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Stapel mit Münzen

Bei den rezeptfreien Arzneimitteln sind die Preise vom Gesetzgeber freigegeben.
© AOK-Mediendienst

Der Preis ist nicht alles

Bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist der Preis gesetzlich reguliert, bei solchen ohne Rezept können Apotheken frei kalkulieren. Doch der Preis ist nicht alles.

"Einen Zyniker erkennt man daran, dass er von jedem Ding den Preis, aber von keinem den Wert kennt." Mit diesen Worten hat der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854 – 1900) zwar nicht den deutschen Arzneimittelmarkt gemeint, aber dennoch den richtigen Ton für die heutige Zeit getroffen. Wer akute Schmerzen hat oder gar chronisch krank ist, würde buchstäblich ein Vermögen ausgeben, um schnellstmöglich wieder beschwerdefrei und gesund zu sein. Dass Verbraucher ihre Ausgaben für Arzneimittel dennoch begrenzen wollen, ist verständlich. Dazu sollte man jedoch wissen, wie Medikamentenpreise entstehen.

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Arzneimittelpreise

Bei den rezeptfreien Arzneimitteln sind die Preise vom Gesetzgeber freigegeben. Zwar gibt es eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des jeweiligen Herstellers, doch jede einzelne Apotheke kann den Verkaufspreis jedes Produktes selbst kalkulieren. Wenn zum Beispiel Versandapotheken mit Rabatten von 10, 20 oder 30 Prozent werben, so bezieht sich dieser Preisnachlass nur auf den UVP und nicht auf den tatsächlichen Marktpreis. Für Verbraucher kann es sich in jedem Fall lohnen, mehrere Apotheken in der Umgebung zu vergleichen. Vor allem gilt es aber, das passende und nicht unbedingt das billigste Medikament zu finden.

Streng reguliert sind dagegen die verschreibungspflichtigen Arzneimittel. Die Arzneimittelpreisverordnung sorgt dafür, dass jedes Präparat überall denselben Endpreis hat. Das ist sinnvoll, denn kranke Menschen sollen sich keine Sorgen machen müssen, dass sie in ihrer Stammapotheke womöglich mehr Geld bezahlen als anderswo. So legen Hersteller ihren jeweiligen Abgabepreis bundesweit fest, Großhändler und Apotheken addieren fest definierte Zuschläge.

Zuzahlungsbefreiungen

Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln muss jeder Patient zehn Prozent des Preises zuzahlen. Mindestens sind es fünf Euro, höchstens zehn Euro. Sofern Festbeträge oder Rabattverträge für ein Medikament gelten, kann es durch die Krankenkassen von der Zuzahlung befreit werden. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind generell befreit. Volljährige Patienten können sich bei ihrer Krankenkasse befreien lassen, wenn ihre Zuzahlungen zu Arzneimitteln und anderen Kassenleistungen die Belastungsgrenze von zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens erreichen. Bei chronisch Kranken gilt ein Prozent.

Kassen haben Einfluss auf Preise

Die Krankenkassen haben die Möglichkeit, auf die Preisgestaltung der Hersteller Einfluss zu nehmen, beispielsweise über die sogenannte Festbetragsregelung oder mithilfe von Rabattverträgen. Grundsätzlich passiert das allerdings nur bei Wirkstoffen, bei denen das Patent abgelaufen ist und die von mehreren Herstellern angeboten werden. Die Abgabe dieser Nachahmerpräparate, Generika genannt, ist oft gesetzlich verpflichtend für Apotheken.

Unterliegt ein Wirkstoff der Festbetragsregelung, bezahlen die Kassen für ein entsprechendes Arzneimittel nicht mehr als den dafür festgelegten Höchstbetrag. Kostet ein Präparat mehr, muss der Patient den Aufpreis selbst zahlen. Liegt der Preis des Medikaments jedoch mindestens 30 Prozent unter dem Festpreis, können die Krankenkassen ihre Versicherten von der gesetzlichen Zuzahlung dafür befreien. Das soll den Konkurrenzkampf unter den Herstellern beflügeln und dafür sorgen, dass diese ihre Arzneimittelpreise senken.

Auch bei den Rabattverträgen lassen sich Zuzahlungen sparen. Wenn eine Krankenkasse Rabatte für bestimmte Präparate mit einzelnen Herstellern vereinbart, kann sie ihre Versicherten zur Hälfte oder komplett von der Zuzahlung befreien.

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Apotheken wollen Patienten entlasten

Damit Patienten und Kassen Geld sparen, plädieren Apotheker seit langem dafür, die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel vom vollen auf den ermäßigten Satz – von 19 auf 7 Prozent – zu senken. Immerhin sind Schmerzmittel oder Blutdrucksenker für das Leben vieler Menschen wichtiger als zum Beispiel Trüffel oder Krabben, für die der ermäßigte Satz gilt. Die Krankenkassen würden mindestens 2,5 Milliarden Euro pro Jahr sparen; auch Verbraucher von rezeptfreien Arzneimitteln würden davon profitieren.

Auf Rezept möglichst preiswerte Arzneimittel abzugeben, ist auch heute schon längst Alltag in den Apotheken. Schließlich haben sie nichts davon, teure Medikamente an den Mann und die Frau zu bringen. Mit ihrem Festhonorar von grundsätzlich 8,10 Euro pro Packung sind sie nicht am Umsatz der Medikamente beteiligt. Soweit gesetzlich erlaubt, erfüllen die Apotheken demzufolge gerne die Wünsche von Patienten und Kassen nach kostengünstigen Arzneimitteln.

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