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Die Behandlung von Morbus Crohn
Medikamentöse Therapie und Ernährungsmaßnahmen müssen sehr individuell auf den einzelnen Patienten, den Schwergrad des Erkrankungsschubes, die Ernährungslage und das Allgemeinbefinden abgestimmt werden.
Bei akuten Entzündungen gelten folgende Behandlungsziele:
- möglichst rasche Beherrschung der Darmentzündung durch medikamentöse Behandlung
- Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Entzündungsbereiches
- Vermeidung von Komplikationen, z. B. Darmdurchbruch
- Besserung der Durchfallsymptomatik, der Resorptionsstörungen und des Allgemeinbefindens
1. Medikamentöse Behandlung
Nachdem die Ursache des Morbus Crohn nicht ausreichend bekannt ist, können vom Prinzip her nur die Beschwerden gelindert werden. Oft lässt sich medikamentös ein Rückfall allerdings vermeiden.
2. Ernährungstherapie
Patienten mit Morbus Crohn weisen häufig Zeichen einer allgemeinen Mangelernährung auf. Unzureichend ist die Versorgung mit Energie und mit lebensnotwendigen Nährstoffen. Crohn-Patienten zeigen vor allem Unterversorgungen mit Eiweiß, den Vitaminen A, D, Folsäure, B 12 und den Spurenelementen Zink und Eisen. Durch die hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste haben die Patienten zudem die Gefahr einer Austrocknung, das heißt sie sind exsikkosegefährdet. Die Mangelversorgung hat mehrere Gründe: Zum einen ist sie Folge ungenügender Zufuhr mit der Nahrung durch Appetitlosigkeit, Erbrechen oder sehr einseitiger Ernährung. Zum anderen kann eine gestörte Resorption aufgrund eines ausgedehnten Befalls des Dünndarms bzw. der Entfernung eines Dünndarmteils Ursache sein sowie auch ein vermehrter Eiweißverlust im Dünndarm.
Eine spezielle Morbus Crohn-Diät gibt es nicht. Die jeweiligen Ernährungsmaßnahmen müssen sich den verschiedenen Erkrankungsphasen, dem Befinden des Patienten und der Nährstoffversorgung anpassen. Im akuten Entzündungsschub können parenterale Ernährung oder die Gabe von Elementardiät (als Sondenkost oder Trinknahrung) notwendig sein. Ein Kostaufbau muss schrittweise erfolgen. In symptomfreien Intervallen eignet sich eine leichte Vollkost, individuell Unverträgliches wird dabei ausgespart. Die Ernährungstherapie umfasst daher folgende Maßnahmen:
Bei akutem schweren Entzündungsschub:
In diesem Fall lässt sich eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Nährstoffen nur durch eine künstliche Ernährung sicherstellen. Es gibt verschieden Formen der künstlichen Ernährung:
Bei der parenteralen Ernährung wird der gesamte Verdauungstrakt ruhig gestellt und so der Darm völlig entlastet. Die Nährstoffe werden dem Stoffwechsel über die Blutbahn mittels Nährstofflösungen zugeführt.
Die enterale Ernährung erfolgt über eine Sonde, mit der flüssige Nahrung (Elementardiät) in den Magen, den Dünndarm oder den Zwölffingerdarm eingeführt wird. Beim Einsatz von Elementardiäten wird der Darm wieder an Nahrungsaufnahme gewöhnt, aber noch weitgehend entlastet. Durch die Gabe von Elementardiäten lassen sich auch höhere Kalorienmengen verabreichen, wenn es nötig ist, Körpergewicht aufzubauen.
