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Fettstoffwechselstörungen: Was tun gegen zu hohe Blutfettwerte?
Ein erhöhter Cholesterin- und/oder erhöhter Triglyceridspiegel sind meist Folge von ungünstigen Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel.
In der täglichen
Praxis werden die primären
Fettstoffwechselstörungen in drei Gruppen unterteilt:
-
isolierte Hypercholesterinämie (LDL-Cholesterin
erhöht)
-
isolierte Hypertriglyceridämie (Triglyceride
erhöht)
-
kombinierte Hyperlipidämie (LDL-Cholesterin und
Triglyceride erhöht)
Bei der Bewertung
erhöhter Blutfettwerte muss auch das HDL-Cholesterin
miteinbezogen werden. Ist der HDL-Spiegel zu niedrig, kann dies
ein Risikofaktor sein. Von einem hohen Risiko ist auszugehen,
wenn das Verhältnis aus LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin über
4 bis 5 liegt. Sehr gut ist es, wenn das Verhältnis unter 3
liegt.
Die Behandlung
von Fettstoffwechselstörungen hängt davon ab, um welche Form es
sich handelt, wie der Schweregrad der Störung ist und welches
Gesamtrisiko der Patient hat. Bei allen drei Formen sind zunächst
eine Gewichtsnormalisierung und eine sogenannte lipidsenkende
Ernährung wichtig. Sollten sich die Blutfettwerte des Patienten
nach drei bis sechs Monaten nicht verbessern, werden Medikamente
parallel zur Ernährungstherapie eingesetzt. Nur bei einem sehr
hohen Blutfettspiegel und einem hohen Gesamtrisiko werden
Patienten von Beginn an mit Medikamenten behandelt .
Es spricht
allerdings nicht jeder Patient gleich gut auf eine
Ernährungsumstellung an. Das Ausmaß der Cholesterinsenkung im
Blut, die sich durch eine konsequente Ernährungsumstellung zu
einer fettarmen Ernährungsweise erreichen lässt, ist individuell
sehr unterschiedlich und beträgt im Durchschnitt zwischen 15 und
25 %. Die maximale Cholesterinsenkung zeigt sich nach einigen
Monaten fettarmer Ernährung. Für die meisten Patienten bedeuten
die Maßnahmen zur Ernährungsumstellung einschneidende
Veränderungen. Intensive Ernährungsberatung durch
Ernährungsfachkräfte und/oder den Arzt sind meist notwendig, um
eine dauerhafte Änderung der Ernährungsgewohnheiten zu
erreichen.
1. Hypercholesterinämie: Der Cholesterinspiegel ist zu
hoch
Eine LDL-Hypercholesterinämie liegt vor mit
leicht erhöhtem Risiko, wenn
-
Gesamtcholesterin 200 – 300 mg/dl
-
keine weiteren Risikofaktoren (z.B. koronare
Herzerkrankung, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Adipositas,
hoher Zigarettenkonsum) vorliegen
-
Triglyceride < 200 mg/dl
mäßig erhöhtem
Risiko, wenn
-
Gesamtcholesterin 200 – 300 mg/dl
-
Verhältnis LDL- zu HDL-Cholesterin > 3 oder ein
weiterer Risikofaktor vorliegt
-
Triglyceride < 200 mg/dl
hohem Risiko,
wenn
-
Gesamtcholesterin > 300 mg/dl oder
-
Gesamtcholesterin 200 – 300 mg/dl und zwei oder
mehrere Risikofaktoren vorliegen
-
Triglyceride < 200 mg/dl
Bei einem zu
hohem Cholesterinspiegel sollte vorhandenes Übergewicht reduziert
und das Normalgewicht angestrebt werden. Außerdem ist die
lipidsenkende Kost eine wichtige Therapiemaßnahme, die auf
folgenden vier Punkten basiert:
1. die
Fettzufuhr wird auf 30 % der Gesamtenergiezufuhr gesenkt, wobei
der Anteil der gesättigten Fettsäuren maximal 7 bis 10 % der
Energie betragen sollten
Durch das Senken
der Gesamtfettzufuhr und das Senken der Zufuhr an gesättigten Fettsäuren wird
gleichzeitig die Cholesterinaufnahme verringert, da Cholesterin
gemeinsam mit gesättigten Fettsäuren in den fettreichen
Lebensmitteln tierischer Herkunft vorkommt. Gesättigte Fettsäuren
lassen also den Cholesterinspiegel im Blut ansteigen. Auch das
Cholesterin selbst lässt den Cholesterinspiegel im Blut ansteigen
aber nicht so stark wie die gesättigten Fettsäuren. Das klingt
zwar überraschend, hängt aber mit den komplizierten
Regulationsmechanismen im Körper zusammen.
