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Keine Angst vor Insulin

Im Rahmen der UKPD-Studie (United Kingdom Prospective Diabetes Study) stellte sich heraus, dass Insulin gegenüber Tabletten in der Therapie des Typ-2-Diabetes nicht schlechter abschneidet – sofern man es zum richtigen Zeitpunkt einsetzt.

Zu Beginn der Erkrankung stellte sich die Gabe von Metformin als wertvoller heraus, so ein Resultat der UKPD-Studie. Lässt mit der Diabetesdauer die Insulinpro-duktion der Bauchspeicheldrüse zunehmend nach, können orale Antidiabetika jedoch versagen. Oft wird über diesen Zeitpunkt hinaus dennoch weiter mit Tabletten behandelt, obwohl an sich schon längst Insulin auf dem Plan stehen sollte. Wissenschaftler machen für diesen fatalen Missstand auch die Angst vor Insulin verantwortlich, die nicht zuletzt mancher Arzt bei seinem Patienten schürt. Eine unbegründete Angst, die oft auf folgenden Annahmen beruht:

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Wenn ich Insulin spritzen muss, dann bedeutet das, dass ich einen ganz schweren Diabetes habe.

Stimmt nicht! Eine Insulintherapie beginnt zwar oft dann, wenn Tabletten nicht mehr ausreichend helfen, aber das bedeutet nicht, dass sich der Blutzucker nun schwerer einstellen lässt. Der Körper bekommt lediglich exakt das zugeführt, was die Bauchspeicheldrüse selbst kaum noch herzustellen vermag.

Insulin macht abhängig, davon komme ich nicht mehr los.

Stimmt nicht! Wer für sich entscheidet, kein Insulin mehr spritzen zu wollen, bekommt zwar hohe Blutzuckerwerte, so wie beim Absetzen von Tabletten auch, aber keinerlei Entzugserscheinungen.

Das Spritzen an sich tut bestimmt weh.

Stimmt nicht! Insulinnadeln sind heute so fein, dass man in der Regel vom Stechen nichts spürt. Selten trifft die Nadel ein Blutgefäß. Aber nach ein bisschen Blut und einem blauen Fleck ist die Sache vergessen.

Das ist mir alles viel zu kompliziert.

Das kommt darauf an! Dank Insulinpens muss heute niemand mehr das Insulin aus einer Ampulle in eine Nadel aufziehen. Und die Frage nach der Dosis kann sich nach einer guten Schulung beinahe jeder selbst beantworten. Und er hat das Wissen, um auftretende Probleme beim Arzt konkret anzusprechen.

Sich auf Insulin einzulassen, bedeutet allerdings keinen Persilschein für ungehemmtes Schlemmen. Das macht nicht nur den positiven Effekt des Hormons auf Blutfettwerte zunichte, sondern lässt das Gewicht in die Höhe schnellen. Wer mit einer Insulintherapie beginnt, muss ohnehin damit rechnen, zuzunehmen. Grund: Dem Organismus geht es einfach besser, wenn sich mit dem Hormon die Blutzuckerwerte wieder normalisieren. Dann kann Glukose der Energiegewinnung dienen und wird nicht – wie bei hohen Werten – über die Nieren ausgeschieden. Eine bessere Stoffwechsellage äußert sich in einem niedrigeren HbA1c-Wert: Pro Prozentpunkt weniger ist mit einem Gewichtsanstieg von zwei Kilo zu rechnen. Weniger, aber gesund essen, so lautet die Formel, um nicht zuzunehmen. Normnahe Blutzuckerwerte steigern im Vergleich zu hohen Werten das Hungergefühl. Gemüse, Obst und Salate helfen, sich ohne Kalorienüberschuss satt zu essen. Im Gespräch mit dem Arzt kann man darüber hinaus klären, ob die Einnahme eines Arzneimittels gegen Übergewicht für einen bestimmten Zeitraum sinnvoll ist.

Unterzuckerungen treten bei Typ-2-Diabetikern deutlich seltener auf als bei Menschen mit Typ-1-Diabetes. Wer Insulin spritzt, muss jedoch grundsätzlich damit rechnen. Deshalb sollte man sich in einer Schulung informieren, was bei einer Unterzuckerung zu tun ist und immer und überall Traubenzucker bei sich haben.

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