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Blondieren bevorzugt

Krebsrisiko, Allergiegefahr: Das Haarefärben ist in Verruf geraten. Professor Dr. Thomas Platzek, Toxikologe vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, gibt teilweise Entwarnung.

Lösen Haarfärbemittel tatsächlich Krebs aus, wie in der Vergangenheit berichtet wurde?

Platzek: Eine Studie von 2001 stellte einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von permanenten Haarfarben, sogenannten Oxidationshaarfarben, und Harnblasenkrebs her. Ähnliches deutete schon eine Arbeit von 1980 an. Damals wurden die problematischen Substanzen identifiziert und schrittweise aus dem Verkehr gezogen.

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Die schädlichen Stoffe sind also damals entfernt worden.

Platzek: Zum großen Teil. Man braucht für solche Oxidationshaarfarben sogenannte aromatische Amine. Viele von denen, aber eben nicht alle, stehen unter Krebsverdacht. Man muss es in jedem Einzelfall testen. Die EU-Kommission hat vor etwa zehn Jahren ein großes Programm dazu gestartet, und alle Haarfarben, die jetzt hier in Europa verwendet werden, müssen diese Prüfprozedur durchlaufen. So wird gewährleistet, dass die Haarfärbemittel, die hier in Europa auf dem Markt sind, mit größtmöglicher Sicherheit kein Krebsrisiko darstellen.

Trifft das auf Haartönungen in gleicher Weise zu?

Platzek: Bei Tönungen werden anstatt der aromatischen Amine Farbstoffe eingesetzt. Diese bestehen meist aus größeren Molekülen, die schlechter in die Haut eindringen und daher weniger Prob leme bereiten. Es gibt zwar unter den Farbstoffen einzelne auffällig gewordene Substanzen, aber epidemiologische Studien liefern keine Hinweise, dass ein Krebsrisiko durch Haartönungen gegeben ist.

Wie ist das Blondieren mit Wasserstoffperoxid in dieser Hinsicht einzuschätzen?

Platzek: Das birgt meines Wissens nach kein Krebsrisiko.

Ein großes Problem stellen Allergien durch Haarfärbemittel dar. Welche Haarfarben gelten da als besonders gefährlich?

Platzek: Insgesamt enthalten dunkle Farben häufiger Problemsubstanzen als helle. Zwei Stoffe sind hier besonders ins Blickfeld gerückt: das para-Phenylendiamin, abgekürzt PPD, und das para-Toluylendiamin, kurz PTD. Auf diese zwei reagieren viele Friseure und ein Teil der Bevölkerung allergisch.

Als besonders schonend gelten Henna-Haarfarben. Können Sie das bestätigen?

Platzek: Henna selbst ist praktisch nicht allergen. Es wird vielfach als natürliche Alternative zu anderen Haarfarben benutzt. Das Problem dabei sind jedoch die Zusatzstoffe. Oft ist auch dort PPD enthalten, um eine intensivere und dunklere Färbung zu erzielen.

Wie kann man das Gesundheitsrisiko beim Haarefärben klein halten?

Platzek: Ganz wichtig: vor der Anwendung die Warnhinweise und die Gebrauchsanweisung beachten! Prob lemsubstanzen müssen auf der Packung deklariert werden. Beim Färben möglichst jeden Hautkontakt mit der Farbe vermeiden. Dazu am besten Handschuhe tragen und nur die Haare mit der Farbe in Berührung bringen. Kindern und Jugendlichen rate ich ganz vom Haarefärben ab, denn junge Menschen sind empfindlicher gegenüber Risiken. Wenn sie ihre Haare unbedingt farblich aufpeppen möchten, wären Tönungen die gesündere Alternative.

Vielen Dank für das Gespräch.

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