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Ältere Frau am Ufer eines Sees

Wer unter Inkontinenz leidet, muss nicht zuhause bleiben.
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Trotz Blasenschwäche nach draußen

Mancher bleibt verschämt zu Hause, nachdem er zum ersten Mal von einer Harninkontinenz überrascht wurde. Schließlich möchte man nicht, dass einem "das" noch einmal passiert. Doch für solch unfreiwillige Häuslichkeit gibt es keinen Grund.

"Das muss ja nicht jeder wissen", sagt Anita. Die 77-Jährige möchte nicht, dass ihr vollständiger Name in der Zeitung steht. Damit nicht die ganze Welt erfährt, dass sie manchmal "nicht dicht halten kann". Unfreiwilliger Harnabgang, fachsprachlich Harninkontinenz, ist bei ihr bereits vor vielen Jahren zum ersten Mal aufgetreten. Damals sei sie mit ihrem Auto durch ein Schlagloch gefahren. Zu den typischen Situationen, in denen ungewollt Urin abgeht, gehören auch Husten oder Niesen oder das Heben, zum Beispiel des Einkaufskorbes oder einer Getränkekiste.

Mediziner sprechen in diesem Fall von Belastungsinkontinenz. Früher nannte man diese Form auch Stressinkontinenz, obwohl sie nicht durch psychischen Stress ausgelöst wird. Sie ist die häufigste Inkontinenzform bei Jüngeren, vor allem Frauen.

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Damenbinden sind die falsche Wahl

Nach der besagten Autofahrt hatte Anita erst einmal ihren Vorrat an Damenbinden aufgebraucht und anschließend einen neuen angelegt, auch einen kleinen zum Wechseln in der Handtasche. Denn wegen so etwas zu Hause bleiben? "Kommt gar nicht in Frage!", sagt Anita. Aber irgendwann sei sie sich komisch vorgekommen, Binden zu kaufen. "Schließlich ist sogar meine Tochter längst in den Wechseljahren."

"Das kann sich doch jeder denken, warum eine mit fast 80 Jahren Monatsbinden kauft", sagte sie sich. Warum sie erst nach langer Zeit in ihrer Apotheke um Rat gefragt hat, versteht sie heute nicht mehr. "Ich dachte, vielleicht hört das von selbst wieder auf, wenn ich es einfach nicht beachte", meinte sie. Nachdem dies zunächst auch den Anschein hatte, stellte sich mit der Zeit jedoch das Gefühl ein, dauernd auf die Toilette zu müssen. Eine sogenannte Dranginkontinenz, die in höherem Alter und bei Männern vorherrschende Inkontinenzform.

Ignorieren hilft nicht

Fachleute raten davon ab, bei Inkontinenz Damenbinden zu verwenden. "Gute Inkontinenzeinlagen bestehen nicht wie diese aus Watte oder Vlies, sondern aus einem Material, das den Urin bindet", erläutert Apothekerin Ilona Löffler. Wie ein Granulat aus farblosen Gummibärchen sieht es aus, nachdem es mit Flüssigkeit in Kontakt gekommen ist. Zudem vermindert es die Geruchsentwicklung und hält die empfindliche Haut im Genitalbereich trockener.

Tipp für die "Kaffeefahrt"

Die Palette der Produkte, in denen es zum Einsatz kommt, reicht von der Größe einer dünnen Slipeinlage bis hin zu kompletten Windeln in verschiedenen Saugstärken. Die Entscheidung, was richtig ist, hängt davon ab, wie viel Urin auf einmal aufgenommen werden muss. "Und je nachdem, was man so vorhat", ergänzt die Apothekerin. Für die Tage zu Hause reichten häufig Vorlagen, wenn nicht so viel Urin auf einmal abgehe und man seine Toilette in der Nähe hat. Ein Wechsel der Vorlage sei in der vertrauten Umgebung meist kein Problem.

Wer nicht mehr so flink auf den Füßen ist, dem empfiehlt die Apothekerin spezielle Einmal-Unterhosen, in die die Einlagen fest eingearbeitet sind. Männer tolerieren Fertighosen eher als Einlagen, da diese sie nicht so an Hygieneprodukte für Frauen erinnern. "Ältere Menschen werden häufig hektisch, wenn sie merken, dass die Zeit für den Toilettengang knapp wird", erläutert Löffler. "Vorlagen, die in eine Unterhose eingelegt werden, landen dabei schnell mal in der Toilettenschüssel." Die Einmal-Unterhosen ließen sich wie gewohnt "rauf- und runterziehen" – ist alles gut gegangen, verwendet man sie einfach weiter. Wenn nicht, greift man zu einer neuen.

