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Spurenelemente: Schon in kleinsten Mengen wirksam

Mineralstoffe, die der Körper zwar nur in winzigen Mengen, aber lebensnotwendig braucht, bezeichnet man als Spurenelemente. Chrom, Selen, Zink und Kupfer gehören dazu. Sie spielen bei Diabetikern eine besondere Rolle.

Diabetiker sind vermehrt so genanntem oxidativen Stress ausgesetzt, vermuten Wissenschaftler. Diese Form des Stresses baut sich auf, wenn hoch reaktive Sauerstoff-Verbindungen Zellwände und wichtige Körpereiweiße schädigen. Auf Grund des krankhaft veränderten Zuckerstoffwechsels scheinen bei Diabetikern diese aggressiven Sauerstoff-Teilchen vermehrt zu entstehen als bei gesunden Menschen. Die Attacken auf Zellstrukturen fördern dann zum Beispiel Arteriosklerose, daneben womöglich auch diabetische Folgeschäden an Nieren, Nervensystem und Augen.

Ein gesunder Organismus weiß sich gegen freie Radikale, so der Fachjargon für die veränderten Sauerstoff-Teilchen, erfolgreich zu wehren. Er verfügt über ein "antioxidatives Schutzsystem". Um dieses System erfolgreich einsetzen zu können, braucht der Körper unter anderem die Spurenelemente Chrom, Zink, Selen und Kupfer.

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Chrommangel im Gewebe

Bereits vor mehr als 40 Jahren ergaben Untersuchungen, dass Chrom einer verschlechterten Reaktion von Körperzellen auf Insulin, also einer Insulinresistenz, entgegenwirkt. Weitere Studien zeigten widersprüchliche Ergebnisse: In einigen wirkten Chromgaben positiv auf den Zucker-, Insulin- und Fettstoffwechsel des Körpers, in anderen hingegen zeigte sich kein zusätzlicher Effekt. Negative Einflüsse traten jedoch übereinstimmend nicht auf.

Eine neue Untersuchung ergab nun, dass insbesondere bei schlecht eingestellten Diabetikern ein relativer Mangel an Chrom in den weißen Blutkörperchen herrscht. Ein Indiz dafür, dass es sich vor allem bei Typ-2-Diabetikern mit einem schlecht einzustellenden Diabetes lohnen kann, zusätzlich Chrom einzunehmen.

Multitalent Selen

Trotz regional unterschiedlichem Selengehalt im Erdboden gilt Deutschland nicht als Selenmangelland. Gesunden Menschen liefert die Nahrung genug des Spurenelements.

Diabetiker profitieren dagegen von einem Plus an Selen in Form entsprechender Präparate: So verringerten sich bei Gabe von Selen bei Typ-1- und Typ-2-Diabetiker, die bereits Folgeerkrankungen hatten, zerstörerisch wirkende Prozesse im Körper, die Ausscheidung des Eiweißstoffes Albumin über die Nieren – Indiz einer diabetischen Nierenschädigung – ging zurück, und Nervenschäden besserten sich. Hohe Selengaben stießen darüber hinaus Teile des Immunsystems zu vermehrter Aktivität an.

Enzymaktivator Zink

In mehr als 200 Enzymen beteiligt sich Zink unter anderem am Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel. Es hilft bei der Wundheilung und spielt eine zentrale Rolle bei der Produktion, Lagerung und Speicherung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse. Die Gefahr für einen Zinkmangel ist bei Typ-1-Diabetikern sowie generell bei älteren Menschen erhöht. In beiden Fällen kann sich die zusätzliche Gabe von Zink positiv auf den Glukosestoffwechsel und auf das Immunsystem auswirken.

Das Für und Wider bei Kupfer

Kupfer kann die Attacken freier Radikale auf Zellstrukturen abschwächen, sie aber auch verstärken. Da die Studienlage zu den Auswirkungen von Kupfer bislang widersprüchlich ist, ist eine hoch dosierte Einnahme nicht empfehlenswert.

Einen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen festzustellen, gestaltet sich oft schwierig. Und auch, wenn Untersuchungsergebnisse in Ordnung scheinen, kann bereits eine unterschwellige, aber lange andauernde Unterversorgung unspezifische Beschwerden mit sich bringen, so etwa Abgeschlagenheit, Infektanfälligkeit, Hautprobleme, psychische Dissonanzen oder Schlafstörungen. In diesen Fällen kann sich die Einnahme von Vitamin- und/oder Mineralstoff-Präparaten über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen eignen. Bessern sich die Beschwerden, liegt nahe, dass es dem Körper an einer oder mehreren essentiellen Substanzen gemangelt hat.

Isabel Weinert

Den Bedarf decken

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr der Spurenelemente Chrom, Zink, Selen und Kupfer folgendes an:

  • Chrom: Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr und Erwachsene 30 bis 100 Mikrogramm pro Tag.
    Viel Chrom steckt in Fleisch, Vollkorn, Pflanzenöl und Bierhefe.
  • Zink: Frauen ab dem 15. Lebensjahr 7 Milligramm pro Tag, Männer 10 Milligramm pro Tag.
    Viel Zink steckt in Meeresfisch, Fleisch, Leber, Milch und Eiern.
  • Selen: Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr und Erwachsene 30 bis 70 Mikrogramm pro Tag.
    Viel Selen steckt in Meeresfischen, Fleisch, Leber, Getreideprodukten und Nüssen.
  • Kupfer: Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr und Erwachsene 1,0 bis 1,5 Milligramm am Tag.
    Viel Kupfer steckt in Leber, Niere, Schellfisch, Austern, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen.

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