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Senioren bei einer Pause auf ihrer Radtour

Um die Gelenke gesund zu erhalten, eignet sich Fahrradfahren hervorragend.
© Techniker Krankenkasse

Gelenkschmerzen: immer in Bewegung bleiben

Bei Schmerzen in Gelenken oder der Wirbelsäule riet der Arzt früher, die betreffende Körperregion zu schonen. Heute lautet das Motto: Bewegung hilft – sofern sie vernünftig dosiert ist.

Lange Zeit versuchte Sonja T., ihrem Knieschmerz nicht allzu viel Bedeutung beizumessen. Doch das anfängliche Zwicken entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer schmerzhaften Behinderung, die sich immer weniger ignorieren ließ. Der stechende Schmerz bei schnellen Dreh- oder Stoppbewegungen machte es ihr unmöglich, weiter ihrem geliebten Sport, dem Volleyball, nachzugehen. Ihr blieb nur der Gang zum Hausarzt, der sie weiter zu dem Orthopäden Dr. Hermann Schwarz in Freudenstadt überwies.

Nach eingehender Untersuchung lautete dessen Diagnose: "Arthrose in beiden Kniegelenken." Dr. Schwarz erklärte Sonja T., dass es sich bei einer Arthrose um eine Erkrankung des Gelenkknorpels handelt. "Dabei kommen zwei Dinge zusammen: zum einen der Verschleiß, der sich im Laufe der Jahrzehnte einstellt, und zum anderen Entzündungsprozesse, die dem Knorpelgewebe im Gelenkspalt weiter zusetzen."

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Umdenken in der Orthopädie

"Darf ich jetzt gar keinen Sport mehr treiben?", fragte Sonja T. ängstlich. Der Orthopäde konnte sie beruhigen. "Sie sollen sich sogar möglichst viel bewegen, aber mit Bedacht. Und weil Sie im Moment akute Schmerzen haben, müssen wir da zunächst besonders vorsichtig sein."

In dieser Hinsicht hat bei Orthopäden, aber auch bei Rheumaärzten ein Umdenken stattgefunden. Früher lautete die erste Empfehlung, das Gelenk oder die Wirbelsäule möglichst ruhig zu stellen. Heute weiß man es besser. "Sport und Bewegung können auf verschiedenen Ebenen den Arthroseprozess positiv beeinflussen", sagt der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Professor Dr. med. Wolfgang Rüther. Allerdings, schränkt der Orthopäde ein, sollte der Patient dabei extreme Belastungen vermeiden.

Bewegen ist Massage für den Knorpel

Der Grund dieser veränderten Sichtweise liegt in neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Funktionsweise des Knorpels. Rüther: "Der Knorpel besitzt keine Blutgefäße. Die Knorpelzellen werden über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Bei Bewegung werden die Nährstoffe quasi in den Knorpel einmassiert." Werden das Gelenk oder die Wirbelsäule zu wenig aktiviert, bekommen die Knorpelzellen nicht ausreichend Nährstoffe und sterben im schlimmsten Fall sogar ab.

Was bei Gelenkschmerzen hilft

Neben den gängigen Schmerzmedikamenten, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Diclofenac, Naproxen oder Ibuprofen, gibt es auch den Versuch, den Gelenkknorpel in seiner Funktionsweise positiv zu beeinflussen. Dafür steht etwa Hyaluronsäure zur Verfügung, die direkt ins Gelenk gespritzt wird und für eine bessere Schmierung sorgt. Das kann den Schmerz lindern. Dafür muss der Schmerz allerdings wirklich im Gelenk lokalisiert sein. Liegt die Schmerzursache bei den Bändern und Sehnen um das Gelenk herum, hilft eine solche Maßnahme nicht. Präparate mit Glucosamin- oder Chondroitinsulfat unterstützen die Versorgung des Knorpelgewebes.

Um aber ein stark schmerzendes Gelenk wieder bewegen zu können, sind Schmerzmedikamente vonnöten. Um akute Entzündungen zu lindern, eignen sich schmerzlindernde Arzneistoffe, die auch antientzündlich wirken. Das sind beispielsweise Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac. Auch Spritzen mit Kortison beziehungsweise Kortikoiden können entzündlich bedingte Gelenkbeschwerden deutlich lindern. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um sich wieder bewegen zu können und um die Gelenke damit zu stabilisieren.

Schonhaltungen vermeiden

Sonja T. bekommt von ihrem Arzt neben Schmerzmitteln Physiotherapie verschrieben. Denn Patienten mit schmerzenden Kniegelenken neigen zu einer Schonhaltung. Diese unnatürliche Haltung belastet jedoch andere Gelenke, Sehnen und Bänder rund um das betroffene Knie. Und die antworten dann ebenfalls mit Schmerzen. Ein Physiotherapeut achtet auf solche Fehlbelastungen, unterstützt ausbalancierte Bewegungen und sorgt mit entsprechenden Übungen für einen Muskelaufbau, der das Knie stabilisiert.