Schrittweiser Wiederkostaufbau:
Beim weiteren Kostaufbau ist auf eine leicht verdauliche und ballaststoffarme Zusammensetzung des Speiseplanes zu achten. Das trägt zur Schonung der Darmtätigkeit bei und vermeidet mechanische Irritationen durch Ballaststoffe im unteren Dünndarm- und im Dickdarmbereich. Wird bei großflächigem Befall des Darmes Nahrungsfett nur noch schlecht vertragen und kommt es dadurch zu vermehrten Fettausscheidung (Fettstuhl), so ist eine fettarme, eiweißreiche Kost mit MCT-Fetten zu empfehlen. MCT-Fette sind mittelkettige Fettsäuren, die im Gegensatz zu den üblichen langkettigen Fettsäuren, schneller resorbiert und durch die Darmwand aufgenommen werden.
Das Meiden von ballaststoff- und körnerreichen Vollkornprodukten, grobem Gemüse, blähenden Hülsenfrüchten, Zwiebeln und scharfen Gewürzen sowie laktosehaltigen Milchprodukte und Milch kann die Verträglichkeit der Kost erheblich steigern. Um den Kalziumbedarf zu decken, ist es sinnvoll, kalziumreiche Mineralwässer und Kalziumpräparate zu nehmen. Oft ist auch die Gabe von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zur Besserung des Allgemeinbefindens und Stärkung der Abwehrkräfte erforderlich.
Symptomfreie Zeit:
Während der beschwerdefreien Zeit ist eine leichte Vollkost empfehlenswert. Bei der leichten Vollkost handelt es sich um eine Kost, die leicht verdaulich ist. Sie unterscheidet sich von der für den Gesunden empfohlene vollwertigen Ernährung lediglich dadurch, dass
- Lebensmittel, die nicht vertragen werden und Sodbrennen, Magendruck, Völlegefühl, Blähungen usw. auslösen, einfach weggelassen werden.
- Lebensmittel schonend zubereitet werden, z. B. durch Dünsten, Dämpfen, Garen in Folie, Grillen.
Im Rahmen der leichten Vollkost werden sehr kalte und sehr heiße Speisen, scharfe Gewürze und stark Angebratenes gemieden und Kaffee sowie Alkohol nur in Maßen getrunken, um Schleimhautirritationen vorzubeugen. Manche Lebensmittel wie Milch, Weizenprodukte, Eier und Zitrusfrüchte können die Morbus Crohn-Symptome verstärken. Die Ursache dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit ist unbekannt, eine Nahrungsmittelallergie kann allerdings ausgeschlossen werden. Nahrungsmittelunverträglichkeiten treten nur bei rund 15 Prozent der Morbus Crohn-Patienten auf, sie sind meist nur vorübergehend und die nicht vertragenen Lebensmittel ändern sich. Es gibt daher keine Gründe, pauschale Verbotslisten aufzustellen, durch die die Patienten unnötig bei der Kostzusammenstellung eingeengt werden. Generell gilt: Alles was vertragen wird, ist erlaubt.
Verträglichkeit von Lebensmitteln
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Lebensmittel |
allgemein gut verträglich |
allgemein schlecht verträglich |
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Milch und Milchprodukte |
Fettarme Milch, fettarme und gesäuerte Milchprodukte (Jogurt, Dickmilch Kefir), fettarme Käsesorten bis 45 % Fett i. Tr. |
Vollmilch, Vollmilchprodukte, Sahne, Rahm, Sauerrahm, würzige und fetthaltige Käsesorten, Schimmelkäse |
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Fleisch |
Mageres Rind-, Schweine-, Kalb- und Geflügelfleisch, Wild, fettarm zubereitet |
Fettes, geräuchertes, gepökeltes, scharf angebratenes Fleisch |
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Fleisch- und Wurstwaren |
Magere und milde Wurstsorten, z. B. gekochter Schinken ohne Fettrand, deutsches Corned Beef, Geflügelwurst |
Fette und geräucherte Wurstwaren |
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Fisch und Fischwaren |
Magere Süß- und Salzwasserfische, Schalen- und Krustentiere |
Fette Fischsorten wie Aal, Lachs, Hering, geräucherte und eingelegte Fische |
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Eier |
