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Nahrungsfett beeinflusst Depressionsrisiko

Einer aktuellen Studie zufolge erhöht gehärtetes Industriefett das Depressionsrisiko, Olivenöl senkt es. Ein Grund mehr, viele frische, unverarbeitete Lebensmittel aufzutischen.

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Ungesunde Fette machen nicht nur den Körper, sondern offenbar auch die Psyche krank. Einen besonders schlechten Ruf haben trans-Fettsäuren, die unter anderem bei der Härtung von Ölen in der Lebensmittelindustrie entstehen. Bereits Anfang der 1990er Jahre stellte sich heraus, dass diese Fette Herz-Kreislaufkrankheiten den Weg ebnen. Jetzt zeigt eine aktuelle Studie aus Spanien, dass sie außerdem aufs Gemüt schlagen: Den Ergebnissen zufolge erhöhen bereits geringe Mengen trans-Fettsäuren das Risiko, an Depressionen zu erkranken. Olivenöl hatte den gegenteiligen Effekt.

Industriefette bekommen ihr Fett weg

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Ernährungsgewohnheiten von über 12000 gesunden spanischen Universitätsabsolventen. Von Interesse waren vor allem die Nahrungsfette. In den folgenden sechs Jahren erkrankten 657 Teilnehmer erstmals an einer Depression. Welche Fette hatten diese Menschen gegessen, und gab es einen Zusammenhang mit dem Auftreten der Erkrankung? Die Wissenschaftler wurden fündig: Teilnehmer mit dem höchsten Konsum an trans-Fettsäuren hatten ein fast 50 Prozent höheres Depressionsrisiko als Teilnehmer mit dem geringsten Konsum. Je mehr trans-Fettsäuren auf dem Speiseplan standen, desto höher war die Wahrscheinlichkeit depressiv zu werden.

Die Ergebnisse sind auch deshalb bedeutsam, weil die Studienteilnehmer generell sehr wenig trans-Fettsäuren aufnahmen. Dennoch stieg das Depressionsrisiko. Wie mag es in Ländern mit einem höheren Verzehr aussehen? Die Amerikaner essen beispielsweise die sechsfache Menge. In Deutschland liegt die Aufnahme im Rahmen: Sie beträgt in etwa ein Prozent der Gesamtenergie und entspricht damit dem Grenzwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Trans-Fettsäuren bilden sich, wenn Öle bei der Herstellung von Streich-, Back- und Kochfetten gehärtet werden, zum anderen entstehen sie bei der starken Erhitzung von Fetten. Folglich tauchen sie in daraus hergestellten Lebensmitteln auf, etwa in Backwaren, Tütensuppen, Fertiggerichten, diversen Süßwaren, Snacks und Frittiertem. Die Lebensmittelindustrie hat inzwischen zwar neue Verfahren entwickelt, um die Bildung von trans-Fettsäuren zu reduzieren. In Margarine beispielsweise sind trans-Fettsäuren seither kein Thema mehr. Bei anderen Lebensmitteln kann der Gehalt allerdings immer noch stark schwanken.

Derzeit gibt es keine Kennzeichnungspflicht für trans-Fettsäuren. Verbraucher können also nicht feststellen, wie viele dieser gesundheitsschädlichen Substanzen sie essen. Die Angabe »gehärtete Fette« auf der Zutatenliste lässt deren Anwesenheit zwar vermuten, sagt aber nichts über die enthaltene Menge. Einschränken lässt sich die Zufuhr an trans-Fettsäuren am besten, indem man möglichst viele frische, unverarbeitete Lebensmittel auf den Tisch bringt.

Olivenöl gegen Depressionen?

Die spanische Studie lieferte noch ein interessantes Ergebnis: Je mehr einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Teilnehmer verzehrten, desto geringer war das Risiko für Depressionen. Auch der Verzehr von Olivenöl erwies sich als risikosenkend. Dies passt zu den Ergebnissen einer früheren Untersuchung, die einen günstigen Einfluss der Mittelmeerküche auf das Depressionsrisiko feststellte. Dabei spielt Olivenöl neben Gemüse, Obst, Nüssen, Vollkornprodukten und Fisch eine große Rolle.

Auch wenn der Zusammenhang zwischen der Fettaufnahme und Depressionen noch durch weitere Studien untermauert werden muss, ist bereits klar: Beim Fett kommt es auf die Qualität an. Und wer hochwertige Öle verwendet und minderwertige Industriefette meidet, tut seiner Gesundheit auf jeden Fall etwas Gutes.

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