Orthopäde Rüther weiß: "Vor allem bei raschen Bewegungen braucht jedes Gelenk eine sichere Führung durch die Muskulatur." Ist die Muskelsteuerung des Gelenkes mit ihrer feinen Abstimmung der verschiedenen Muskelgruppen gestört, gerät das Gelenk bei Bewegung "ins Schlingern". Das schädigt den Knorpel zusätzlich.

Sanfter Sport schmiert die Gelenke

Die Deutsche Rheuma-Liga empfiehlt möglichst sanfte Sport- und Bewegungsprogramme. Dies richtet sich an alle Menschen mit Gelenk- oder Wirbelsäulenerkrankungen. Denn auch die Bandscheiben, die Puffer in der Wirbelsäule, bestehen aus Knorpelgewebe.

Test zum Kniegelenk-Verschleiß

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Besonders wichtig ist regelmäßige Bewegung. Als gelenkschonend gilt zum Beispiel Schwimmen. Es fördert den Muskelaufbau, steigert generell das Leistungsvermögen, bessert die Beweglichkeit und fördert das Wohlbefinden. Dabei sollte das Wasser nicht zu kalt sein.

Ebenso empfehlen die Fachleute Radfahren, weil es eine achsengerechte Bewegung ermöglicht, die Gelenke entlastet und das Herz-Kreislauf-System stärkt. Mountainbiking führt dagegen oft zu erheblichen Erschütterungen und mutet Wirbelsäule sowie Gelenken zu viel zu.

Im Gegensatz zum Jogging ist das ruhigere Wandern, eventuell in Form des Nordic Walking, gut bei Verschleißerkrankungen wie Arthrose. Die sanfte, gleichmäßige Aktivität unterstützt sowohl Hüft- als auch Kniegelenke, trainiert die Beinmuskulatur und hilft speziell Menschen mit Rückenschmerzen, Osteoporose oder Fibromyalgie.

Tanzen eignet sich ebenfalls sehr gut. Die Musik sorgt nicht nur für positive Stimmung, die tänzerische Bewegung verfeinert auch das Gefühl für den eigenen Körper und unterstützt eine sichere Balance.

Entspannen heißt nicht "nichts tun"

Die Rheuma-Liga sieht ebenfalls Entspannungsübungen als sinnvoll an. Qigong und Yoga helfen beispielsweise mit ihren Atem- und Bewegungsübungen, innere Ruhe und Entspannung zu finden. Eine aufrechte Körperhaltung wirkt falschen Gelenkstellungen entgegen. Und eine bewusste Atmung vermittelt nicht nur zwischen Körper und Geist, sondern kann außerdem Schmerzen lindern.

Sonja T. bemüht sich zunächst einmal, das akute Schmerzgeschehen durch Arzneimittel in den Griff zu bekommen. Nachdem der Schmerz auf ein erträgliches Niveau gesunken ist, macht sie Wassergymnastik und geht zum Physiotherapeuten. Mit ihm trainiert sie eine ausgewogene Belastung der Kniegelenke. Hilfreich war für sie auch eine Massage der Sehnenansätze.

Zu ihrem geliebten Volleyball ging sie weiterhin – als Zuschauerin. Erst nach vielen Wochen Aufbautraining traute sie sich, in Abstimmung mit ihrem Orthopäden, selbst wieder mitzuspielen. "Versuchen Sie, eine sanfte Spielart zu entwickeln, mit weniger harten Stopps und Drehungen", rät ihr Dr. Schwarz. "Ich werde mein Bestes tun", verspricht sie ihm.

Reimund Freye

Sport macht kranke Herzen stärker

Sport hat nicht nur bei Gelenkbeschwerden viele Vorteile, er nützt auch Herz und Kreislauf. Er kann beispielsweise dazu beitragen, dass Herz-Kreislauf-Krankheiten gar nicht erst entstehen. Aber auch bei schon vorhandenem Bluthochdruck lässt sich dieser mit moderatem Sport senken, so eine Empfehlung der Deutschen Herzstiftung. Ebenso kann Sport bei einer Erkrankung der Blutgefäße des Herzens das Herzinfarktrisiko deutlich mindern. Hier sollte aber unbedingt eine Sportart mit ruhiger, gleichmäßiger Bewegung gewählt werden. Selbst nach einem Herzinfarkt sorgt Sport für längeres Überleben. Dann ist der Patient am besten in einer Herzsportgruppe aufgehoben, in welcher die Übungen unter fachlicher Aufsicht durchgeführt werden.

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