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Neue Medikamente gegen Makuladegeneration

Weltweit suchen Forscher nach neuen Wegen, um die Altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD genannt, zu behandeln. Über den aktuellen Stand informiert Professor Dr. Horst Helbig von der Universitätsaugenklinik Regensburg.

Wie schädigt die AMD das Auge?

Helbig:

Sie ist die mit Abstand häufigste Ursache für eine Sehbehinderung in Deutschland. In der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut, sammeln sich bei vielen Menschen im Alter Stoffwechsel-Abbauprodukte. Diese Ablagerungen behindern die Versorgung der Sinneszellen.

Wie stark wird das Sehen dadurch beeinträchtigt?

Helbig:

Bei der trockenen AMD sterben die unterversorgten Netzhautzellen allmählich ab. Das zentrale Sehvermögen schwindet nach und nach, die Orientierungsfähigkeit bleibt aber erhalten. Bei einigen Patienten bildet der Körper neue Blutgefäße, die brüchig und undicht sind. Das austretende Blut lässt die Netzhaut anschwellen. So entwickelt sich die aggressive feuchte Form, die zu einem schnellen Sehverlust führt.

Lässt sich einer AMD vorbeugen?

Helbig:

Auf das Rauchen verzichten. Für Menschen mit besonders hohem Risiko wird empfohlen, Vitamine und Spurenelemente als Tabletten zusätzlich einzunehmen. Außerdem empfehle ich bei sehr hellem Licht, etwa am Strand oder im Schnee, eine geeignete Sonnenbrille zu tragen.

Wie sieht es mit Medikamenten aus?

Helbig:

Der große Durchbruch gelang vor einigen Jahren bei der Behandlung der feuchten AMD mit Antikörpern gegen einen bestimmten Wachstumsfaktor, der die Bildung der krankhaften Blutgefäße fördert. Während unbehandelt fast alle Patienten ihre zentrale Sehschärfe innerhalb weniger Monate verlieren, kann jetzt den meisten Patienten die Sehkraft über Jahre erhalten werden.

Wie läuft diese Behandlung ab?

Helbig:

Der Arzt injiziert das Medikament mit einer Spritze in den Augapfel. Diese Behandlung muss zunächst drei Mal im Abstand von vier Wochen, später in größeren Abständen wiederholt werden. Die Forscher suchen aber nach Wegen, den Wirkstoff anders, etwa über Augentropfen, zu verabreichen. Eine Reihe anderer Verfahren befinden sich zurzeit in der Erprobung. Ein Weg wäre, den Wachstumsfaktor, der die AMD fördert, frühzeitig abzufangen. Ein anderer Ansatz versucht, ihn auf genetischem Wege auszuschalten. Weiterhin könnte auch eine gezielte Bestrahlung die kranken Blutgefäße eindämmen. Zu allen drei Verfahren haben Studien begonnen.

Gibt es auch etwas gegen die trockene Form der AMD?

Helbig:

Auch hier zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: zum Beispiel der Wirkstoff Fenretinide. Mit dem Medikament lässt sich der Stoffwechsel des Sehpigments bremsen. Es besteht die Hoffnung, dass sich dann weniger Ablagerungen unter der Netzhaut bilden und dies das Fortschreiten der trockenen AMD aufhalten kann.
Ein neuartiger Behandlungsversuch verbirgt sich hinter dem Kürzel NT-501. Hierbei setzt der Arzt ein Implantat in das Auge ein. Es enthält spezielle Zellen, die den Wirkstoff »Ciliary Neurotrophic Factor« absondern. Er kann unter Umständen das Überleben der Sinneszellen der Netzhaut verlängern. Klinische Studien werden zeigen, ob dieses Implantat dazu beitragen kann, bei der trockenen AMD die Sehschärfe länger zu erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch.

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