Die
Gesamtfettzufuhr und die Aufnahme gesättigter Fettsäuren können
Sie senken, indem Sie:
-
fettreiches Fleisch und fettreiche Wurstwaren gegen
magere Fleischteile und fettarme Wurstsorten austauschen. Ebenso
Vollmilch- und sahnehaltige Milchprodukte sowie fettreicher Käse
gegen magere oder fettarme Milchprodukte und Käsesorten.
-
Streich-, Koch- und Bratfette nur eingeschränkt
verwenden, wobei Sie auf Butter, Schmalz, Speck und Kokosfett
ganz verzichten sollten. Chemisch gehärtete Pflanzenfette sind
wegen ihres Gehaltes an cholesterinerhöhenden Transfettsäuren,
die zudem den HDL-Spiegel senken, nicht zu empfehlen. Als Hauptquelle von Transfettsäuren gelten
industriell gehärtete bzw. teilgehärtete Fette, die hauptsächlich
für Margarine bzw. für Back- und Bratfette verwendet
werden.
- fettarme Zubereitungsarten
wie Dünsten, Garen in Folie, Grillen bevorzugen oder spezielles
Kochgeschirr wie z.B. beschichtete Pfannen verwenden
Eine Ausnahme
bilden Fettfische: vor allem Hering, Makrele, Lachs und Thunfisch
(das gilt nicht für Aal) enthalten nur wenig gesättigte
Fettsäuren, sind aber reich an der ungesättigten
Omega-3-Fettsäure. Omega-3-Fettsäuren wirken
einer Erhöhung des Triglycerid- und Cholesterinspiegels entgegen
und gelten als vorbeugend gegen eine Arteriosklerose.
2. der Anteil an
einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Fettzufuhr
wird erhöht
Ideal ist, wenn
die Hälfte der Gesamtfettzufuhr in Form einfach ungesättigter
Fettsäuren und ein Viertel als mehrfach ungesättigte Fettsäuren
aufgenommen werden. Mehrfach und einfach ungesättigte Fettsäuren
senken den Cholesterinspiegel. Pflanzliche Fette enthalten diese
Fettsäuren und kein Cholesterin. Insbesondere Raps- und Olivenöl
sind aufgrund ihrer hervorragenden Fettsäurezusammensetzung für
die lipidsenkende Kost geeignet.
3. die Zufuhr an
komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen wird
gesteigert
Nicht nur die
Menge und Auswahl der Fette können den Cholesterinspiegel senken,
auch eine kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Kost wirkt
positiv. Mehr als die Hälfte der aufgenommenen Energie sollte aus
Kohlenhydraten bestehen. Dies erreicht man durch eine
ballaststoffreiche Mischkost mit Getreidevollkornprodukten,
Gemüsen, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Obst, die allesamt
fettarm sind. Lösliche Ballaststoffe wirken zudem
cholesterinsenkend, indem sie den Gallenstoffwechsel
beeinflussen. Sie binden Gallensäuren im Darm, die dann mit dem
Stuhl ausgeschieden werden. Der Körper bildet dann neue
Gallensäuren, wozu er Cholesterin verwendet. Lösliche
Ballaststoffe sind enthalten in Hafererzeugnissen, Hülsenfrüchten
sowie in pektinreichen Obstsorten wie Äpfel, Birnen und
Beerenobst.
4. Die Menge an
Cholesterin, die täglich aufgenommen wird, liegt unter 300
mg
Es ist unnötig,
den Cholesteringehalt der täglichen Kost zu berechnen. Die
Bedeutung des Nahrungscholesterins wurde lange Zeit überbewertet.
