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Mit Jod noch nicht alles im Lot

Deutschland bleibt ein Jodmangelland – so lautet die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation. Die Versorgung mit dem lebenswichtigen Spurenelement hat sich durch jodiertes Speisesalz in den letzten Jahren verbessert. Dennoch geben die Apotheker in Nordrhein noch keine Entwarnung.

"Jod ist unentbehrlich für eine normale Schilddrüsenfunktion", erklärt Werner Heuking, Pressesprecher der Apotheker in Nordrhein. "Es wird zur Bildung der lebensnotwendigen Schilddrüsenhormone benötigt." Diese steuern zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper, die zum Beispiel für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine entscheidende Rolle spielen, ergänzt Professor Dr. med. Volker Hesse von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Lindenhof in Berlin. Es beginnt bereits im Mutterleib. Dort fördert Jod die kindliche Entwicklung des Gehirns. Hesse: "Nur bei einer ausreichenden Versorgung mit Schilddrüsenhormonen können sich die Nervenzellen ausreichend entwickeln und vernetzen. Untersuchungen in Jodmangelgebieten haben außerdem gezeigt, dass dort lebende Kinder Verzögerungen im Wachstum und bei der Knochenreife sowie im späteren Leben niedrigere Intelligenzquotienten aufweisen können."

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Es droht eine Unterfunktion der Schilddrüse

Doch auch Erwachsene leiden unter einem Jodmangel. Gelangt mit der Nahrung zu wenig davon in den Organismus, besteht die Gefahr, dass sich die Schilddrüse vergrößert. Dies bringt den Hormonhaushalt durcheinander. Es können schwere Erkrankungen auftreten, da die Schilddrüsenhormone den Stoffwechsel und den Kreislauf mitregulieren. Bemerkbar macht sich eine Schilddrüsenunterfunktion laut Heuking zum Beispiel durch einen Kropf, Gewichtszunahme, Frieren, Antriebsschwäche, Konzentrationsmangel, schnelle Ermüdung, Veränderungen von Haut und Haaren sowie Darmträgheit. Eine Schilddrüsenerkrankung lässt sich beim Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung sowie einem Bluttest feststellen.

"Bereits von Geburt an sollte auf eine ausreichende Jodversorgung geachtet werden", erklärt der Pressesprecher der Apotheker in Nordrhein. Säuglingsnahrung und Babybreie enthalten in der Regel bereits zusätzliches Jod. Nimmt das Kind am elterlichen Essen teil, sollte die Familie zum Beispiel auf Brot mit Jodsalz zurückgreifen sowie auf regelmäßiges Milchtrinken und Fischessen achten. Kritisch sieht es häufig in der Pubertät aus, denn bereits ab einem Alter von 13 Jahren benötigen Jugendliche genauso viel Jod wie Erwachsene. "Ungesunde Ernährung, etwa Junk Food, sowie Zigarettenkonsum beeinflussen die Jodaufnahme negativ", warnt Heuking.

Täglicher Bedarf: Wer braucht wie viel?

Säuglinge bis 12 Monate bis 80 µg
Kinder von 1 bis 13 Jahren 100 bis 180 µg
Jugendliche und Erwachsene bis 50 Jahre 200 µg
Erwachsene ab 51 Jahre 180 µg
Schwangere 230 µg
Stillende 260 µg

Viel Jod steckt in Fisch, Meerestieren und jodiertem Speisesalz. Die durchschnittliche Tagesdosis (etwa 200 µg) ist in 300 g Rotbarsch plus 1 Portion Spinat, 400 g Schellfisch, 8 kg Gurken (!) oder 200 Birnen (!) enthalten.

µg = Mikrogramm, g = Gramm, kg = Kilogramm

Optimale Jodversorgung durch:

  • Jodsalz im Haushalt
  • mit Jodsalz hergestellte Lebensmittel wie Brot, Backwaren, Wurst oder Käse
  • ein bis zweimal pro Woche Seefisch, zum Beispiel Seelachs, Scholle oder Kabeljau
  • täglich Milch und Milchprodukte
  • die ergänzende Einnahme von Jodtabletten

Jod-Food statt Junk-Food

Um mehr Jod zu sich zu nehmen, empfehlen die Apotheker beim Kochen, Zubereiten und Nachsalzen stets Jodsalz zu verwenden. "Wünschenswert wäre auch, dass Gastronomiegroßketten, vor allem im Fast-Food-Bereich, für die Herstellung von Nahrungsmitteln Jodsalz nutzen. Dies ist leider heute vielfach noch nicht der Fall", bedauert Hesse.

Zusätzlich rät er, mindestens einmal in der Woche Seefisch auf den Speiseplan zu setzen. Auch Milch und Milchprodukte verbessern die Jodversorgung. "In Sonderfällen, wie bei einer Kuhmilch- oder Fischallergie, raten wir dringend zur Aufnahme von Jod in Tablettenform und zu einem Gespräch mit dem Arzt", so Heuking.

Bei Überdosierung können die Erscheinungen einer Schilddrüsenüberfunktion wie Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, Schwitzen, Gewichtsabnahme, Fingerzittern, innere Unruhe, Schlaflosigkeit und Durchfall auftreten.

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