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Etwa 90 Prozent aller Menschen sprechen gut auf Hypnosetechniken an und sind leicht hypnotisierbar.
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Hypnose: Therapiert durch Trance

Mit Hilfe von Hypnose werden Zahnbehandlungen erträglich und Verhaltensweisen verändert.

"Hypnose hilft auch dann, wenn alles andere versagt", so der britische Mediziner James Braid, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Begriff der Hypnose prägte. Damals steckte die Anästhesie noch in den Kinderschuhen und die Hypnose musste dafür sorgen, dass der Patient von der schmerzvollen Operation nicht allzu viel mitbekam.

Heute wird die alte Methode in vielen Praxen neu entdeckt und Braids Worte bekommen wieder Bedeutung. Die Hypnotherapie hilft zum Beispiel, wenn Ängste abgebaut oder Verhaltensweisen verändert werden sollen. Wenn der Patient beim Zahnarzt die Spritze nicht verträgt oder die Schwangere unter Geburtswehen leidet.

Das Wort Hypnose leitet sich aus dem griechischen Wort "hypnos", zu deutsch: Schlaf, ab. Doch bei der Hypnose schläft der Patient nicht. Er ist in Trance, in einem Zustand zwischen Wachsein und Schlafen. Der Patient ist tief entspannt und konzentriert sich auf ein inneres Erleben. Soll die Hypnose eine unangenehme Untersuchung oder Behandlung angenehmer machen - wie etwa beim Zahnarzt oder Internisten - wird der Patient zum Beispiel in den Urlaub geschickt: Die Bilder von Palmenstränden oder Alpenlandschaften lenken von den Schmerzen ab.

In der Psychotherapie hingegen wird mit Hilfe von Hypnose in der Vorstellung des Patienten eine Art alternativer Wirklichkeit geschaffen. Soll in einer Therapie eine problematische Vergangenheit aufgearbeitet werden, erinnert sich der Patient mittels Hypnose an die für ihn schmerzvollen Szenen. Anschließend werden diese aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und mit einer neuen Bedeutung verbunden. Sogar das Rauchen kann man sich so abgewöhnen, weil man in der Trance viel leichter lernt, auf Zigaretten zu verzichten.

Auch wenn Hypnose oft nach Hokuspokus klingt: Die Wirksamkeit dieser Methode ist inzwischen belegt. In zahlreichen Studien wurde die Hypnotherapie erforscht. Demnach liegt die Erfolgsquote über alle Anwendungsbereiche hinweg bei rund 70 Prozent.

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Was ist Hypnose?

In Hypnose oder Trance wird die Aufmerksamkeit weg von äußeren Reizen hin auf ein inneres Erleben - auf bestimmte Vorstellungen und Bilder - gelenkt. Die Umwelt verschwindet aus dem Blickfeld. Etwas "wie in Trance" tut man im Alltag häufiger, etwa bei der Lektüre eines spannenden Buches oder einer sehr konzentrierten Arbeit. In der Medizin und Psychotherapie wird diese Fähigkeit zur "Alltagstrance" so gezielt gefördert, dass sie zur Lösung körperlicher oder seelischer Probleme eingesetzt werden kann.

Wo wird Hypnose angewandt?

Sie lässt sich in der Medizin, Zahnmedizin und Psychotherapie sinnvoll einsetzen:

  • Medizin: Schmerzvolle Untersuchungen (z.B. Magen-, Darmspiegelungen) werden angenehmer, kleinere Operationen können ohne Narkose nahezu schmerzfrei durchgeführt werden.
  • Zahnmedizin: Ängste werden abgebaut. Behandlungen sind auch ohne Spritze schmerzarm bis schmerzfrei möglich. Verspannungen der Kaumuskulatur sowie schmerzhafte Kiefergelenkserkrankungen werden gelöst und auch Patienten mit Würgegefühlen können behandelt werden.
  • Psychotherapie: Viele Symptome neurotischer (z.B. Ängste und Phobien, Depressionen, posttraumatische Störungen) und psychosomatischer Natur (etwa Neurodermitis, Allergien, Migräne, chronische Schmerzen) können direkt behandelt werden. Bei manchen Verhaltensstörungen (wie etwa Ess- und Schlafstörungen) kann die Hypnotherapie helfen. Hypnose unterstützt aber auch andere Therapien wie z.B. Verhaltenstherapien.

Bedeutet Hypnose willenlose Fremdbestimmung?

Die moderne Hypnose sieht den Patienten als Gestalter seiner Trance. Er soll lernen, latente Fähigkeiten nutzbar zu machen. Mit Showhypnose, die einzelne Zuschauer bewusst manipuliert, hat das nichts zu tun.

Lässt sich jeder Mensch in Hypnose versetzen?

Wenn der Therapeut erfahren genug ist, sprechen die meisten Menschen gut auf Hypnosetechniken an. Untersuchungen zu Folge sind 10 Prozent aller Menschen sehr gut und 80 Prozent gut hypnotisierbar. Lediglich 10 Prozent sprechen nur schwer darauf an. Intelligente Menschen mit einem starken Willen sollen übrigens besonders gut zu hypnotisieren sein.

Besteht die Gefahr, nicht mehr aus der Hypnose zu erwachen?

Nein. Auch wenn der Hypnotiseur den Patienten nicht aus der Trance zurückholt, würde der Patient von selbst wieder wach. Unter Umständen verwandelt sich der Trancezustand in einen natürlichen Schlaf.

Warum verspürt man in der Hypnose weniger Schmerzen?

Das ist noch ungeklärt. Forscher vermuten, dass Hypnose die Kommunikation zwischen einzelnen Hirnzentren stört, in denen Reize verarbeitet werden. Die emotionale Kopplung von Schmerz an Angst, Stress und Fluchtreaktionen fehlt. Der Patient nimmt zur Kenntnis, dass ihm wehgetan wird, es stört ihn aber nicht.

Was kostet eine Hypnosebehandlung? Zahlt die Kasse?

Eine psychotherapeutische Hypnosebehandlung kostet etwa 80 bis 120 Euro pro 50 Minuten, die zahnärztliche Hypnose etwa 80 bis 150 Euro pro 50 Minuten. Wie viele Behandlungen notwendig sind, hängt von der zu behandelnden Störung, von der Breite des Behandlungsansatzes und vom Ziel der Behandlung ab. Hypnotherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen auf Antrag übernommen. Bei Privatkassen sind die Kostenübernahmeregelungen sehr unterschiedlich. Der Patient sollte sich vor Therapiebeginn unbedingt bei seiner Krankenkasse über die Möglichkeiten einer Kostenübernahme informieren.

Cornelia Jeske/Raufeld

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