Weiche Eier, fettarme Eierspeisen |
Hartgekochte Eier, fette süße oder pikante Eierspeisen, Mayonnaise |
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Brot |
Altbackenes Brot, feine Vollkornbrote |
Frisches Brot, grobe Vollkornprodukte |
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Backwaren |
Kuchen aus Rühr-, Quark-Öl- und Hefeteig, Obstkuchen |
Frische und fette Backwaren, Croissants, Blätterteig, Cremekuchen |
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Kartoffeln |
Pellkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelklöße, Kartoffelpüree |
Pommes frites, Bratkartoffeln, Kroketten, |
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Gemüse |
Karotten, Fenchel, junge Kohlrabi, Blumenkohl, grüne Erbsen, Bohnen, Tomaten, Zucchini, grüner Salat |
Kohlsorten, Lauch, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Oliven, Gurken, Rettich, Hülsenfrüchte |
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Obst |
Reife Sorten, roh oder gekocht |
Unreifes Obst, rohes Steinobst, Nüsse, Mandeln, Pistazien, Avocado |
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Gewürze |
Frische und getrocknete Kräuter, milder Essig, Zitronensaft, wenig Salz |
Pfeffer, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerrettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver, scharfe Gewürzmischungen |
Ernährung von Patienten mit künstlichem Darmausgang
Bei älteren Menschen, die schon viele Jahre an Morbus Crohn leiden, sind chirurgische Entfernungen von Darmsegmenten häufig unumgänglich. Die Patienten erhalten einen künstlichen Darmausgang (Stoma), was ihre Lebensqualität erheblich beeinflussen kann. Es gibt keine allgemeinen Ernährungs-Regeln für Patienten mit künstlichem Darmausgang. Folgendes sollte aber beachtete werden:
- Da der Darminhalt nicht mehr eingedickt werden kann, kommt es zu erhöhten Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten mit der Darmentleerung. Die Patienten sind daher gefährdet, zuviel Flüssigkeit zu verlieren. Die Trinkmenge sollte aus diesem Grund so gesteigert werden, dass mindestens 1,5 Liter Harn in 24 Stunden produziert wird, das heißt dass die Trinkmenge etwa 2,0 bis 2,5 Liter betragen sollte. Außerdem kann es sinnvoll sein, Mineralstoffpräparate zu verabreichen.
- Problematisch können abführend wirkende Lebensmittel sein wie Kaffee, Steinobst, scharfe Gewürze, Alkohol.
- Häufig nicht vertragen werden Milch und Milcherzeugnisse, die Milchzucker (Laktose) enthalten. Käse verursacht meist keine Unverträglichkeiten.
- Blähend wirkende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte, Kohlgemüse oder Zwiebeln sollten gemieden werden.
- Faser- und körnerreiche Kost sollte ausreichend zerkleinert bzw. passiert verzehrt werden, damit eine Stomablockade verhindert wird.
- Für eine leichtere Darmentleerung ist es sinnvoll, die Mahlzeitenfrequenz zu erhöhen und dann jeweils nur kleine Portionen zu sich zu nehmen.
- Die letzte Mahlzeit sollte zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen erfolgen, um nächtliche Verdauungsprobleme zu vermeiden.
3. Operative Eingriffe
Bei rund 80 Prozent aller Patienten ist innerhalb der ersten zehn Jahre der Erkrankung trotz medikamentöser Therapie und Ernährungsmaßnahmen ein chirurgischer Eingriff nötig:
- Verengte Stellen im Darm werden mit einem Ballon gedehnt
- Fisteln müssen verschlossen, Abszesse aufgeschnitten werden
Stark befallene Darmabschnitte müssen entfernt werden. Dieser Eingriff wird bei schwerwiegenden Komplikationen wie Bauchfellentzündung, Darmverschluss oder Darmdurchbruch durchgeführt. Dabei wird aber möglichst darmerhaltend operiert.
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