Spezielle Bademode

Allerdings ist das unterwegs nicht immer ganz einfach, weiß sie. Zwar lässt sich die gebrauchte Hose zum Wegwerfen an der Seite einfach aufreißen. Doch die neue muss man wie jede andere Hose anziehen. Und das geht nicht, ohne dass man Hose oder Strumpfhose dafür vorher auszieht. In einer engen Autobahntoilette für viele unmöglich. Löffler rät, vor Reiseantritt über die Einmalhose eine normale Unterhose zu ziehen – auch wenn das üblicherweise nicht empfohlen werde – und einen ausreichenden Vorrat an Einmal-Unterhosen und Einlagen mitzunehmen. Sei der Ernstfall eingetreten, könne man die Einmal-Unterhose wie gewohnt entsorgen und in die Unterhose eine Einlage legen. Das schaffe man auch an engen stillen Örtchen, haben ihr inzwischen etliche Kundinnen bestätigt. Stehen wieder ausreichend Raum und Zeit zur Verfügung, lässt sich in Ruhe eine frische Einmal-Unterhose anziehen.

Dass sie gelernt habe, mit anderen über das heikle Thema Inkontinenz zu sprechen, habe ihr ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben, berichtet Anita. Besonders die Tipps ihrer Apothekerin und der Erfahrungsaustausch mit betroffenen Freundinnen haben ihr in vielen Situationen geholfen. So hat sie auch von spezieller Bademode erfahren, bei der keine Ausscheidungen in das Wasser gelangen können. "Jetzt traue ich mich wieder ins Schwimmbad", freut sie sich. Vor allem in das Sole-Hallenbad in ihrer Nähe, das verschiedene Arten von Wassergymnastik anbietet. "Wie neu geboren fühle ich mich, seitdem ich daran wieder teilnehmen kann", erzählt sie. "Und ich glaube, meine Inkontinenz ist seitdem auch etwas besser geworden." Möglich ist das, denn Schwimmen stärkt die Muskulatur, auch die des Beckenbodens.

Apothekerin Maria Pues

Schwache Blase lässt sich manchmal überlisten

Experten raten Betroffenen, nicht sofort zur Toilette zu gehen, sobald sie Harndrang spüren. Sie empfehlen, die Abstände zwischen den Toilettengängen möglichst lange auszudehnen.

So gewöhnt sich die Blase an den höheren Druck und kann nach und nach mehr Urin aufnehmen. Unbedingt unterlassen sollten Betroffene die vorsorglichen Toilettengänge. Wird die Blase nämlich bereits bei geringem Druck entleert, verkleinert sie sich immer weiter und signalisiert schon bei minimalen Urinmengen starken Harndrang.

Weil das Einhalten des Urins anfangs sehr unangenehm sein kann, raten Experten dazu, sich bei Harndrang am besten hinzusetzen und zu warten, bis der Drang nachlässt. Erst danach sollten die Betroffenen die Toilette aufsuchen. Üben lässt sich das alles am besten in ruhiger Umgebung zu Hause. Wer dort den Harndrang aushält und die Toilettengänge hinauszögern kann, der wird wieder Herr seiner Blase und kann auch außer Haus wieder gelassener bleiben, wenn nicht an jeder Ecke ein WC ist.

Einen Tipp haben Experten für die Trainingsphase: Wird der Harndrang unangenehm stark, sollten sich die Betroffenen auf einen Stuhl setzen und den Oberkörper nach vorn beugen oder die Muskeln des Beckenbodens anspannen, bis der Harndrang nachlässt.

Flankierend zum Toilettentraining empfehlen Fachleute, den Beckenbode und damit den Schließmuskel, der die Harnröhre abdichtet, zu trainieren. Es lässt sich unter fachkundiger Anleitung leicht lernen. Fragen Sie Ihren Gynäkologen oder Urologen nach geeigneten Übungen.

PEF

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