern, so auch am Herzen. Eine Möglichkeit: diese Erbanlagen zu verändern. "Das ist aber noch Zukunftsmusik."

Andere Optionen: Medikamente einsetzen, die Erbanlagen blockieren, die für eine Herzschwäche sorgen. Oder Arzneimittel zu verwenden, die die Wirkung von Genteilen nachahmen, die gut für ein schwaches Herz sind. Frey: "Im Tierversuch hat dies bei Mäusen bereits geklappt."

Vermeintlich banales Eisen

Zwei weitere Ansätze verfolgen die Forscher ebenfalls. Einige Herzschwäche-
Patienten erhalten seit Kurzem Eisenpräparate. "Das klingt zunächst banal", gab Frey zu. "Die Patienten profitieren aber." So verlängert sich zum Beispiel die Gehstrecke, die sie zurücklegen können, bevor sie unter Luftnot leiden. Frey sieht darin ein "sehr vielversprechendes Therapieprinzip". Ein neuer Wirkstoff aus der Gruppe der sogenannten Myosin-Aktivatoren erhöht das Schlagvolumen des Herzens. Hier fehlen laut Frey aber noch die Ergebnisse einer großen Studie, die zurzeit läuft.

Bei aller Forschung: Manchmal sorgen bereits einfache Dinge dafür, die Beschwerden einer Herzschwäche zu bessern. Mangelnde Aufmerksamkeit für die Symptome der chronischen Herzschwäche zählt laut der Deutschen Herzstiftung zu den Gründen für die hohe Sterblichkeit dieser Erkrankung. Viele Patienten neigen dazu, krankheitstypische Anzeichen wie Atemnot, Leistungsschwäche und Wassereinlagerungen nicht wahrzunehmen oder auf das Alter zu schieben.

Herztagebuch hilft Patienten

"Engagierte Mitarbeit des Patienten ist bei der chronischen Herzschwäche besonders wichtig. Betroffene sollten deshalb ihre Beschwerden laufend beobachten und ihr Körpergewicht täglich kontrollieren", rät der Herzspezialist Professor Dr. Andreas M. Zeiher. Das Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung empfiehlt zum Beispiel ein handliches Herztagebuch. Darin lassen sich täglich Werte zu Körpergewicht, Blutdruck und Puls eintragen sowie der Verlauf der Beschwerden dokumentieren.

Zeiher: "Diese Informationen besprechen die Patienten dann zeitnah mit dem Arzt. Auf diese Weise lassen sich eventuelle Wassereinlagerungen frühzeitig erkennen, die auf eine Verschlechterung der Herzschwäche hindeuten können und ein rechtzeitiges Gegensteuern erfordern."

Peter Erik Felzer

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