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Kaffeefahrten - im günstigsten Fall hat man einfach viel zu viel Geld ausgegeben.
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Völlig überteuerte Vitaminpillen, wirkungslose "Schmerzmittel", verbotene Werbemaßnahmen – manche Veranstalter von Kaffeefahrten verkaufen nicht nur Rheumadecken und Wärmekissen, nein, sie mischen auch in übler Weise im Heilmittelmarkt mit. Hier einige Erkennungsmerkmale.
"Hat meine Oma auch mal genommen, sie konnte danach all ihre Schmerzmittel weglassen. Und Sie wissen ja, wie viele Nebenwirkungen solche Schmerzmittel haben können …" Der das sagt, sieht aus wie der Wunschkandidat aller Schwiegermütter und sitzt im Bus gerade neben einer arthrosekranken 65-Jährigen. Rund 30 Senioren und vor allem Seniorinnen sind unterwegs auf Kaffeefahrt.
Was so anfängt, endet oft in einem billigen und abgelegenen Gasthof. Kein Entrinnen von der unerbittlich stattfindenden Verkaufsveranstaltung. Unnütze Topfsets, wertlose Rheumadecken, zu teure elektrische Heizkissen – das übliche Repertoire solcher Lockangebote. Aber immerhin war man mal einen Tag lang raus, in netter Gesellschaft gleichaltriger Mitreisender. Und das war ja für die meisten der Hauptgrund, überhaupt mitzufahren.
Anders, wenn es sich um Arzneimittelangebote handelt. Über 1000 Euro für eine Vitaminmischung, von der sich später herausstellt, dass man sie für 35 Euro in jeder Apotheke genau so hätte haben können. Oder für eine Kräutermischung gegen Schmerzen, die gar nicht hilft. Von solchen Vorfällen berichteten zum Beispiel Kaffeefahrt-Erfahrene auf einer Verbraucher-Veranstaltung der bayerischen Apotheker im Sommer in Bad Füssing. Die dortigen Apothekerorganisationen hatten die Urlauber und Tagesgäste in Bad Füssing zu "alternativen" Kaffeefahrten eingeladen. Die Teilnahme war kostenlos, und es gab – man horche auf – nichts zu kaufen.
Stattdessen erklärte Apotheker Dr. Volker Schmitt die überaus trickreichen Fallen, in die arglose Verbraucher tappen und sich damit womöglich schwer schaden. Denn einerseits kann es böse enden, unbekannte Substanzen zu schlucken, andererseits verschlimmert sich eine chronische Krankheit in der Regel, wenn man die vom Arzt verschriebenen Medikamente zugunsten der zum Beispiel auf Kaffeefahrten erworbenen Mittel weglässt. Im günstigsten Fall hat man einfach viel zu viel Geld ausgegeben.
Viele Menschen finden sich auf Kaffeefahrten ein, weil sie vorher eine Gewinnbenachrichtigung erhalten haben. Bargeld, Reisen oder ein schönes Auto winken, aber nur, wenn man mitfährt. Den Gewinn gibt’s dann in aller Regel trotzdem nicht – irgendetwas Kleingedrucktes oder Verklausuliertes verhindert, dass man dieses versprochene Glück einklagen kann.
Schon vor dem eigentlichen Verkaufsteil der Fahrt verwickelt der Anbieter einzelne Mitfahrende in ein vertrauliches Gespräch. Dass Familienangehörige so super von den Produkten profitiert hätten, dass er ja eigentlich gar nicht genug für alle Teilnehmer dabei hätte, dass es sich lohnen würde, sich sofort für zwei Packungen als Vorrat zu entscheiden.
Es kommt sogar vor, dass ein Vergleich mit der offiziellen Preisliste der Apotheker vorgenommen wird. "Rufen Sie ruhig mal in Ihrer Apotheke an, Sie werden selbst sehen, dass ich Ihnen das hier preiswerter gebe." Und tatsächlich: In der offiziellen Preisliste der Apotheken steht ein deutlich höherer Preis. Und das kommt so: Das Produkt ist in diesen Preislisten mit einem unverbindlichen Verkaufspreis gelistet. Dieser wurde vom Ausbieter gemeldet. Das Produkt wird aber an Apotheken normalerweise gar nicht ausgeliefert. In der Liste steht ein "Mondpreis". Das ist erlaubt. Auf den Kaffeefahrten kann der Verkäufer dann diesen Preis unterbieten. Gemessen am Inhalt ist jedoch immer noch viel zu hoch.
Viele Werbetricks der Verkäufer auf Kaffeefahrten sind übrigens gesetzlich durch das Heilmittelwerbegesetz verboten (siehe Kasten). Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie lieber Ihren Arzt oder Apotheker!
Was sind denn eigentlich Heilmittel, für die das gilt? Darunter fallen Arzneimittel, Verfahren, Behandlungen, aber auch Kosmetika und Körperpflegemittel sowie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamintabletten.