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Junge mit Fieber

Gegen Fieber und viele andere Erkältungssymptome gibt es homöopathische Arzneimittel.
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Wie Homöopathie bei Erkältungen hilft

Für den Homöopathen spielen die Beschwerdebilder bei der Auswahl geeigneter Mittel eine sehr wichtige Rolle. Welche Mittel bei typischen Erkältungsbeschwerden helfen, erfahren Sie hier.

Alarmzeichen Fieber

Fieber ist einer der häufigsten Begleiter einer Erkältung oder grippalen Infekts. Es zeigt an, dass sich der Körper intensiv gegen eine Entzündung oder Infektion wehrt. Das ist gut so. Dennoch kann es angebracht sein, starkes Fieber zu senken oder abzukürzen. Dabei helfen auch Homöopathika.

Bewährte Klassiker sind Belladonna und Aconitum, jeweils in D6, die bei plötzlichem Krankheitsbeginn mit raschem Fieberanstieg angezeigt sind. Typisch für Aconitum: Der fiebernde Patient hat trockene heiße Haut, "trockenes Fieber". Frösteln, Heiserkeit, trockener Hustenreiz sowie große Angst und Unruhe können den Kranken plagen. Wenn er anfängt zu schwitzen und der Infekt sich langsam in einem Organ festsetzt, sollte man auf Belladonna wechseln. Das Gesicht ist jetzt hochrot, heiß und feucht-schweißig, Hände und Füße aber kalt. Belladonna gilt als Mittel der ersten Wahl bei allen hochakuten entzündlichen Erkrankungen an den Schleimhäuten; das Beschwerdebild in kurzen Worten: rot, heiß, brennend und pulsierend-pochende Schmerzen.

Doch längst nicht jeder Infekt verläuft heftig und nicht jeder Mensch reagiert so massiv auf Erkältungen. Wenn sich der Infekt eher langsam entwickelt und das Fieber mäßig ist, sollte man zu Ferrum phosphoricum D6 greifen. Das Mittel hat sich besonders in der Kinderheilkunde bewährt. Typisch ist, dass die Kleinen sich nicht krank fühlen und daher nicht im Bett bleiben wollen.

Ebenfalls als Klassiker bei fieberhaften Erkältungen und Infekten gilt Eupatorium D6. Typisch sind starke Gliederschmerzen: Der ganze Körper tut weh.

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Schnupfen lindern

Kaum eine Erkältung läuft ohne Schnupfen ab. Ob Triefnase, verstopfte Nase oder wunde Nasenlöcher: Die Homöopathie hält passende Mittel bereit.

Der Klassiker bei Fließschnupfen, egal ob durch eine Erkältung oder allergisch bedingt, ist Allium cepa D6. Das wässrige Nasensekret fließt reichlich. Es ist so scharf und brennend, dass Nasenlöcher und Oberlippe wund werden. Wenn auch die Augen laufen, ist dieses Sekret eher mild.

Wenn aber das Tränensekret scharf ist und brennt, das Nasensekret aber mild ist, ist Euphrasia D4 richtig. Die Augen jucken und brennen, die Bindehaut kann gerötet sein. Euphrasia wirkt vor allem auf die Augen und die Schleimhäute der oberen Luftwege und hilft bei Heuschnupfen.

Luffa lindert Fließ- und Stockschnupfen sowie Heuschnupfen. Luffa D6 macht die verstopfte, sehr trockene Nase wieder frei. Der Patient klagt mitunter über Stirnkopfschmerz, fühlt sich träge, müde und lustlos. Das gleiche Mittel in der Potenz D12 wählt man, wenn das Nasensekret dünnflüssig ist.

Ein sehr bewährtes Mittel für Babys ist Sambucus D3. Es hilft, wenn ein festsitzender Schnupfen Babys und Kleinkindern die Luft nimmt. Die Nase ist so verstopft, dass der kleine Patient beim Stillen und Trinken keine Luft bekommt und immer wieder absetzen muss.

Wenn die Stimme versagt

Mit einem leisen Kratzen im Hals fangen viele Erkältungen an. Binnen Stunden ist der Hals rot und wund, das Schlucken tut weh und die Stimme versagt. Der Infekt hat "auf den Hals geschlagen". Eine akute Hals- und Rachenentzündung kann so starke Schluckbeschwerden und Halsschmerzen auslösen, dass der Patient nicht mehr essen will. Meist sind Viren die Übeltäter, aber auch Bakterien können sich ansiedeln.

Bei akuter Heiserkeit und Schluckbeschwerden, die nach plötzlicher Abkühlung oder durch Zugluft ausgelöst wurde, sollte man möglichst rasch zu Aconitum D6 greifen. Das Mittel hat sich bewährt für Cabriofahrer, die nach einer flotten Fahrt im offenen Auto über Beschwerden in Kopf und Hals klagen. Neben dem plötzlichen Krankheitsbeginn sind auch innere Unruhe und Angst typisch für Aconitum.