Dies zeigt sich auch in der heute noch häufig ausgesprochenen
Empfehlung, eine "cholesterinarme Diät" einzuhalten.
Richtiger ist es, eine fettarme Kost anzustreben, da die
Fettreduzierung die entscheidende Maßnahme zu Senkungen des
Cholesterinspiegels im Blut ist. Da die meisten tierischen
Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren
gleichzeitig einen hohen Cholesteringehalt aufweisen, verläuft
die Reduktion von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin
praktisch parallel. Es ist lediglich darauf zu achten, dass
besonders cholesterinreiche Lebensmittel wie Eier oder Innereien
möglichst vermieden werden.
Cholesteringehalt von Lebensmitteln
|
Menge
|
Lebensmittel
|
Cholesterin (mg)
|
|
25
g (1 Stück)
|
Eigelb
|
315
|
|
100
g
|
Schweineleber
|
354
|
|
100
g
|
Muscheln
|
126
|
|
100
g
|
Schweinefleisch (mager)
|
70
|
|
100
g
|
Geflügelfleisch
|
60-90
|
|
100
g
|
Rindfleisch
(mager)
|
60-70
|
|
10
g (1 EL)
|
Butter
|
25
|
|
30
g (1 Scheibe)
|
Schnittkäse
|
21
|
2. Hypertriglyceridämie - zu viele Triglyceride im Blut
Ein zu hoher
Triglyceridspiegel ist häufig Folge von Übergewicht, einem zu
hohen Alkoholkonsum oder von Diabetes mellitus. Werden diese
Ursachen erfolgreich behandelt, normalisiert sich in den meisten
Fällen der zu hohe Triglyceridspiegel.
Eine
Hypertriglyceridämie liegt vor, wenn der Triglyceridspiegel auf
> 200 mg/dl ansteigt. Der Cholesterinspiegel ist meist normal,
der HDL-Spiegel vermindert.
Bei Übergewicht
ist die Reduktion des Körpergewichtes die wirkungsvollste
Maßnahme. Die Reduktionskost sollte den Grundsätzen der
lipidsenkenden Kost wie bei der Hypercholesterinämie entsprechen.
Zusätzlich gilt es aber folgende Punkte zu berücksichtigen:
-
Unbedingter Verzicht auf Alkohol, da dieser eine
triglyceridsteigernde Wirkung hat – aus Alkohol und Zucker
werden in der Leber Triglyceride gebildet.
-
Meiden von Zucker, Süßigkeiten und
Zuckeraustauschstoffen (Sorbit, Fruktose, Xylit). Zuckerhaltige
Lebensmittel führen in größeren Mengen zu einem Anstieg der
Triglyceride. Das gilt auch für Honig und Sirup. Süßstoffe haben
keinen Einfluss auf die Triglyceridwerte und sind damit eine
Alternative.
-
Regelmäßiger Verzehr von Makrele, Lachs, Hering oder
Thunfisch. Diese enthalten Omega-3-Fettsäuren, die den
Triglyceridspiegel senken. Normalgewichtige Patienten sollten
täglich etwa 100 g von diesen Fischen verzehren. Fischölpräparate
können eingenommen werden, wenn ein regelmäßiger Fischverzehr
nicht zur realisieren ist oder wenn der Patient aufgrund seines
Übergewichtes nur kleine Mengen an fettreichem Fisch verzehren
darf. Die Fischölkapseln nur nach Rücksprache mit dem Arzt
einnehmen.
3. Kombinierte Hyperlipidämie
Eine kombinierte
Hyperlipidämie liegt vor, wenn
-
LDL-Cholesterin > 160 mg/dl und
-
Triglyceride > 200 mg/dl
Bei einer kombinierten Hyperlipidämie
können die Ernährungsempfehlungen für Hypercholesterinämie und
Hypertriglyceridämie entsprechend den festgestellten
Blutfettwerten miteinander kombiniert werden. Wie auch bei der
isolierten Hypertriglyceridämie sollten Alkohol und zuckerhaltige
Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen werden.
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