Fachbegriffe der Homöopathie

Lexikonseiten Wichtige homöopathische Fachbegriffe verständlich erklärt, finden Sie auf aponet.de im
Homöopathischen Glossar.

Setzt heftiger Halsschmerz plötzlich ein und sind Rachen und Mandeln hochrot, ist Belladonna D6 richtig. Typisch sind Engegefühl im Hals, trockene Schleimhäute und fehlender Durst. Der Kopf ist hochrot und feucht von Schweiß, Hände und Füße sind jedoch kalt. Trockener krampfartiger Husten, bellende Hustenanfälle und Heiserkeit können hinzukommen.

Phytolacca D6 hat sich bei akuten Halsentzündungen bewährt, wenn Rachen und Mandeln dunkelrot geschwollen sind. Die Halslymphknoten sind geschwollen und druckempfindlich. Die Halsschmerzen strahlen bis in die Ohren aus.

Wenn stechende brennende Halsschmerzen sowie starke Schluckbeschwerden im Vordergrund stehen, ist Apis D6 die richtige Wahl. Typisch ist die glasig-hellrote Schwellung der Rachenschleimhaut. Trotz der sehr trockenen Schleimhäute hat der Patient keinen Durst.

Abschließend noch ein Mittel für alle, die viel reden müssen: Arum triphyllum D3. Es hilft, wenn die Stimme beim Singen oder nach einer längeren Rede versagt oder nur noch heiser klingt. Manchmal sind auch die Mundwinkel eingerissen.

Ohrenschmerzen

Zugluft, kalter Wind oder Baden in kaltem Wasser sind typische Auslöser für Ohrenschmerzen. Die Selbstbehandlung ist möglich, solange die Beschwerden mild sind und kein Fieber auftritt. Bei heftigen stechenden Ohrenschmerzen oder Ausfluss aus dem Ohr ist der Arztbesuch angesagt.

Aconitum D6 hat sich bewährt, wenn kalter Wind, beispielsweise Zugluft oder Fahrtwind, das Ohrenproblem ausgelöst hat. Oft werden die stechenden Ohrenschmerzen nachts schlimmer.

Klopfende, pulsierende Ohrenschmerzen, heißes rotes Gesicht und starkes Schwitzen deuten auf Belladonna D6 hin. Der Patient reagiert überempfindlich auf Berührung und laute Geräusche.

Bei einer milden Ohrenentzündung und ersten Zeichen eines grippalen Infekts ist Ferrum phosphoricum D6 angezeigt. Das Mittel hilft vor allem überempfindlichen, schwachen und rasch erschöpften Menschen. Bei Ohrenschmerzen kann man Belladonna und Ferrum phosphoricum auch abwechselnd einnehmen.

Wenn Wasserlassen zur Qual wird

Eine Erkältung kann sich auch auf den Unterleib schlagen. Ständiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und manchmal auch Unterleibskrämpfe sind typisch für einen Harnwegsinfekt.

Beginnt eine Blasenentzündung plötzlich und wird von Fieber begleitet, helfen Aconitum und Belladonna, jeweils als D6. Nach welchen Kriterien die Mittel ausgewählt werden, steht weiter oben im Kapitel "Alarmzeichen Fieber".

Dulcamara D6 ist das klassische Mittel für alle akuten Erkrankungen, die durch Unterkühlung und Durchnässung bei Regen oder beim Baden verursacht werden. Typisch: Der Patient hat nasse Badekleidung nicht gewechselt und klagt dann über eine Blasenentzündung. Er muss häufig zur Toilette, aber oft gehen nur kleine Mengen Urin ab. Die Blasenentzündung ist infolge von feucht-kaltem Wetter oder bei plötzlichem Wetterumschwung aufgetreten. Alles bessert sich durch Wärme.

Heftiger Harndrang mit schier unerträglichen brennenden Schmerzen vor, während und nach dem Urinieren weist auf Cantharis D6 hin. Der Patient muss oft zur Toilette, aber es kommt nur wenig Harn. Trinken, vor allem Kaffee und Wasser, verstärkt die Schmerzen. Der Kranke ist ruhelos und gereizt.

Pulsatilla wird ebenfalls bei Blasenreizung infolge von Nässe und Kälte eingesetzt. Typischer Auslöser ist Sitzen auf kalten Steinen. Die Patienten, oft Frauen, leiden an häufigem Harndrang und ausstrahlenden, krampfartigen Schmerzen bei und nach dem Wasserlassen. Pulsatilla wird auch bei unfreiwilligem Harnabgang bei Husten, Lachen oder in der Schwangerschaft eingesetzt.

Apothekerin Brigitte M. Gensthaler

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